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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 38/2019
Seite 3
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Kochen über den Tellerrand - Schwarzes Gold aus Nauheim

„Über den Tellerrand Kelsterbach “ besucht die Nauheimer Landfrauen und findet Schwarzes Gold

Zu Beginn des Jahres hatten die Nauheimer Landfrauen das Team von „Über den Tellerrand kochen“ eingeladen mit Geflüchteten zum Latweje-Kochen nach Nauheim zu kommen. In dieser Woche nun war es so weit. Die Zwetschgen waren reif und sechs Frauen machten sich auf den Weg ins Ried, darunter drei Afghaninnen und eine Pakistanerin. Die kleine Sarina war mit von der Partie und fühlte sich im Hof von Anne Dammel, der Vorsitzenden der Nauheimer Landfrauen, unter all den geschäftigen Frauen gleich pudelwohl. So viel gab es zu schauen und zu naschen!

Schon an der Hoftür konnte man den köstlich würzigen Duft des traditionellen Pflaumenmuses, der Latweje schnuppern.

Bei den Nauheimerinnen herrschte rege Betriebsamkeit, und sie waren schon seit vier Uhr auf den Beinen. Wie an den Tagen zuvor, sollten an diesem vierten und letzten Tag, noch einmal 50 kg Zwetschgen zu Latweje gekocht werden.

Wir durften ganz unkompliziert mitmachen und erfuhren, was für eine lange Tradition das Latwerge- oder Latweje-Kochen in Deutschland und in Hessen hat.

Aus reifen, saftigen Pflaumen mit Kandiszucker, Zimt, Nelken und Sternanis hergestellt, ist die Produktion jedoch ein mühsames Unterfangen. Dazu ist nicht nur spezielle Latweje-Erfahrung notwendig, sondern auch Durchhaltevermögen und Kraft. Das spürten die Kelsterbacherinnen am eigenen Leib und ganz heftig in Armen und Schultern, als sie in dem großen Topf rührten, in dem es blubberte, spritzte und sprudelte. 8 -10 Stunden Rührgeduld, ein großer Kupferkessel sowie ein spezieller Holz-Rührer sind erforderlich, um den angenehm würzigen Geschmack und die dunkelbraune Färbung der Latwerge zu erzeugen.

Die freundliche und lockere Atmosphäre im Hof von Anne Dammel machte es einfach, Kontakt herzustellen, und beim gemeinsamen Mittagessen lernte man sich ein wenig kennen und konnte Sprachkenntnisse anwenden.

Natürlich durfte auch die frisch gekochte, köstliche Latweje gekostet werden. Ein toller Besuch und eine schöne Begegnung! Alle fanden beim Abschied, dass die Zeit viel zu schnell vergangen war.

Reinhild Kleinlein