Titel Logo
Kelsterbach aktuell
Ausgabe 45/2019
Seite 3
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Im Hessenpark über den Tellerrand geschaut

... und viel Bekanntes und Vertrautes gefunden. Über den Tellerrand Kelsterbach organisierte in der letzten Oktoberwoche einen Ausflug in den Hessenpark für Kelsterbacher Geflüchtete. Der Besuch übertraf alle Erwartungen der Organisatorinnen und Teilnehmerinnen..

14 Erwachsene und fünf Kinder lauschten vom ersten Moment an interessiert der Mitarbeiterin des Hessenparks, die die Kelsterbacher Gruppe durch das Freilichtmuseum führte und anschaulich und nachvollziehbar erzählte, wie hessische Menschen auf dem Land vor 100 Jahren lebten. Sie verstand es hervorragend die Kinder in die Führung einzubeziehen, so dass sich alle entspannt auf ihren Vortrag konzentrieren konnten.

Im Haus von Frieda Sommer erfuhr die Gruppe, wie die Menschen damals wohnten und schliefen, wo sie kochten und aßen, was zur Ausstattung gehörte, wer alles in dem Haus lebte. Im Rauchhaus erfuhren sie, dass Menschen vor 400 Jahren noch mit den Tieren zusammen in einem Haus lebten, und sie bekamen einen Eindruck, wie beschwerlich dieses Leben gewesen sein musste. Der kleine Nourad durfte das Tragjoch ausprobieren, mit dem Kinder vor 400 Jahren Wasser am Brunnen holen mussten. Sarah Gouhar übersetzte, wenn es schwierig wurde und half so, dass die Besucherinnen aus Syrien, Pakistan und dem Iran einen guten Einblick bekamen in die Lebensverhältnisse der Landbevölkerung im 19. Jahrhundert.

Die Frauen waren fasziniert, wie viel sie aus ihrer Heimat kannten, und der Besuch regte an, dass alle von sich erzählen konnten. Selma zeigt voller Freude mit einem Foto, dass ihre Mutter in Syrien die gleiche Milchzentrifuge benutzte, wie einst Frieda Sommer in ihrem Haus.

Der Besuch der alten Schule machte besonders großen Spaß, und erstaunt stellten die Besucherinnen fest, dass man damals noch eine ganz andere Schrift als heute benutzte. Interessant auch, dass die Frauen auf dem Land vor 100 Jahren alle Kopftuch trugen und man am Kopftuch erkennen konnte, ob die Frau unverheiratet, verheiratet oder verwitwet war. In der Kirche saßen, wie in der Moschee, die Frauen getrennt von den Männern. Das sorgte für viel Gesprächsstoff.

Große Heiterkeit löste schließlich die Besichtigung des Plumpsklos aus, und der intensive Geruch des Misthaufens erklärte , warum wohlhabende Bauern „stinkreich “waren. Zum Schluss schlenderten alle noch über den Marktplatz und schauten in die schönen alten Geschäfte.

Es war zwar lausig kalt, aber dennoch ein wunderschöner, sehr lebendiger und fröhlicher Ausflug. Die Zeit war leider zu kurz aber alle waren sehr zufrieden, dass sie dabei waren. Und hatten zu Hause viel zu erzählen.