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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 4/2022
Seite 2
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Der Frühling naht

Gedanken von Anika Fabijanic

Der Frühling ist nicht mehr fern. Er steht quasi schon vor der Tür. Ungläubigkeit ob dieser Aussage ist fehl am Platz – denn die Zeichen sprechen für sich.

Noch ist sich der Mensch uneins, ob er es wagen soll, sich nach draußen zu begeben, um einer gleichsam banalen wie notwendigen Aktivität wie Sport nachzukommen. Gerade ist es so kalt oder nass oder nasskalt draußen. Vielleicht könnte man den überschüssigen Winterpfunden auch im nächsten Monat, pardon in der nächsten Woche zu Leibe rücken?

Doch während sich die Kunstgattung Mensch ziert, sieht es bei unseren tierischen Nachbarn ganz anders aus. Diese sind nicht nur näher dran an Mutter Natur und den Launen von Petrus direkt ausgesetzt, sie leben dieses Leben Tag für Tag, durch und durch.

Und so beobachte ich „meine“ Amseln schon seit Wochen, wie sie sich gegenseitig von den Futterplätzen vertreiben und jedes geeignete Plätzchen für sich beanspruchen. Reine Revierkämpfe könnte man meinen, doch es scheint die Balz zu sein. Da passt es wunderbar, dass sich die vier männlichen Vertreter dieser Vogelart wilde Luftkämpfe liefern, während die einzige Dame nach dicken Regenwürmern Ausschau hält. Denn bei den Amseln ist es so, dass die Männer ums Revier streiten und die Damen den geeigneten Herrn mit dem passenden Revier erwählen. Am Ende sind uns die Amseln vertrauter, als manch einer glauben mag.

Doch nicht nur die Amseln sind es, die der Frühling wie der sprichwörtliche Hafer zwickt. Es sind alle hierzulande überwinternden Vögel, die ihn ankündigen. Wer morgens, wenn es noch dunkel ist, die Fenster aufmacht, der hört sie. Ein Konzert aus Zwitschern, Rufen, Tirilieren. Halbvergessene Töne und Melodien lassen auch beim Menschen die Erinnerung an eine Zeit wach werden, als der Himmel blau und nicht grau war. Als erste warme Sonnenstrahlen die Nase kitzelten. Als wir ein Gefühl des Aufbruchs, des Neuanfangs verspürten.

Noch ist er nur eine Ahnung. Ein Versprechen. Ähnlich wie die Frühblüher, die ihre unnatürlich grün anmutenden Blattspitzen durch die Erde nach oben recken, um anzukündigen, dass sie alsbald die süßesten Düfte verströmen. Doch ein Hauch von ihm liegt schon in der Luft.

Frühling, mein Lebensabschnittsweggefährte. Komm bald wieder. Ich habe Dich vermisst.