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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 50/2020
Seite 3
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Müll ist nicht gleich Müll

Mülltrennen wirkt - aber auf das Wie kommt es an

Durch die Corona-Pandemie ist die Quote von Verpackungs- und Einwegmüll wieder gestiegen. Wer zuvor auf Entschleunigung setzte und statt des To-Go und Take-Away auf einen Verzehr vor Ort setzte, muss nun gezwungenermaßen Verpackungsmüll in Kauf nehmen, wenn er außer Haus isst. Umso wichtiger ist es, nicht alles achtlos in die nächstbeste Tonne oder noch schlimmer in die Umwelt zu werfen. Die Mülltrennung ist aus vielen Gründen immens wichtig. Wie sie funktioniert und welche Fakten und Mythen es gibt, haben wir für Sie in diesem Artikel zusammengefasst.

Umweltentlastung

Mit der richtigen Trennung von Restmüll und Verpackungen können Verbraucher aktiv einen wirkungsvollen Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz leisten. Doch noch immer ist der Anteil an Restmüll in der Gelben Tonne zu hoch. Das erschwert oder verhindert das Recycling wertvoller Rohstoffe. Mit der richtigen Mülltrennung kann dagegen der Ressourcenverbrauch und der CO2-Ausstoß reduziert und die Umwelt entlastet werden.

Das private Sammel- und Sortierverhalten ist für ein erfolgreiches Recycling wesentlich. Die Müllverbrennungsanlagen in Deutschland bieten grundsätzlich einen effizienten und sicheren Weg, Restabfälle zu entsorgen. Für das hochwertige Recycling von Verpackungen stellen sie jedoch keine Alternative dar. Jedes Kilogramm Kunststoffverpackungen, das der Verbraucher in die Gelbe Tonne gibt, spart wertvolle Rohstoffe für zukünftige Generationen.

Das Öko-Institut in Freiburg hat berechnet, dass durch das Recycling von Verpackungen aus der Gelben Tonne, Glas sowie Papier, Pappe und Karton in Deutschland jährlich rund 3,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Das entspricht den Emissionen einer Stadt in der Größe von Bonn im gleichen Zeitraum.

Mülltrennungsstudie positiv mit Luft nach oben

Rund 80 Prozent der Deutschen wollen mit einer besseren Mülltrennung aktiv zum Klimaschutz beitragen. Doch es gibt Aufklärungsbedarf. Zwar kennt sich ein Großteil der Bevölkerung zumindest grundlegend aus, fast 60 Prozent fehlt es jedoch noch an Detailwissen über die richtige Trennung von Verpackungen, Restmüll, Papier und Glas. Diese Ergebnisse stammen aus einer aktuellen Online-Befragung der Kantar GmbH im Auftrag der dualen Systeme.

Mehr als die Hälfte der Befragten möchten online auf einer Website mehr über die Trennung von Verpackungsabfällen erfahren. Doch auch „offline“ beim Einkaufen ist Aufklärung gewünscht: 43 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten in ihrem „Supermarkt“ hilfreiche Informationen über Mülltrennung.

Faktencheck Gelbe Tonne:

Gebrauchte Verpackungen sollten vor der Entsorgung nicht ineinander gestapelt werden, auch wenn das Platz sparen würde. Das ineinander Stapeln kann die Sortierung erheblich erschweren und sogar unmöglich machen.

Deckel von Joghurtbechern oder Verschlüsse von Senftuben, die aus anderen Materialien bestehen als die Verpackung selbst, gehören in die Gelbe Tonne. Wichtig ist, dass Deckel und Verschlüsse getrennt vom anderen Teil der Verpackung hineingeworfen werden. Denn nur wenn die einzelnen Bestandteile einer Verpackung aus verschiedenen Stoffen getrennt voneinander richtig entsorgt werden, können sie recycelt werden. Auch Verpackungen aus anderen Materialien wie Aluminiumschalen von Fertiggerichten, Getränkekartons aus Verbundmaterialien oder Dosen aus Weißblech und leere Arzneimittelblister gehören in die Gelbe Tonne.

Bevor Verpackungen entsorgt werden, sollten sie restentleert sein: Lebensmittelreste in den gelben Sammelbehältnissen behindern den Sortierprozess erheblich. Ein Ausspülen ist jedoch nicht nötig.

Faktencheck Glasabfälle:

Glasabfälle sollten unbedingt restentleert und nach Farben sortiert entsorgt werden. Die hierzu öffentlich zugänglichen Glascontainer sind entsprechend der Farben gekennzeichnet. Von den Sammelcontainern für Glas gelangt das Material direkt zur Aufbereitungsanlage, wo die Scherben von Fremdstoffen gereinigt, zerkleinert und nach Farben fein sortiert werden. Die entstandenen Glasgranulate werden in Glashütten zu neuen Gefäßen verarbeitet.

Faktencheck Biomüll:

Aus Bioabfällen wird Kompost oder Biogas hergestellt. Kompost aus Bioabfällen stabilisiert und verbessert den Humusgehalt und die wertvollen Funktionen landwirtschaftlicher Böden. Er hilft, die Verwendung von Torf zu ersetzen und wirkt durch seine Nährstoffe positiv auf Pflanzen und Umwelt. Sein Einsatz verringert zudem den Ausstoß von schädlichen Klimagasen. In vielen Bioabfallbehandlungsanlagen wird aus Bioabfall echte Bioenergie in Form von Biogas. Das wird wiederum zur Stromerzeugung genutzt. Der Biostrom stammt damit direkt aus der Biotonne und kann in Haushalten sowie als Treibstoff für E-Fahrzeuge verwendet werden.

Faktencheck Restmüll:

Restabfall muss in Deutschland behandelt werden, bevor er deponiert werden darf. Dies erfolgt hauptsächlich durch eine vorgeschaltete energetische Verwertung. Die Überbleibsel der Verbrennung, sogenannte Schlacke, können z.B. für den Straßenbau verwendet werden oder werden deponiert. Die Sammlung von Restabfall wird in Deutschland grundsätzlich über die Kommunen organisiert.

Im Kommen - die Wertstofftonne:

In vielen Städten und Landkreisen in Deutschland gibt es sie bereits, beispielsweise Berlin oder Hamburg. In der Wertstofftonne werden die Verpackungen gemeinsam mit sogenannten stoffgleichen Nichtverpackungen gesammelt. Dort darf Plastik und Metall entsorgt werden, egal, ob es mal eine Verpackung war oder nicht. Wichtig ist nur, dass es in einem Stück in die Mülltonne passt. Damit haben Bratpfanne, Rührschüssel oder Plastikspielzeug die Chance ein zweites Leben im Kreislauf zu erhalten. Die Finanzierung der Wertstofftonne erfolgt immer gemeinsam mit den Städten und Landkreisen.

Kompostierbare Verpackung:

Biologisch abbaubare („kompostierbare“) Verpackungen sind keine sinnvolle Alternative. Der Begriff führt in die Irre, da nach dem biologischen Abbau praktisch kein Kompost übrigbleibt, welcher verwertet werden könnte. Solche Kunststoffe zersetzen sich lediglich, und das auch nur unter optimalen verfahrenstechnischen Bedingungen, zum Beispiel in großtechnischen Kompostierungsanlagen, aber auch dort vielfach nicht vollständig. Aus Sicht des Bundesumweltministeriums kann somit ein Eintrag von Kunststoffresten mit dem Bioabfall-Kompost in die Umwelt bislang nicht sicher ausgeschlossen werden. Außerhalb geeigneter großtechnischer Anlagen bauen sich solche Kunststoffe noch schlechter oder gar nicht ab - zum Beispiel bei der Eigenkompostierung. Das Attribut „biologisch abbaubar“ kann somit zu einem sorglosen Umgang in Form wilder Entsorgung führen.

Mülltrennung bei Platzmangel

Manchmal wird als Grund für das Nichttrennen des Mülls eine zu kleine Wohnung beziehungsweise Platzmangel angegeben. Dabei gibt es viele Tipps, die auch das Mülltrennen auf kleinem Raum möglich machen. Besonders platzsparend sind Einbaumülleimer mit Trennsystem, die sich in Küchenschränken oder -schubladen montieren lassen. Sie lassen sich leicht befüllen und die einzelnen Eimer getrennt voneinander herausnehmen. Neben solchen Mehrkammersystemen gibt es auch freistehende Müllbehälter mit mehreren Kammern in platzsparenden Ausführungen. Daneben ist zu prüfen, welcher Abfall zusammengefaltet verstaut werden kann und welcher nicht. Generell gilt: Papier und Versandkartons ja, Plastikverpackungen nein.

Sonderregelung bei Corona-Infizierten:

Für Haushalte mit COVID-19 infizierten oder verdächtigten Personen gelten Ausnahmen von der Mülltrennung. Sicherheitshalber sollten hier Abfälle über die Restmülltonne entsorgt werden. Lediglich Glasabfälle und Pfandverpackungen sowie Elektro- und Elektronikabfälle, Batterien und Schadstoffe sollten zunächst aufgehoben und nach der Aufhebung der Quarantäne zu den separaten Sammelsystemen gebracht werden. Darauf weist das Bundesumweltministerium hin.

Um die Arbeitenden in der Abfallentsorgung, aber auch Nachbarinnen und Nachbarn sowie Hausmeister zu schützen, sollten die Abfälle in stabilen, möglichst reißfesten Abfallsäcken fest verschlossen entsorgt werden. Spitze und scharfe Objekte sollen dabei in bruch- und durchstichsichere Einwegbehältnisse gelegt werden.

Weitere Informationen zur Abfalltrennung in Zeiten von Corona sind auf der Webseite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) zu finden. Interessierte können sich zu Fragen der Entsorgung zudem an ihre kommunalen Abfallberater wenden. Die jeweiligen Ansprechpartner finden sie auf der Kampagnen-Webseite unter www.mülltrennung-wirkt.de/#sektion-plz.

Fakten, Mythen, Vorurteile:

„Von mir getrennter Müll wird später wieder zusammengeworfen.“

Falsch: Egal ob ausgetrunkene Flasche, alte Müslischachtel oder leere Wurstverpackung, wer richtig trennt, verhindert das alles auf einem Haufen landet. In Papiersortieranlagen wird das Altpapiergemisch nach verschiedenen Sorten getrennt und kommt anschließend in Papierfabriken. Die Verpackungen aus der Gelben Tonne werden ebenfalls nach den verschiedenen Materialien getrennt und dann den unterschiedlichen Industrien zum Recycling zurückgegeben. Von den Glassammelcontainern gelangt das Material direkt zur Aufbereitungsanlage und schließlich in Glashütten zu neuen Gefäßen verarbeitet.

„Von mir getrennter Müll wird doch eh verbrannt und nicht recycelt.“

Falsch: Nur was in der schwarzen Tonne landet, wird verbrannt. Verpackungen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne, aus Glas sowie aus Papier/Pappe/Karton können recycelt werden, wenn sie vom Restmüll richtig getrennt werden. Das bekannte Öko-Institut hat in einer Studie nachgewiesen, dass von 1990 bis 2014 die Restmüllmenge erheblich gesunken ist (- 57 %). Die getrennt erfassten und der Verwertung zugeführten Wertstoffe erreichten dagegen eine Steigerung um das 3,5-fache. Das duale System wirkt (vgl. Öko-Institut e.V. (2018): Recycling ist Zukunft - ökologische Leistungen und Potenziale des dualen Systems).

„Ich muss meinen Müll nicht trennen, die Sortieranlage regelt das schon.“

Falsch: Landet Hausmüll, teilweise mit nassem Biomüll durchsetzt, woanders als im Restmüll, wird die Sortierung erschwert. Das setzt die Recyclingfähigkeit der Wertstoffe deutlich herab. Die Sortieranlage ist auf Verpackungsabfälle spezialisiert und trennt, was gut erkennbar ist. Ist die Plastikflasche von Restmüll bedeckt, kann der optische Scanner das Material nicht mehr erfassen. Außerdem ist es wichtig, dass unterschiedliche Materialien voneinander getrennt werden, zum Beispiel Joghurtbecher und deren Aluminiumdeckel. Denn nur so kann jedes Material zur richtigen Fraktion kommen. Werden Verpackungsabfälle aus Bequemlichkeit in den Restmüll gegeben, werden sie verbrannt und sind damit für den Wertstoffkreislauf verloren. Das wäre schade, denn es gibt mittlerweile viele tolle, praktische und schöne Recyclingprodukte im Handel.

Wer sind die dualen Systeme:

Die dualen Systeme organisieren bundesweit die Sammlung, Sortierung und Verwertung gebrauchter Verkaufsverpackungen für Industrie und Handel. Sie sind außerdem dafür verantwortlich, dass die vom Gesetzgeber nach Verpackungsgesetz vorgeschriebenen Recyclingquoten erreicht werden. Aktuell gibt es zehn privatwirtschaftlich organisierte duale Systeme, darunter Der Grüne Punkt. Sie informieren mit der Kampagne www.muelltrennung-wirkt.de Verbraucher über Sinn und Zweck der getrennten Sammlung von Verpackungsabfällen, die hierzu eingerichteten Sammelsysteme und zur korrekten Sammlung gebrauchter Verpackungen.

1991 wurde die Verpackungsverordnung eingeführt und Industrie und Handel erstmals dazu verpflichtet, ihre Verkaufsverpackungen zurückzunehmen und einer Verwertung zuzuführen. 2009 wurden Inverkehrbringer von Verkaufsverpackungen verpflichtet, sich bei einem dualen System zu beteiligen. 2019 löste das neue Verpackungsgesetz die Verpackungsverordnung ab. Mit dem neuen Verpackungsgesetz werden deutlich höhere ökologische Standards für die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfällen sowie deutlich höhere Recyclingquoten festgeschrieben.

(ana, Quelle: www.mueltrennung-wirkt.de)