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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 48/2020
Seite 1
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Eine etwas andere besondere Zeit

Gedanken zur Adventzeit von Thorsten Schreiner

An einem Sonntag, den es nur einmal im Jahr gibt, folgt normalerweise die Zeit, welche die „kurzen“ Wintertage mit Licht erhellt und vieles macht, was keine andere Jahreszeit schafft. Bei Temperaturen höchsten Heizleistungsbedarfs, drängt es die Massen nach draußen, um sich der kollektiven Vorweihnachtsfreude in sämtlichen Prägungen hinzugeben. Mit dem Abschluss des Totensonntags beginnt normalerweise die fröhliche Adventszeit, die zahlreichen herzlichen Begegnungen, aber auch mit Hektik und Terminstress einhergeht. Wenn seit Anfang dieser Woche die Eröffnung der beliebten Weihnachtsmärkte ausbleibt und der gewohnte vorweihnachtliche Ablauf definitiv ein Anderer wird, kommt fast das Gefühl auf, dass sich die Tristesse des kalten dunklen Novembers schier endlos ins neue Jahr ausbreitet. Doch einmal kurz innegehalten, könnte dieser Gedanke in neue Wege münden, die bisher schwer erkennbar waren. In dem Land, in dem wir leben, in der Stadt, die ich als mein Zuhause verstehe, finden wir trotz Corona-Pandemie Zustände vor, um die uns Menschen in vielen Ländern sogar vor der Krise beneidet hätten oder würden gern ihre vorherigen Lebensumstände unserer „Krise“ zugewandt mit „Kuss-Hand“ eintauschen. Mir liegt es fern, die Ängste, Nöte und Tragödien derer zu verkennen, die menschlich oder wirtschaftlich von Corona erdrückt werden. In Kelsterbach kommt das Vereinsleben fast zum Erliegen und insbesondere die kleineren Unternehmen ächzen unter den behördlich verordneten Einschränkungen. Es gibt viele Meinungen dazu, was richtig oder falsch sein könnte aber keine davon, bringt die Gesellschaft auf einen gemeinsamen Nenner oder lässt die Erkenntnis reifen wie das Ganze ausgeht. Auch die Weihnachtszeit wird keine Antworten liefern, aber möglicherweise Wege zeigen, die verbinden, statt zu spalten und erwärmen, statt zu erfrieren zu lassen. Denn für Nächstenliebe gibt es keinen Lockdown, für Toleranz gibt es keinen Lockdown, für Respekt gibt es keinen Lockdown und für Zuversicht allemal auch nicht. Darum hoffe ich, dass die Adventszeit ein wenig von ihrem Zauber entfaltet, der in so vielen Geschichten, die immer wieder im Dezember zu neuem Leben erwachen, einen kleinen Platz im wirklichen Leben findet. Ein Streifzug durch Kelsterbach stimmte mich dahingehend optimistisch, denn in vielen Fenstern sah ich Licht. Begonnen hat nun die Zeit der Lichter - mit oder ohne Corona - steht das Licht für Wärme, Hoffnung und Mut, gerade in schweren Zeiten. Dieses Licht konnte nie erlöschen, auch nicht für Generationen, die die dunkelsten Stunden unserer Geschichte erleben mussten. Ich wünsche allen Freunden eine gute besondere Zeit.