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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 38/2018
Seite 2
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Armut hat ein Gesicht

Sie sagen Nein zur Altersarmut.

13 Gesichter und Biografien, 13 Menschen die für viele andere, vielleicht sogar für Millionen stehen. Mit einer bewegenden Ausstellung „Altersarmut stoppen - Rente sichern“, legte die Katholische Kirchengemeinde Kelsterbach den Finger in eine schwärende Wunde unserer Gesellschaft. Nach einem langen und ausfüllenden Arbeitsleben wartet - nicht selten die Altersarmut.

Zur Eröffnung der Wanderausstellung im Atrium sagte die Initiatorin Ingrid Reidt, sie ist Betriebsseelsorgerin Südhessen, man wolle ein sehr sensibles und auch virulentes Thema ansprechen. 13 Menschen, ihre Viten sind auf den Roll-Ups dargestellt, geben dem Thema Altersarmut ein Gesicht. Sich der Öffentlichkeit so zu präsentieren sei mutig, denn die wenigsten Menschen sprächen offen über ihre finanziellen und existentiellen Probleme im Alter - man lege darüber gerne den Mantel des Schweigens.

„Armut hat viele Gesichter“, sagte Pfarrer Franz-Josef Berbner, der dem Arbeitskreis Soziales seiner Gemeinde dankte, dass sie dieses Thema anfasst. Bürgermeister Manfred Ockel wies auf den demografischen Wandel in der deutschen Gesellschaft hin. Viele Menschen lebten länger, würden älter. Es sei daher eine gesamtpolitische Aufgabe, die Altersarmut zu vermindern. Dazu gehörten auch bezahlbare Mieten. In Kelsterbach gäbe es Organisationen wie die Kirchengemeinden, Kleeblatt und andere, die die Belastungen des Alters versuchen abzufedern. „Vielfach bedeute ein Verlust an Einkommen im Alter auch ein Rückzug aus dem sozialen und gesellschaftlichen Leben, das darf nicht sein“, sagte Christine Breser vom Verwaltungsrat der Kirchengemeinde. Ein weiteres Grußwort sprach Georg Germann vom DGB-Ortsverein Kelsterbach.

Aus 500 werden 13

Peter Kiefer, der mit seinem Fototeam die 13 Roll-Ups gestaltet hat, hat mehr als 500 Menschen angesprochen und gefragt, ob sie sich für ein solches Projekt zur Verfügung stellten. 13 Portraits werden schließlich gezeigt. „Altersarmut hat ein Gesicht, sie hat strukturelle Ursachen in der Gesellschaft und fällt nicht einfach so vom Himmel“, sagte Kiefer. Alle in Deutschland müssten sich an Zahlungen in die Rentenkasse beteiligen, auch Beamte und Selbständige. Eine Politik, die verhindere, dass Menschen in Würde alt werden könne, habe eine „Anklage“, wie sie mit dieser Ausstellung geschehe, verdient. Weitere Information: ausstellung.altersarmut@fototeam-hessen.de (hb)