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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 36/2018
Seite 3
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Die Kelsterbacher Kerb bleibt ein Phänomen

Getreu dem Motto „Die Kelsterbacher Kerb is do, was sein die Leut‘ so froh" wurde der Schlossplatz wieder für vier Tage in eine Partymeile verwandelt.

Bei Crêpe, Steak, Bratwurst und dem ein oder anderen Bembel herrschte bei schönstem Wetter Hochstimmung. Die Stadt konnte als Festwirte erneut Markus und Tanja Diestelkamp gewinnen, die bereits bei ihrem Debüt im vergangenen Jahr „einen super Job“ gemacht haben, wie Robin Schmalz vom Kulturamt berichtet. Er und sein Team haben das Event rund drei Monaten geplant und nichts dem Zufall überlassen. Obwohl sie gezielt auf moderne Elemente setzen, betont Schmalz: „Wir wollen natürlich, was unsere Programmauswahl angeht, die Tradition achten“. Das Kulturamt arbeitete in enger Abstimmung mit den Kerweborsch zusammen, die das „Herzstück der Kerb“ seien, wie Schmalz sagt. Insbesondere lobt er hier Präsident Sven Wellinger, der sich mit eigenen Ideen zum Marketing und zur Bandauswahl sehr eingebracht habe.

Neugestalteter Kerwefreitag

Statt wie bisher am Samstag nach dem Baumstellen wurde die Kerb heuer schon am Freitag eröffnet. Die Kerweborsch zogen ein, das Zelt war voll, die Stimmung gut, und Bürgermeister Manfred Ockel zapfte das Fassbier an, das schnell Abnehmer fand. Zeltwirt Distelkamp verteilte Hütchen an die Kerweborsch, die GHB-Band spielte live fetzige Musik. Eine gelungene Umstellung insgesamt.

Kerwebaum als „Mittelpunkt der Kerb“

Zu den traditionellen Höhepunkten der Kerb gehört das Aufstellen des Kerwebaums. Der Baum aus dem Kelsterbacher Stadtwald ist der „Mittelpunkt der Kerb“, weiß Giggelsmädchen Lea Wehe zu berichten. Nach der obligatorischen Stärkung bei Familie Helmchen traf der Baum pünktlich um 16 Uhr auf dem Schlossplatz ein. Dort richteten die Kerweborsch den inzwischen festlich geschmückten Kerwebaum mit Hilfe eines Seils innerhalb von rund einer Stunde auf. Zum ersten Mal wurde dieses Jahr ein Schätzspiel veranstaltet. Für kleines Geld konnten die Besucher versuchen zu erraten, wie hoch der Baum ist, und Getränke- und Autoscooterchips gewinnen. An die tatsächliche Höhe 21,69 Metern kam Michael Krämer mit seiner Schätzung von 21,73 Metern am nächsten heran.

Moonwalk, Livegesang und neue Ehrenkerweborsch

Zum klassischen Kerwesamstag gehörte natürlich die Ernennung der Ehrenkerweborsch. Um dem 30-jährigen Jubiläum der Gruppierung der Altkerweborsch gerecht zu werden, wurden in diesem Jahr gleich vier Personen - statt der üblichen zwei - zu Ehrenkerweborsch ernannt. Hierbei handelt es sich um Kelsterbacher, die sich in besonderer Weise für die Kerb oder die Stadt engagiert haben. Die Nominierungen stammen sowohl aus dem Lager der Aktiven, der Altkerweborsch, der Stadt sowie vom Vereinsring. Überreicht von Bürgermeister Manfred Ockel, Präsident Sven Wellinger sowie dem Giggelsmädchen durften sich Jörg Schweser, Marie-Louise Ströhler, Thorsten Schreiner und Matthias Ostertag erstmals unter großem Beifall des Publikums die Ehrenkerweborsch-Scherpe anlegen lassen. Beim anschließenden Showprogramm gaben die 14 aktiven Kerweborsch, passend zu ihrem diesjährigen Motto „Legends never die“, ihr tänzerisches Können zu Klassikern von Künstlern wie Michael Jackson zum Besten. Als Präsident Sven Welliger dann auch noch Udo Jürgens‘ Hit „Ich war noch niemals in New York“ live sang, kochte die Stimmung im vollbesetzten Zelt förmlich über. Mit Spielen wie dem Musikraten und dem Wettbewerb „Wer den besten Moonwalk aufs Parkett legt“, banden die Kerweborsch das Publikum mit in ihr Programm ein. Besonders gut kam auch der Kelsterbacher „Sanche-Dance“ an, bei dem die Zuschauer nach anfänglichem Zögern doch noch die Bühne stürmten um mitzutanzen. Nach der Show bewies DJane Flummi mit ihrem bunten Mix aus Partyhits ihr Können an den Turntables und brachte die Menge zum Feiern.

Umzug mit Moderation

Was macht man, wenn sich der Kerweumzug nicht pünktlich in Bewegung setzt? Man engagiert einen Moderator, der den Wartenden die Zeit mit lustigen Sprüchen vertreibt. Vereinsringschef und Ehrenkerweborsch machte das am Rathaus schon wie im Vorjahr. Dann zog der Kerwe-Lindwurm die Bergstraße hinab ins Unterdorf, wo in den schön geschmückten Straßen so manches Getränk genossen wurde. Mit von der Partie waren alle aktiven Kelsterbacher Vereine, Knolle flogen wie an Fasching in die Zuschauer.

Janine Netsch ist der neue Giggel

Eine schöne Zeltatmosphäre bot der Kerwemontag. Viele Ehrengäste gaben sich ein Stelldichein beim Giggelsschlag zum Frühschoppen, Altbürgermeister Erhard Engisch, die Landtagsabgeordnete Kerstin Geis und Landrat Thomas Will sowie Parlamentschefin Helga Oehne. Als zweite Kandidatin trat im schwarzen Kleid und weißer Bluse Janine Netsch auf die Bühne, altem Kerweadel entstammend, und beim dritten Schlag mit dem Dreschflegel stoben die Scherben in alle Richtungen. Der neue Giggel, die einzige Frau der Kerb, war gefunden. Die rauhen Stimmen der Kerweborschen leicht angeschlagen, begrüßten ihre neue Chefin, im zivilen Leben Erzieherin. Der Kerwebaum wurde für 405 Euro und eine Ibuprofen 800 versteigert. Bürgermeister Manfred Ockel löste seine Zeltwette ein, er hatte für 400 Euro zahlreiche Aufkleber unter die Leute gebracht. Schwarze T-Shirts mit „Legends never die“ fanden Absatz, und der Tierschutzverein, „Kleeblatt“ und die Tafel dürfen sich bald über eine nette Spende freuen. Resümee: Die Kerb lebt und ist putzmunter. Die Kerweborsch machen einen tollen Job und Kelsterbach goutiert das mit wieder stärkerem Interesse. Die Kelsterbacher Kerb ist schon ein Phänomen. Sie ist nicht wie andere Volksfeste dem goldenen Kalb des schnöden Rummels geopfert worden. Die Kerb ist Kelsterbach, und Kelsterbach ist in großem Maße auch Kerb. The show will go on!

(So/hb: Fotos: so/hb/ts)