Kritisch: Wenn Kinder sich zwischen Autos durchschlängeln müssen, weil der Gehweg zugeparkt ist, wird es gefährlich.
Es ist morgens vor einer Grundschule, Autos stehen Schlange, parken auf Gehwegen und Straßen, um Kinder direkt vor dem Eingang abzusetzen. Eine alltägliche Situation, wie sie allerorts in Deutschland anzutreffen ist – und eben auch in Kelsterbach.
Viele Umfragen und Studien, unter anderem von der ADAC-Stiftung, belegen, dass sich die Schulwegunfälle aufgrund von Elterntaxis vervielfacht haben und bereits jedes dritte Kind von gefährlichen Situationen auf dem Schulweg berichten kann. Statt also sein Kind mit der Fahrt zur Schule zu schützen, verschärfen Eltern die Situation.
Davon sind paradoxerweise die Kinder, die zu Fuß gehen, aber auch die Kinder, die mit dem Auto gebracht werden, betroffen. Denn aussteigende Kinder sind durch unübersichtliche Verkehrssituationen besonders gefährdet. Die ADAC-Umfrage zur Schulwegsicherheit zeigt, dass fast zwei Drittel der Grundschulen ein deutliches Problem mit dem Elterntaxi haben.
Zusätzlich führt das erhöhte Verkehrsaufkommen zu Staus, riskanten Überholmanövern und einer allgemeinen Verschlechterung der Verkehrssicherheit vor den Schulen. Auch die unsichtbare Gefahr durch Abgase ist nicht zu unterschätzen. Die Belastung durch Autoabgase ist demnach vor Schulen besonders hoch.
Viele Eltern argumentieren, dass sie Angst davor haben, ihr Kind allein gehen zu lassen aufgrund der mannigfachen Gefahren, die unterwegs lauern. Dabei muss wiederholt werden, dass Elterntaxis selbst ein Grund für diese Gefahren sind. Immer größer werdende Autos sind besonders für Kinder ein Problem, die zum einen nicht an den Autos vorbei sehen können und die zum anderen teilweise nicht über die Kühlerhaube hinausragen. So werden sie oft übersehen. Verschlimmert wird dies, wenn Kinder auf die Straße ausweichen müssen, weil der Gehweg zugeparkt ist.
Zudem zeigen Studien zur Verkehrserziehung, dass Kinder, die regelmäßig im Auto chauffiert werden, das Verhalten im Straßenverkehr nicht richtig lernen und später, wenn sie allein unterwegs sind, unsicherer sind. Hingegen zeigen Studien, dass Kinder, die selbstständig zur Schule gehen, ein besseres Gefühl für Wege, Entfernungen und ihre Umgebung entwickeln.
Wer seinem Kind in der Anfangszeit nicht zutraut, den Schulweg allein zu gehen, der sollte sich die Zeit nehmen, sein Kind zu Fuß zu begleiten. Eine Alternative sind Schulweggruppen, in denen die Kinder gemeinsam gehen und die anfangs von Eltern begleitet werden können. Das stärkt das sichere Verhalten im Straßenverkehr und das Wir-Gefühl der Kinder. Wer sein Kind dennoch mit dem Auto zur Schule bringen möchte, der sollte zur Bring- und Abholzeit besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit walten lassen.
Viele Schulen machen zudem mit Bannern, auf denen ein klares Nein zu Elterntaxis proklamiert wird, auf die Problematik aufmerksam. Andere überlegen, wo möglich, Zufahrten zu sperren. Auch Haltebuchten, um die Kinder nur kurz abzusetzen, können helfen, ein Verkehrschaos vor der Schule zu minimieren. Eine allgemeingültige Lösung scheint es jedoch nicht zu geben.
Auch am Gelände der IGS Kelsterbach und der neugebauten Karl-Treutel-Schule kam es direkt nach der Eröffnung zu unschönen und gefährlichen Situationen durch die PKWs der Eltern. Die Stadt Kelsterbach wird deshalb in der Anfangszeit des neuen Schuljahrs mit verstärkten Kontrollen auf das zu erwartende Problem der Elterntaxis eingehen.
Eltern müssen verstehen: Das bequeme Absetzen vor der Schule ist kein Akt der Fürsorge, sondern gefährdet die Kinder. Zeit, Verantwortung zu übernehmen und den Kindern die Chance zu geben, selbstständig und sicher zur Schule zu kommen. (ana)