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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 43/2019
Seite 3
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Geschichten aus dem alten Kelsterbach

Ein voller Saal bei Einst und Heute.

Das Orga-Team Margarte Sandner und Günter Schneider.

Ein bewegter Stammtisch.

„Geschichten aus dem Wiener Wald“ braucht es in Kelsterbach kaum, aber die vielen kleinen Geschichtchen und Anekdoten aus der Kelsterbacher Vergangenheit finden immer mehr Freunde. Da liegt die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus goldrichtig, denn das Fritz-Treutel-Haus war so gut besucht wie noch nie bei jetzt schon elften Auflage des Heimatnachmittags, um dem Programm, ausgesucht von Margarte Sandner und Klaus Schneider, zu lauschen. Der Volkschor unter der Leitung von Andreas Stein sorgte mit dem Abba-Hits „I have a dream“ für gelockerte Stimmung, bei „Senioren sind nur zu früh geboren“ trauten sich einige Gäste sogar mitzusingen. Zum Abschluss ertönte sogar ein gemeinsamer Chor bestehend aus der Einigkeit, der Christuskirchengemeinde und dem Volkschor. Ein Projekt für die Zukunft?

Seinen Film- und Videoclub Kelsterbach (FCK) stellte der Vorsitzende Gerhard Braun vor. Der FCK ist heuer 50 Jahre alt, er begleitet von Beginn an die Kelsterbacher Stadtgeschichte als Chronist. Zu sehen waren Filmausschnitte des Kelsterbachs der 70er Jahre, das noch von der Glanzstoff und der „Bajär“, der Bahnschranke, geprägt war.

Die beiden Stadtarchivare Hartmut Blaum und Christian Schönstein hatten „Kontraste“ mitgebracht. Sie zeigten alte Stadtansichten und stellten - vom gleichen Standort fotografiert - die heutige Ansicht 2019 daneben. Da steht „Idyllisches“ Neuem gegenüber, und mancher Besucher schwelgte in Gedanken an die „Gute alte Zeit“. Die Zeit bis zur Pause füllten die „Zappelfüße“ mit einem Tänzchen zu „Pipi Landstrumpf“.

Von der „Kinnerschul“ vor 100 Jahren erzählte Tilmann Lichtenthaeler. Bedingt durch die Industrialisierung und die Auflösung der Familienverbände mussten die Kinder tags untergebracht werden. 123 Kinder und zwei Erzieherinnen belebten die kleine Fläche des heutigen Gemeinsaals im Haus Feste Burg. „Für uns heute geradezu unvorstellbar“, sagte Lichtenthaeler. Einen Rückblick auf das 40. Altstadtfest zeigte Bürgermeister Manfred Ockel, der Film machte noch einmal Lust auf die zurückliegenden Septembertage. Ein kurzer beinahe meditativer Kurzfilm über die „Mutter Natur“ machte deutlich, dass der Mensch besser mit seiner Umwelt umgehen sollte.

Der Stammtisch

Hingen im letzten Jahr die Baa auf der Maamauer herab, so streckten heuer sieben aale Kellersbäscher ihre Fies unter der Tisch von Wirtin „Doris“ Hardt. Erhard Stenzinger als Drogist, Karl Gesang als Feuerwehrhauptmann, Edi Fenkl als Pfarrer, Heinrich Hoffmann als Dorfchef, Wirtin Doris Hardt, Postbote Günter Schneider, Fahrschullehrer Willi Laun und Heinrich Richtscheid als Unternehmer babbelten, was das Zeug hielt, zumeist in gutem südhessischem Platt. „Ich muss die Rezepte für die Pillen sammeln, und sie dann in Höchst bei Apotheker abholen“, sagte Drogist Stenzinger und präsentierte eine riesige Heilmittelflasche. „Wenns brennt, dann schicke mer en Gaul nach Schwanem, unn bis die mit Aamer und Feuerpatsch komme, iss alles abgebrennt“, muckierte sich Feuerwehrchef Gesang über die Kelsterbacher Feuerreiter. Seine Augen weniger auf die Straße richtet Fahrlehrer Laun, und die Wirtin war besorgt um alles, vor allem um den Umsatz. „Trinkt euern Schoppe“; nicht nur der Stammtisch, sondern auch der gesamte Bürgersaal ließ sich das nicht zweimal sagen. (hb)