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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 51/2019
Seite 2
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Verbranntes Geld – verbrannte Luft

Der Abfall eines Silvesterfeuerwerks

Silvesterfeuerwerk ist schädlich für Mensch, Tier und Umwelt

Kaum ist Weihnachten vorbei, bereiten sich viele hierzulande auf das nächste „Highlight“ vor - Silvester. Doch statt den Jahreswechsel mit der Familie, Freunden oder auch auf einer Party mit zu viel Alkohol zu verbringen, ist für viele der Höhepunkt, um Mitternacht auf die Straße zu gehen und Knaller & Co. im Gegenwert eines halben Nettomonatslohns zu verfeuern. Der Verband der pyrotechnischen Industrie schätzt, dass die Bundesbürger zu Silvester 2019 voraussichtlich wieder wie im Vorjahr rund 133 Millionen Euro für Böller und Raketen ausgeben werden.

Das ist nicht nur verbranntes Geld, sondern auch verbrannte Luft. Das Umweltbundesamt hat errechnet, das am ersten Tag im neuen Jahr die Feinstaubkonzentration vielerorts so hoch sei, wie sonst im ganzen Jahr nicht. Bei der Silvesterknallerei würden rund 4.500 Tonnen Feinstaub (PM10) freigesetzt. Diese Menge entspräche in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und circa 2,25 Prozent aller PM10-Emissionen (2016).

Das ist nicht nur gefährlich für die menschliche Gesundheit, sondern auch für die tierische sowie für die Umwelt. Der Naturschutzbund (NABU) gibt an, dass Wildtiere empfindlich gestört werden, wenn sie mitten im Schlaf aufgeschreckt werden und oft in Panik fliehen. Alleine Vögel stiegen auf ihrer Flucht auf Höhen von bis zu 1000 Metern und verlören so wertvolle Energie, die sie für den Winter bräuchten.

Auch Judith Wagner vom Kelsterbacher Tierschutzverein warnt vor den Folgen für Tiere. Für die meisten bedeute es puren Stress - sowohl für Wildtiere als auch Haustiere. „Hunde und Katzen z.B. haben ein sehr gutes Gehör und erleben die Knallerei viel lauter und intensiver. Am Silvesterabend und auch an den Tagen danach laufen viele Hund weg und werden viele Katzen als vermisst gemeldet. Auch Kleintiere in Käfigen werden von der Knallerei so erschreckt, dass sie noch in den Tagen danach panisch und verstört reagieren.“ Sie sagt ganz klar: „Keine Knallerei in der Nähe von Tierhaltungen, Waldrändern, Lichtungen oder Parks“.

Auch die durch das Feuerwerk verursachte Plastikflut ist nicht zu unterschätzen. Und das übersteigt bei weitem den Müll, der in den nächsten Tagen Straßen und Gärten unansehnlich verschmutzt. Am wenigsten bekannt sei laut NABU wahrscheinlich die langfristige Verschmutzung der Umwelt mit Plastik, das in den Feuerwerkskörpern verbaut ist und beim Zünden unkontrolliert in die Umwelt gelänge. Die ökologischen Folgen seien vergleichbar mit Luftballons, die man in den Himmel steigen ließe und die, wenn sie kaputtgingen, extrem langsam verrotten würden. Mal abgesehen davon, dass derlei Plastik von Tieren mit Futter verwechselt wird.

Die Stadt Kelsterbach bittet aus diesen Gründen ihre Bürger um Nachsicht - mit Anwohnern, der Tier- und der Umwelt. Verzicht auf großes Feuerwerk und Knallerei muss nicht heißen, dass man das neue Jahr nicht gebührend feiern kann. So kann man die Weihnachtstradition fortführen und eine Kerze anzünden - in dem Fall eine Wunderkerze.

(ana)