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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 46/2020
Seite 2
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Eine Dekade Musik und Schauspiel

„Musikalische Früherziehung fängt quasi mit der Vorschulklasse an und dauert zwei Jahre. Die musikalische Früherziehung ist ein Kern der Musikschule. Danach kommt die musikalische Grundausbildung für ein Jahr, in der die Kinder lernen, aufeinander zu hören und gemeinsam zu arbeiten“, erklärte Tanja Puliak. Die Musikschüler würden Noten kennenlernen, gemeinsam singen und klatschen. Zu den typischen Instrumenten, die in dieser Zeit ausprobiert werden, gehören Xylophon, Metallophon, Klanghölzer, Handtrommel und Triangel. Die Auswahl der Instrumente geht, ebenso wie das gesamte musikpädagogische Konzept, auf den Komponisten Carl Orff zurück und soll Kindern einen kreativen Umgang mit den Elementen Musik, Bewegung und Sprache lehren. Über die musikalische Früherziehung kamen auch Tara Teske, Lara Hochheimer, Sina Ehser und Clara Bauer in den Genuss von Puliaks Unterricht. Puliak habe es bei den Mädchen so gehandhabt, dass sie jeden Monat einen anderen Dozenten eingeladen habe, damit die Kinder auch Instrumente wie Klarinette oder Geige kennenlernen, „um reinzuschnuppern und vielleicht was Schönes für sich zu finden“. Die sogenannte Orff-Gruppe habe während ihres dritten gemeinsamen Jahres „erste Versuche mit Theater“ gemacht und eine großartige Dynamik entwickelt. „Wie offen und motiviert sie waren, mit ihnen konnte man viel machen. Diese Gruppe ist die goldene Ausnahme. Sie sind nicht nur als Gruppe perfekt, sondern auch menschlich, obwohl sie charakterlich unterschiedlich sind“, schwärmte Puliak.

Bekannt für amüsante Theaterstücke

Ans Aufhören, wie es eigentlich nach drei Jahren üblich ist, sei nicht zu denken gewesen. Für die vier Mädchen begann eine Erfolgsgeschichte, die noch weitere sieben Jahre anhalten und erst im vergangenen Jahr, enden sollte. Dass der Schwerpunkt beim Theater liegen wird, sei nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Choreografien schnell klar gewesen. Als inoffizielles Highlight, der regelmäßig stattfindenden Konzerte von Puliaks Klavierklasse, brillierte die Orff-Gruppe stets mit ihren kurzweiligen Auftritten, die viel Applaus einheimsten. Zunächst seien die Skripte noch von der engagierten Dozentin verfasst worden, diese wurde aber später von Vereinsringsvorsitzenden Thorsten Schreiner abgelöst. Dessen Mitwirkung beruhe auf einer zufälligen Begebenheit, berichtete die Dozentin: „Nachdem er uns bei einem Konzert technisch unterstützt hat, haben die Mädels ihn spontan in ihr Stück eingebunden. Dabei hat er sie so begeistert, dass sie ihn bei sich aufgenommen haben“. Bis zum Schluss sei die Orff-Gruppe, unterstützt von Puliak und Schreiner, „ein festes Team aus sechs Personen“ gewesen. Zum inneren Kreis gehöre für die Musikpädagogin außerdem, neben Bürgermeister Manfred Ockel, vor allem Stadtverordnetenvorsteherin Helga Oehne: „Sie ist seit dem ersten Konzert in der ‚Alten Schule‘ dabei gewesen. Oehne ist ein treuer Fan und schon unser Schutzengel. Ihr Lob und ihre Unterstützung bedeuten uns viel“.

Time to say goodbye

Trotz ihrer zahlreichen Erfolge hat sich die Orff-Gruppe im vergangenen Jahr aufgelöst. „Die Entscheidung habe ich getroffen. Es ist ganz selten, dass eine Gruppe so lange hält, aber sie hatten durch die Pubertät andere Interessen, sie haben selbst gemerkt, dass sie fauler geworden sind. Irgendwann muss man immer ‚adieu‘ sagen“, begründete die Dozentin das Aus. Ihren Bühnenabschied, bei dem auch das ein oder andere Tränchen verdrückt wurde, feierte die Orff-Gruppe mit dem Weihnachtskonzert im letzten Jahr. Puliak vermisse die Orff-Gruppe sehr: „Wenn ein Schüler geht, entsteht eine Leere und Orff war sehr intensiv. Für sie bin ich nicht mehr nur ein Lehrer gewesen, sie sehen mich als Freundin“. Während Ehser den Orff-Zeiten ebenfalls nachtrauere und es schade finde, „dass man sich nicht so oft sieht“, hat Teske eine etwas nüchternere Sicht: „Es klingt wahrscheinlich hart, aber ich vermisse die Gruppe nicht, da sich alle irgendwie verändert haben und ich denke, dass es einfach nicht mehr passen würde“. Teske wisse die gemeinsame Zeit und die Tatsache, „dass man über alles reden konnte“ dennoch zu schätzen. Der fünfzehnjährigen Hochheimer werde es besonders im Gedächtnis bleiben, „dass wir viel Spaß haben durften“. Bauer hingegen habe Puliaks Art als prägend empfunden, die „liebevoll aber manchmal streng“ gewesen sei. Das beispiellose Engagement der Musikpädagogin hob auch Hochheimer hervor: „Sie war toll. Sie hat uns immer unterstützt, und hat uns zum Lachen gebracht, konnte aber auch ein bisschen streng sein, wenn wir was angestellt haben“. Falls die Sehnsucht nach der alten Orff-Gruppe bei den Jugendlichen künftig zu groß werden sollte, seien sie Puliak für einen Gastauftritt bei einem ihrer Konzerte „jederzeit willkommen“. (So/Collage: Soliman)

Während ihres zehnjährigen Bestehens hatte die Orff-Gruppe zahlreiche Auftritte.