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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 6/2021
Seite 3
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Kultur im Zeichen von Corona

Auch besonders für die Bereiche Stadtbibliothek, Kultur und Sport und die Musikschule sind die Zeiten vollkommen verschieden zu den „normalen Vorjahren“. Kerb und Altstadtfest daheim, die Hallen und Sportplätze geschlossen, das Sport- und Wellnessbad zu, Bücher gibt es über den Drive-Through-Schalter, die Musikschule unterrichtet online. Im Ausschuss „BSKS“, das ist die Abkürzung Bildung, Schule, Kultur und Soziales“, gaben Bürgermeister Manfred Ockel und die zuständigen Fachbereichsleiter Auskunft über die Angebote während der Corona-Zeit, soweit diese überhaupt möglich sind.

Stadt- und Schulbibliothek

Schon früh in der sich anbahnenden Dauerkrise 2020 hat die Stadt- und Schulbibliothek reagiert und versucht, Angebote auch in Ausnahmezeiten zu sichern. Dabei versteht sich die Leiterin Meike Betzold mit ihrem Team nicht nur als reine Bibliothek, sondern vor allem als „3. Ort“, ein Platz in Kelsterbach, der durch ein vielfältiges Angebot für Kinder, Erwachsene und Senioren besticht. Ein Ort, wo man einfach gerne hingeht. Geschaffen werden sollen 2021 mehr Arbeitsbereiche für Besucher, die die Bibliothek auch als Lernort nutzen wollen. Ein Außenbereich, der mit einem Gartenteil auch zum Verweilen einlädt, soll dementsprechend weiterentwickelt werden. Kelsterbacher Künstler und Kleingewerbe sollen eingebunden werden. Ab dem Frühjahr soll eine Ausleihe von Medien selbst möglich werden, ein erster Schritt zur „Open Library“, einer offenen Bibliothek, wie Betzold sagt. Ein Nachhaltigkeitskonzept soll 2021 entstehen, eine E-Bike-Ladestation geschaffen werden. Weiter soll mit dem Medien-Drive-Through gearbeitet werden, auch bei einer Schließung des Hauses gibt es nach einer Bestellung per Mail oder Telefon die begehrten Bücher durchs Fenster. Ausbauen will die Bibliothek die digitalen Angebote, Freegal Music zum Streamen, Onleihe Hessen und Filmfriends. Nachholen möchte das SB-Team einige der ausgefallenen Veranstaltungen aus dem Jahr 2020 für Kinder und Erwachsene, so es die Pandemie-Situation dann zulässt.

Ein echter Renner ist der Bücherschrank an der Polizeistation, der sehr gut von den Kelsterbachern angenommen wird. Manfred Ockel und Meike Betzold denken bereits über die Aufstellung eines weiteren Schranks im Unterdorf nach. In Kooperation mit dem Kindergarten der Friedensgemeinde konnte die Kita das Gütesiegel „Buchkindergarten“ erhalten. Die Sprach- und Leseförderung wird großgeschrieben, alle Kinder sollen die Bibliothek als einen selbstverständlichen Lernort nutzen. In den Einrichtungen gibt es seit 2014 Stellen für Sprachförderung.

Musikschule - Haus der Musik

Bewährte Musikschuldozenten, ein neuer kreativer Leiter Marc Fischer seit Oktober 2020: die Musikschule möchte mit ihren gesamt 21 Dozenten und Honorarkräften Kelsterbach zu einer Musikstadt machen. Aktuell bieten die Lehrkräfte auch Corona geschuldet Online-Unterricht an. 2021 soll eine stellvertretende Leitung der Musikschule vor allem den Bereich der Elementaren Musikpädagogik (EMP) erweitern. Weitere Musikinstrumente sollen gekauft werden, unter anderem Akkordeons und eine Hakenharfe. Bleibt zu hoffen, dass dann auch einmal ein Kelsterbacher Harfenist Wagners Ring mit der Harfe begleitet. Beitreten möchte die Musikschule Kelsterbach dem Verband deutscher Musikschulen, um noch andere Kooperationsmöglichkeiten aufzutun. Neu belebt werden soll die musikalische Zusammenarbeit mit den Freunden aus Bauge in Frankreich. Insgesamt wünscht sich Marc Fischer für die Zukunft angesichts der räumlichen Möglichkeiten der Musikschule ein „Haus der Musik“. Dort möchte man, so der Plan, das Musikangebot für die Musikschülerinnen und -schüler bündeln und auch ein enKommunikationsort für die Musikschuldozenten schaffen.

Offen für neue Formen - die Kulturarbeit der Stadt Kelsterbach

Viel zu Lachen gab es nicht im Pandemiejahr für die Kulturtreibenden in der Republik und auch in Kelsterbach. Vieles, sehr vieles Geplante fiel ersatzlos aus. Digitale Angebote können Kulturveranstaltungen nur bedingt ersetzen. Kelsterbach jedoch nahm die extreme Situation zum Anlass, den Kopf über dem Sand zu halten und nicht in kultureller Tatenlosigkeit zu ersticken. Robin Schmalz und Frank Niedermann aus der Verwaltung fanden mit ihren Ideen bei Bürgermeister Manfred Ockel offene Ohren. Und Kelsterbach verstand sich auch darauf, während der Schließzeiten durch die weltweite Seuche der Kunst eine Bühne und damit eine - wenn auch abgespeckte - Verdienstmöglichkeit zu geben.

Wohl in mancher Hinsicht einmalig - auch in Deutschland - war die „Kerb daheim“ der Republik 1. Digitales Volksfest. Es bewahrte so den Kelsterbachern, ein Stück Identität, gemeinsam mit dem Komik-Duo Mundstuhl wurde sehr professionell eine sehenswerte wenn auch abgespeckte Kerb auf die Beine gestellt. Und das bei Einhaltung der Corona-Abstände. Wie nahe den Schaustellern emotional diese bisher singuläre Festivität ging, das zeigte die gerührte Reaktion des Festwirtpaares Distelkamp aus Wiesbaden. Denen war - wie so Vielen - nahezu eine ganze Saison unter den Fingern zerronnen, viele Kultur- und Festbetriebe kämpfen ums nackte Überleben. Kelsterbach konnte mit seinen Aktivitäten hier ein wenig lindern.

Nicht ganz so einfach war ein Altstadtfest online zu bewerkstelligen, aber auch hier war Kelsterbachs Kultur nicht untätig und hat versucht, was machbar gewesen war. Feuerwerk aus der Konserve - allemal besser als gar keines.

Um die Vereine, Verbände und Organisationen in Kelsterbach zu stützen, hat die Stadt 75 Prozent der üblichen Zuschüsse ausgeschüttet. Weiterhin gilt in Kelsterbach für die Vereine der „Nulltarif“ bei der Nutzung städtischer Räume. Insgesamt, so Robin Schmalz vom Fachdienst „Kultur“, möchte man 2021 die digitalen Angebote erweitern und bei Rückkehr in vorpandemische Zeiten auf die dann wieder wachsende Nachfrage nach kultureller und sportlicher Betätigung reagieren. Ebenso möchte man situativ die Bereiche Vereinsarbeit, Sport- und Wellnessbad sowie Stadtmuseum fördern.

(hb/ Foto: Schönstein)

Februar 2021: Still ruht der Ball.