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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 37/2021
Seite 3
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Frühling zu Gast in Kelsterbach

Nur keine falsche Bescheidenheit - Ramona Wiechmann kündigt Tim Frühling mit seiner Lesung an.

Wer hätte gedacht, dass es noch einmal so sonnig wird - außer dem Wettermoderator natürlich.

Nicht nur kommunikativ, sondern auch nahbar beim Signieren der Bücher.

Moderator Tim Frühling liest aus seinem Roman „Totgegrillt“

Die Sonne lachte von einem strahlend blauen Himmel am vergangenen Sonntag. Keine Spur mehr von den unwetterartigen Sturzfluten von Freitagabend, die zur Absage der Konzertnacht „Oldies but Goldies“ geführt hatten. Für Tim Frühling, Radio- sowie Fernsehmoderator beim Hessischen Rundfunk von Sendungen wie Alle Wetter, Grund genug zu sagen: „Das mit dem Wetter hab ich organisiert. Ich sitze ja an der Quelle“.

Schnell hatte Frühling bei seiner Mittagsmatinee das Publikum in seinen Bann gezogen. Während er zunächst eine Zusammenfassung seiner vorigen Kriminalromane, die in Bad Hersfeld spielen, gab, leitete er geschickt über zu seinem neuen Buch, das dieses Mal den Kölner Raum zum Tatort macht. Bad Hersfeld sei für ihn eine lebendige Stadt, nicht zuletzt, weil während der Bad Hersfelder Festspiele daraus eine Großstadt würde und immer wieder viele neue, interessante Leute hineinströmten. Den Kölner Raum dagegen kenne er durch seine Mutter, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung mitteilte. Sowohl das großkotzige Verhalten eines seiner Protagonisten als auch das Thema Grillen passe wunderbar in die Kölner Gegend, gab er freimütig gegenüber dem Publikum zu. Und da seine Mutter aus der Region komme, bliebe den Gästen auch hier und da die Mundart bei der Lesung nicht erspart.

Das Publikum nahms mit Humor, wie so ziemlich alles was Frühling in den knapp zwei Stunden erzählte. Mit viel Wortwitz las er aus verschiedenen Kapiteln seines Romans und verstand es geschickt, zwischen den einzelnen Passagen überzuleiten. Dabei bezog er auch immer wieder das Publikum mit ein, gab noch einmal Hinweise, wer alles als Verdächtige/r in Frage käme und warf dabei auch kritische Blicke auf Charaktere und Attitüden seiner Romanfiguren. Dank dieser konnte es sich Frühling auch herausnehmen, an der ein oder anderen Stelle mal politisch etwas unkorrekt zu sein. Beispielsweise wenn er die Frau des großkotzigen Protagonisten sagen ließ: „Jetzt mach mir nicht den Möllemann“, als dieser einen Fallschirmsprung für seine Gartenparty (Spoileralarm den Tatort) plante.

Frühling, der von sich selbst sagt, er kenne sich mit Grillen nicht aus und würde nur deshalb auf seinem „Tischgrill grillen, weil man das als Deutscher mindestens einmal im Jahr machen muss“, hatte ausführlich für seine Geschichte recherchiert. Sowohl die männlichen, grillfanatischen Romanfiguren, als auch die sogenannte Oberschicht bekommen im Buch ihr Fett weg. Vom besten Fleischlieferanten, den richtigen Temperaturen, der Frage, ob Gemüse auch auf den Grill darf, bis hin zum Stein des Anstoßes, dem frei erfunden Koriyama-Rind, Frühling tobt sich aus, übertreibt und überzeichnet. Dies wurde auch deutlich als er minutenlang von einem Highend-Grill vorlas, der mittels App mit dem Handy verbunden sei. Eine Idee von der er überlege, sie sich patentieren zu lassen, beim Hinweis aus dem Publikum, dass es dies schon gebe, aber schlagfertig und mit Eigenwerbung reagierte: „Gut. Geschäftsidee weg. Dann bin ich auch morgen wieder in hr1 von neun bis zwölf Uhr für Sie zu hören“.

Obwohl eine Zuschauerin den Krimi nicht kaufen wollte, weil gar keine Toten vorkämen, konnte Frühling am Ende seiner Lesung gleich zwei präsentieren. Er hatte bereits zu Beginn angekündigt, das Ende werde ein bisschen humorlos. Und so kam es auch. Gefühlt an der spannendsten Stelle beendete Frühling seine Lesung. „Zwei Tote zum Preis von einem. Wie das Ende ausgeht, erfahren Sie, wenn Sie dieses kleine Buch kaufen.“

Angekündigt und wieder verabschiedet wurde Frühling von Ramona Wiechmann, die im Namen der Stadt- und Schulbibliothek sprach. Diese hatte auch die Idee dazu Frühling zum Pop-up-Event Wir sind Kelsterbach einzuladen. Das erste Mal war der umtriebige Moderator freilich nicht in Kelsterbach. Bereits vor einigen Jahren hatte er in der Bibliothek eine Lesung aus einem früheren Roman gehalten und „als Frankfurter kennt man schließlich Kelsterbach“, auch von Fahrradausflügen entlang des Mainufers, das eine traumhafte Kulisse böte.

(Text und Bilder ana)