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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 6/2021
Seite 3
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Wechsel zum Jahreswechsel

Mehrgenerationenhaus – neue Koordination und viele Angebote

Seit Januar dieses Jahres haben das Mehrgenerationenhaus und Familienzentrum in Kelsterbach eine neue Koordinatorin. Annika Geng übernahm die leitende Position von Heike Krines, die innerhalb der Caritas nach Bad Homburg wechselte. Geng studierte zunächst an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel und machte dort ihren Master in Migration und Diversität bevor sie 2019 begann, für den Caritasverband Offenbach/Main e.V. in der Geflüchtetensozialarbeit zu arbeiten. 2020 wechselte sie nach Kelsterbach und arbeitete im gleichen Bereich bevor sie ihre aktuelle Stelle antrat. Das Mehrgenerationenhaus ist ein Bundesprogramm und historisch gewachsen aus dem Familienzentrum, das 2015 entstanden ist. Das Mehrgenerationenhaus in Kelsterbach gibt es seit 2016.

Das Interview führte Anika Fabijanic von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Kelsterbach.

Stadt: Frau Geng, Wie sieht Ihre Arbeit und die Ihrer Mitarbeiter im Mehrgenerationenhaus normalerweise aus?

Geng: Das Mehrgenerationenhaus und Familienzentrum bieten ein breites Spektrum an Angeboten in den Bereichen Beratung, Betreuung, Begegnung und Bildung für alle Kelsterbacher Bürgerinnen und Bürger. Meine Arbeit beinhaltet unter anderem die Koordination und Initiierung von Angeboten und Projekten, die Förderung von ehrenamtlichem Engagement sowie Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit. Darüber hinaus suche ich nach externen Angeboten, die auch in Kelsterbach einen guten Beitrag leisten können und hole diese in die Kommune. Dazu gehören beispielsweise die berufliche Beratung von Frauen, die in den Beruf zurückkehren oder sich beruflich verändern wollen. Hierfür werden wir vom Frauenzentrum in Rüsselsheim unterstützt. Auch von der Bundesagentur für Arbeit gibt es eine Veranstaltung in der es um den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen und berufliche Veränderung geht: „Wie finde ich die passende Arbeitsstelle – Tipps für Frauen und Berufsrückkehrende“.

Meine Kolleginnen Christine Müller und Sara Bouhouchi-Gouhar arbeiten mit mir in gemeinsamen Projekten und unterstützen mich ebenfalls bei der Koordination der Angebote. Zusätzlich unterstützt uns Alexandros Pavlidis, der sein Freiwilliges Soziales Jahr bei uns macht, in unserer Arbeit und übernimmt selbst kleinere Projekte.

Durch unsere generationenübergreifende Arbeit möchten wir die Menschen vor Ort vernetzen, einen gegenseitigen Austausch ermöglichen und darüber hinaus soziales Engagement fördern. Kinder und Familien zu unterstützen und einen Beitrag zu einem gelingenden sozialen Miteinander hier in Kelsterbach zu leisten, ist uns ein wichtiges Anliegen.

Stadt: Wie sehr beeinflusst Corona momentan Ihre Arbeit? Gab es auch positive Veränderungen?

Geng: Wie in vielen Bereichen hat auch uns die Corona Pandemie vor große Herausforderungen gestellt und sie beeinflusst unsere Arbeit weiterhin sehr. Einige Angebote mussten immer wieder an die geltenden Regelungen angepasst, andere ganz abgesagt werden, wie zum Beispiel größere Veranstaltungen. Auf der Suche nach Alternativen entstanden neue kreative Angebote beispielsweise die Stuhlgymnastik. Diese fand im letzten Sommer erstmalig und draußen statt. Mit dem notwendigen Abstand wurden Stühle aufgestellt und die Senioren von einer professionellen Trainerin angeleitet. Auch im kommenden Sommer möchten wir dieses Angebot gerne wieder anbieten. Andere Angebote für Seniorinnen und Senioren sind der wöchentliche Postgruß oder das Plaudertelefon freitags. Sie sehen anhand dieser Angebote, dass gerade die Bekämpfung von Einsamkeit und Isolation ein wichtiges Arbeitsfeld in dieser Pandemie ist.

Die Digitalisierung ist auch für unsere Angebote elementar geworden und bekam coronabedingt einen Schub. Eine Veränderung, die ich als positiv erachte. Fördermittel wie zum Beispiel aus dem Förderprogramm Familienzentren erleichtern uns dankenswerterweise nun die Umstellung der Angebote. Einige unserer Angebote finden derzeit entsprechend digital statt, wie zum Beispiel der Rückbildungskurs oder die offene Stillgruppe und Stillberatung. Ansonsten unterstützen wir bei der Organisation der Impftermine und bieten einen kreativen Bastelspaß für Kinder an, für den meine Kollegin Sara Bouhouchi-Gouhar Bastelanleitungen mit Fotos an die Eltern verschickt.

Es ist für uns sehr wichtig, den Kontakt zu den Menschen zu halten, Augenblicke der Freude zu schenken, Einsamkeit und Isolation zu mindern und gerade in dieser schwierigen Zeit ansprechbar für Nöte und Sorgen zu bleiben.

Stadt: Wie nehmen die Menschen die veränderten Angebote an?

Geng: Im vergangenen Jahr als die Tafel pandemiebedingt für einige Zeit schließen musste entstand ein mobiler Versorgungsdienst in Kooperation mit der Stadt Kelsterbach, der Tafel und dem Kelsterbacher Caterer GIC International. Dieser mobile Versorgungsdienst, der viele Kelsterbacher Bürger und Bürgerinnen mit Essenspaketen versorgte, wurde sehr gut an- und wahrgenommen.

Ein voller Erfolg war ebenso die vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. geförderte Nikolausaktion bei der Kelsterbacher und Kelsterbacherinnen kleine Geschenksäckchen für ihre Freunde und Verwandte bestellen konnten und die dann abends heimlich von den Caritasmitarbeitenden vor die Tür als Überraschung gestellt wurden. Diese Aktion gab es zwar schon vor Corona, aber in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und häuslicher Isolation erfreute sie sich umso größerer Beliebtheit. Wir sehen aufgrund der Nutzung unserer veränderten Angebote den hohen Bedarf und Wunsch der Menschen wieder aktiver zu sein und an der Gesellschaft teilhaben zu können.

Stadt: Können Sie sich vorstellen auch nach der Pandemie einige der Angebote dieser besonderen Zeit beizubehalten?

Geng: Einige unserer Angebote auf Distanz, wie zum Beispiel den Postgruß, das Plaudertelefon oder den kreativen Bastelspaß werden wir sicherlich beibehalten. Darüber hinaus werden wir die Möglichkeiten, die uns der Digitalisierungsschub bietet, nutzen und Angebote ausbauen, um sozialen Problemen, die leider auch über Corona hinaus Bestand haben werden, entgegenzuwirken.

Derzeit sind wir in der Planung für den kommenden Sommer. Wie auch in den Jahren zuvor stellen wir ein buntes Programm mit tollen Angeboten zusammen, in der Hoffnung, dass so viel wie möglich davon stattfinden kann. Das Sommerprogramm trägt einerseits den Rahmenbedingungen einer Pandemie Rechnung, andererseits ist es ein Zeichen dafür, dass wir auch auf ein „Nach Corona“ setzen. Zu den Angeboten sollen unter anderen ein Kräuterspaziergang gehören, der einen Einblick in Kräuterkunde bietet und für alle Generationen gedacht ist. Außerdem planen wir eine Kanu- sowie eine Klettertour.

Stadt: Welche Ziele haben Sie sich für die Zeit nach der Pandemie und Ihre Arbeit künftig gesteckt?

Geng: Für meine Arbeit wünsche ich mir, dass Begegnungen zwischen Menschen bald wieder unbeschwert möglich sein werden. Das Mehrgenerationenhaus und Familienzentrum ist ein Ort der Begegnung und lebt von der Gemeinschaft. Mir ist es sehr wichtig, mit meiner Arbeit dazu beizutragen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken und Impulse für ein gutes Zusammenleben in Kelsterbach zu setzen.

Stadt: Vielen Dank für das Gespräch.