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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 37/2021
Seite 2
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Halb verhungert und voller Parasiten

Tierschutzverein zieht traurige Bilanz

Anfang September traf sich der Tierschutzverein zu seiner Jahreshauptversammlung. Es sei ein hartes letztes Jahr gewesen und auch dieses, gerade einmal zu drei Viertel vorbei, sei nicht besser, sagte die Vorsitzende Judith Wagner.

Durch Corona waren sämtliche Veranstaltungen und damit verbundenen Einnahmen weggefallen. Gleichzeitig gebe es das Doppelte an Arbeit durch die vielen notleidenden Wildtiere sowie Menschen, die mit ihrem mehr an Freizeit sich ein Tier zulegten, das nicht selten nach kurzer Zeit im Tierheim lande. Im vergangenen Jahr habe man zudem über 600 Wildtiere aufgenommen. Dieses Jahr sei man schon jetzt bei fast 700, alle halb verhungert und voller Parasiten.

Einnahmen weggebrochen

Der Tierschutzverein Kelsterbach hat mehrere Standbeine. Da wären Spender und Mitglieder, oder auch der Verein Airliners for Animals, der vierteljährlich eine finanzielle Unterstützung beisteuere. Die Bewirtung für die Stadt und andere Veranstalter auf verschiedenen Festen und Basaren, dem Andreasgelage, Konzerten oder dem Weihnachtsmarkt im Schloss waren im letzten Jahr und bisher auch in diesem Jahr größtenteils wegefallen. „Dadurch ist einiges an Geld ausgeblieben“, so Wagner. Auch das Imkern mit der Förderschule bei den tierschutzvereineigenen Bienenstöcken konnte nicht stattfinden.

Aktiv auch über die Notversorgung hinaus war der Verein dennoch. So habe man letztes Jahr versucht, mit der Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit weiterzukommen. „Wir hatten Glück mit der Hochschule Darmstadt zusammenarbeiten zu können. Zusammen haben wir einen Flyer „Was tun bei Wildtierfund“ herausgegeben und in allen Haushalten verteilt. Gleichzeitig haben wir einen eigenen Kanal auf Instagram gestartet, für jüngere Leute. Das läuft gerade richtig an“, berichtete Wagner.

Taubenschlag zur Bestandskontrolle

Auch der neue Taubenschlag ist eines der Vorzeigeprojekte des Tierschutzvereins. Man bekomme stets viele Tauben, die gesund gepflegt würden. Die genesenen Tauben würden dann bei Büdingen ausgewildert, so Wagner weiter. Doch die Feststellung bleibt, dass immer mehr Tauben den Weg nach Kelsterbach finden. Die Theorie dazu ist, dass einige Tiere aus Frankfurt kommen, weil sie dort nichts mehr zu fressen finden. Man verzeichne einen Zuwachs von fast 100 Prozent. Deswegen sei die Idee nach Vorgesprächen und Recherchen zu einem betreuten Taubenschlag entstanden. Hintergrund ist die Frage, was man gegen die Tauben machen kann. Ein Futterverbot bringe nichts, Vergiftung verbiete sich, die Jagd mit Greifvögeln in Stadtgebieten sei unheimlich brutal und unschön und Stacheln auf Häusern etc. seien einfach nur inhuman. Die einzig humane Methode dagegen sei ein Taubenschlag. Durch das Anbieten von Futter und Nistplatz sowie das Austauschen der Eier durch Gipseier, könne man den Bestand regulieren und medizinisch versorgen. Das beste Beispiel sei das Main-Taunus-Zentrum, so Wagner. Im Jahr 2017/2018 sei ihr aufgefallen, dass man dort einkaufen und essen gehen könne, ohne von Tauben belagert zu werden. Sie habe Kontakt mit dem Tierschutzverein Sulzbach aufgenommen, der den dortigen Taubenschlag gegründet hat. Diese tauschen pro Jahr über 1600 Eier aus. So war die Idee geboren einen solchen nach Kelsterbach zu bringen. Doch der TSV Kelsterbach setzt noch einen drauf. Gerade fange man an, die Tauben zu beringen. Hiermit soll das Verhalten der Tauben nachvollzogen werden und welches Gebiet von ihnen in Kelsterbach abgedeckt werde. „Der Taubenschlag konnte nur verwirklicht werden durch einige Institutionen und Vereine, die zweckgebunden gespendet haben“, betonte Wagner.

Gerade sei man dabei neue Helfer und Pflegestellen zu werben und neue Wickelstation einzurichten, beispielsweise für Igelbabies. Denn genau wie im Fußball gilt auch im Tierschutz: Nach der Saison ist vor der Saison.

Wiedergewählter Vorstand dankt allen Unterstützern

Zum Ende ihres Jahresberichts bedankte sich Wagner. „Wir haben schon jede Menge Hilfe, viele Pflegestellen, viele Nachkontrollen, Fahrtgruppen, die Notfälle fahren oder auch zum Auswildern, den Kelsterbacher Markt Kurz, Superpet, das Hasenhaus Odenwald, die Airliner for Animals und natürlich Tierärzte, die freiwillige Feuerwehr und die Polizei Kelsterbach. Gerade mit diesen beiden Institutionen funktioniert die Zusammenarbeit hervorragend. Das liegt auch an der tollen Zusammenarbeit mit der Stadt, die die Arbeit des TSV an besondere Stelle stellt.“ Tränen traten ihr in die Augen als sie zum Schluss ihrem Team dankte. „Mein besonderer Dank geht ans Team. Alleine lässt sich so ein Verein mit seinen Aufgaben nicht bewältigen.“ Ungebrochene Hilfe und Bereitschaft seien nicht selbstverständlich.

Nach dem Hauptbericht kam der Kassenbericht, den Alexander Reuter vortrug. Danach folgten die Neuwahlen des Vorstandes, Kassenwarts und Schriftführers. Alle bisherigen Amtsträger wurden wiedergewählt. Lediglich Eva Rolle wurde neu in das Amt der Schriftführerin gewählt, da Gertrut Kühnl aus gesundheitlichen Gründen der Aufgabe nicht mehr nachkommen konnte.

Und auch Ehrengast Heinrich Hoffmann wurde für sein Kommen gedankt. Er sei ein Mitglied der ersten Stunde gewesen. "Die Nummer sieben war ich", erwiderte dieser. "Ich möchte mich als Ehrenvorsitzender des Vereinsrings für die von Ihnen geleistete Arbeit bedanken. Ich bin von der Durchführung der Jahreshauptversammlung und der einzelnen Berichte sehr beeindruckt. Wir sind für den Tierschutzverein in dieser Stadt sehr dankbar und schauen mit viel Respekt auf die Arbeit."

Stadträtin Katja Ehrlich hatte stellvertretend für Bürgermeister Manfred Ockel an der Sitzung teilgenommen. Sie überbrachte seine Grüße und beglückwünschte im Namen der Stadt den neuen alten Vorstand. Auch bedankte sie sich mit einer Spende der Stadt für die gute Zusammenarbeit. „Macht weiter so, die Stadt wird Euch immer unterstützen.“ (ana)

Wer eine Tierpatenschaft übernehmen oder sogar ein Tier adoptieren möchte, kann sich auf der Website des Vereins informieren: http://tierschutzverein-kelsterbach.de/de/

Wer für den Verein spenden möchte kann dies unter:

Tierschutzverein Kelsterbach e. V.

Kreissparkasse Groß Gerau

Spendenkonto.:

IBAN: DE66 5085 2553 0005 0039 75

BIC: HELA DEF1 GRG

oder

Volksbank Darmstadt-Südhessen eG

Spendenkonto:

IBAN: DE 12 5089 0000 0061 5361 08

BIC: GENODEF1VBD