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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 6/2021
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1649: Ein Jahr nach Kriegsende

Eine der prunkvollsten Karten Frankfurts und seiner Umgebung stammt aus dem Jahr 1649, gezeichnet von Johann und Cornelius Blaeu. Hergestellt ein Jahr nach Ende des sogenannten Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648). Es handelt sich um eine Kupferstichkarte mit dem Titel „Novam hanc Territorii Frankfurtensis Tabulam“ aus dem „Theatrum Orbis Terrarum“ im Maßstab 1:85.000, zu deutsch „Neue Karte Frankfurts und Umgebung“. Aufbewahrt wird die Karte im Historischen Museum in Frankfurt am Main. Viele Wappen sind zu sehen, so die des Älteren und Jüngeren Bürgermeisters und des Schultheißen aus Frankfurt, das Wappen der Deutschen Kaiser aber auch das Frankfurter Altwappen. Ein glückliches Beiwerk, auch Kelsterbach und seine Umgebung sind abgebildet. Zu sehen ist die stilisierte Wolfenburg, das ehemalige Renaissanceschloss der Isenburg-Büdinger Grafen, die Kirche, die Kelsterbacher Terrasse, die mittelalterliche Befestigung und „Motte“ „Schwedenschanze“ und im Mainknick gegenüber Sindlingen die Merzkirche (Martinskirche). Ob der stilisierte kleine Galgen am westlichen Kartenrand in der Nähe der Beschriftung „Mein Fluß“ eine reale Hinrichtungsstätte kennzeichnet oder nur ein Stilelement ist, bleibt ungeklärt. Die „Blutgerichtsbarkeit“ lag in Darmstadt bei den damaligen Kelsterbacher Landesherren, den Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Angedeutet als feine Linie ist der Lauf des Kelsterbaches aus dem Schwanheimer Bruch kommend. Entnommen ist die Karte dem Buch von Frank Berger u.a. „Frankfurt und Umgebung auf historischen Karten“, Societäts-Verlag, Frankfurt 2020. (hb)