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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 49/2019
Seite 3
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Andreasgelage 2019 – Mit einem Blick zurück gemeinsam in Richtung Zukunft

Hafer und Geld gegen Viehweide, so war das bis 1866.

Bürgermeister Uwe Becker wird vor dem Treutel-Haus begrüßt.

Leider unverkäuflich: Ein Opel-Rekord-Cabriolet aus der Opel-Klassik-Sammlung in Rüsselsheim.

Opel-Geschichte.

In Zeiten, in denen viele Menschen voller Sorge in Richtung Zukunft blicken, tut es gut, einfach mal durchzuatmen, zurück zu blicken und sich auf schöne Traditionen zu besinnen. Die Möglichkeit dazu bot sich am Freitag, 29. November, beim 53. Andreasgelage der Moderne, zu dem das Volksbildungswerk Kelsterbach ins Fritz-Treutel-Haus geladen hatte. Hier wurde in den Grußworten und im Festvortrag deutlich, dass das Miteinander zwischen Städten und Gemeinden, aus dem einst auch das Andreasgelage hervorgegangen ist, unverzichtbar dafür ist, die schwierigen Herausforderungen der Zukunft meistern zu können.

Im Mittelalter hatten Kelsterbach und der große Nachbar Frankfurt die Vereinbarung getroffen, dass die Bauern aus der kleinen Gemeinde bis zum Andreastag ihr Vieh in den Wald der Stadt treiben durfte. Im Gegenzug dafür musste ein Weidezins entrichtet werden, der bei einem gemeinsamen Gelage eingeholt wurde. Zur Pflege der Beziehungen und des Brauchtums zwischen den Städten Frankfurt und Kelsterbach wurde dieses Andreasgelage vom Volksbildungswerk 1966 wiederbelebt und zählt auch heute noch zu einem der festlichen Höhepunkte im städtischen Veranstaltungskalender.

Traditionell wurden die „Herren von Forst und Obrigkeit“ aus Frankfurt von einer Kutsche am Kelsterbacher Eisernen Steg abgeholt und standesgemäß zum Fritz-Treutel-Haus gebracht, wo sie nicht nur von Bürgermeister Manfred Ockel, Stadtverordnetenvorsteherin Helga Oehne und von Hartmut Blaum, dem Vorsitzenden des Volksbildungswerks, sondern auch von den Lämmerspieler Jagdhornbläsern stimmungsvoll in Empfang genommen wurden. Bevor es dann in den Festsaal ging, wartete im Foyer noch eine kleine Überraschung auf die Besucher:

Heinz Zettl, ehemaliger Leiter von Opel Classic, hatte als perfekte Einstimmung auf seinen Festvortrag einen Opel Rekord Cabriolet aus dem Jahr 1964 mitgebracht, der vor dem Festsaal ausgestellt wurde. Bei diesem Anblick schlugen die Herzen so mancher Autoliebhaber höher und etliche Smartphones wurden für Erinnerungs-Selfies mit dem Klassiker gezückt. Allerdings musste Hartmut Blaum den Anwesenden gleich die Hoffnung nehmen, dass dieses schmucke Gefährt mitzunehmen oder käuflich zu erwerben sei.

Die Stimmung in „Kelsterbachs Wohnzimmer“, wie Blaum das bereits im weihnachtlichen Glanz erstrahlende Fritz-Treutel-Haus in seiner Begrüßung nannte, war gelöst und die mehr als 250 Gäste freuten sich über weitere musikalische Darbietungen der Lämmerspieler Jagdhornbläser und später auch vom Kelsterbacher Volkschor. Dazwischen wurden die Andreassprüche durch Christian Schönstein für Kelsterbach und den Schwanheimer Revierförster Holger Scheel sowie dem stellvertretenden Leiter der Abteilung Stadtforst Peter Rodenfels vom Frankfurter Grünflächenamt ausgetauscht – ganz getreu dem Motto „es bleibt alles beim Alten“!

Die darauf folgenden Grußworte von Bürgermeister Manfred Ockel, Rüsselheims Oberbürgermeister Udo Bausch, Landrat Thomas Will und Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker, hatten eines gemein: Sie alle hoben hervor, wie wichtig es ist, Traditionen wie das Andreasgelage zu pflegen und wie bedeutsam die Zusammenarbeit im Landkreis bei Themen wie Bildung, Digitalisierung, dem stetig steigenden Bedarf nach bezahlbaren Wohnraum und dem Ausbau der Infrastruktur ist. All das, da waren sich die Redner einig, sei nur durch interkommunale Zusammenarbeit zu schaffen und dafür müssen alle zusammenrücken. Für Egoismus, Hass und Ausgrenzung ist bei uns kein Platz – damit das Rhein-Main-Gebiet auch weiterhin eine so erfolgreiche Region mit Vorbildcharakter bleibt. Genau aus diesem Grund sei es auch so wichtig, dass die guten Beziehungen durch Veranstaltungen wie das Andreasgelage gepflegt werden.

Höhepunkt des Abends war der überaus interessante Vortrag von Heinz Zettl über die Geschichte von Opel. Hier präsentierte Zettl seinen aufmerksamen Zuhörern einige sehr spannende und auch überraschende Fakten über einen der wichtigsten Wirtschaftsmotoren der Region. Auch während der anschließenden Andreasmahlzeit, für die in diesem Jahr der Tierschutzverein Kelsterbach gesorgt hatte, wurde noch intensiv über einige der faszinierendsten Erkenntnisse des Vortrags, aber auch über die in den Grußworten angesprochenen Themen diskutiert, bevor mit den Schlussworten von Stadtverordnetenvorsteherin Helga Oehne ein stimmungsvoller, kurzweiliger und dabei sehr entspannter Abend zu Ende ging – erfüllt von der Vorfreude auf das 54. Andreasgelage 2020. (Text und Fotos: Sebastian Betzold)