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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 34/2018
Seite 2
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Als ein Fotoapparat zwei Monatslöhne kostete

Erhard Stenzinger erläutert ein älteres Kameramodell.

Eine alte Glasplatte als Negativ.

Eine sehenswerte Ausstellung hält das Stadtmuseum Kelsterbach zurzeit parat. Fotoapparate aus zurückliegenden Jahrzehnten bis hin zur Balgenkamera (mit Manschette aus Leder oder Kunststoff) aus den Vorkriegszeiten und die damit gemachten Fotos sind zu sehen.

Zur Eröffnung hielt der gelernte Fotograf Erhard Stenzinger, er unterhielt über Jahrzehnte als Selbständiger eine Fotodrogerie, einen Vortrag. So kostete bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen einer vierköpfigen Familie im Jahr 1955 eine Zeis-Ikon Contaflex II, eine damals moderne Spiegelreflexkamera, 495 Mark, eine kostspielige Angelegenheit, wie der Vorsitzende des Volksbildungswerkes Hartmut Blaum bei seiner Begrüßung sagte. „Wir haben Glück, dass wir noch einige Fotoapparate aus der Nachkriegszeit besitzen, denn die Amerikaner konfiszierten nach Kriegsende 1945 auch in Kelsterbach fast alle verfügbaren Fotoapparate“, ergänzte Stenzinger. Er hatte sogar noch alte Glasplatten älterer Plattenkameras mitgebracht, die damals als Bildträger dienten. Zu sehen, so Stenzinger, ist unter anderem die AGFA-Box aus dem Jahr 1932. Die konnte man erwerben, wenn man vier einzelne Reichsmark der Reichs-Prägestätten „A“, „G“, „F“ und nochmals „A“ im Geschäft auf den Tisch legte. Gestaltet haben die Ausstellung Karl Schmiedt und Rainer Wilhelm vom Volksbildungswerk

Kleine Zeitreise

Ausgestellt sind auch Kameras auf großen Holzstativen, vor denen man dann für ein Großbild mal längere Zeit stillstehen musste. „Nicht bewegen, in die Kamera schauen“, lautete dann das Kommando des Fotografen. Zu sehen sind eine Reihe von Kleinbildkameras, die die Mittelformat und Großbildkameras ablösten. Später kamen kleine Pocketkameras für den Urlaubsgebrauch hinzu. „Da konnte man statt eines Rollfilmes eine Kassette einlegen, das ging schnell und problemlos“, so Stenzinger vor einigen Gästen der Eröffnung, darunter Bürgermeister Manfred Ockel und Stadtrat Alfred Wiegand. Nicht mehr im Fokus der Ausstellung, die auch über das Altstadtfest zu sehen ist, sind moderne Digitalkameras. Zu bestaunen ist auch eine WERRA-Kamera aus der ehemaligen DDR. Stenzinger hat nach einigem Zögern denn auch zur Digital-Spiegelreflex gewechselt. Wie Journalist Rüdiger Koslowski Stenzinger bestätigte, fotografiere man heute deutlich anders als mit einem 24- oder 36er Kleinbildfilm. Machte man früher seine Aufnahmen bewusst und konnte erst nach der Entwicklung das Ergebnis sehen, so gehe heute die Bilderzahl ins Unendliche und Beliebige. Niemand benötige mehr ein Labor, so Stenzinger, das hat heute jeder zuhause auf seinem Rechner als Bildbearbeitungsprogramm. Dennoch: Gute Bilder sind immer noch ein Zeichen von Handwerkskunst, ob analog oder digital. Und die künstlerische Schöpfungshöhe bleibt für ein gutes Foto das wichtigste Merkmal. (hb(Fotos: hb und Rainer Wilhelm)