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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 6/2022
Seite 2
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Heinrich Hoffmann zum 95. Geburtstag

Stadtgeschichte: Manfred Müller (links) und Heinrich Hoffmann.

Bei der Kerb charmant umringt.

Auch Stadtgeschichte : Fritz Treutel mit Heinrich Hoffmann.

Mann der Vereine, Ehrenvorsitzender des Vereinsringes.

Fit und sangesfreudig zur Feier mit Bürgermeister Manfred Ockel.

Über Heinrich Hoffman in Kelsterbach etwas zu sagen, das hieße sozusagen „Wasser in den Main schütten“ oder wie die Griechen sagen „Eulen nach Athen tragen“. Heinrich Hoffmann, er wurde jüngst 95 Jahre alt, ist einer der letzten Grand Seigneurs der Untermainstadt. Und davon gab es einige, die die Untermainstadt über Jahrzehnte entscheidend geprägt haben. „Geprägt“ und „entscheidend“, das werden wohl alle Kelsterbacherinnen und Kelsterbacher blind unterschreiben, wenn Heinrich Hoffmann gemeint ist. Zumindest die, die über die letzten Jahrzehnte die Ereignisse in Kellerschbach verfolgt haben.

Ja wenn das so ist, dann Prost!

Zu einer Feier auf der Kegelsportanlage hatte Hoffmann „seinen“ Volkschor eingeladen, denn hier ist Heinrich Hoffmann noch immer eine der prägnanten Stimmen im Chor, die immer herauszuhören sind. Was Wunder, dass auch bei dieser Feier gesungen wurde, dirigiert und begleitet vom Volkschor-Dirigenten Daniel Schmidt am Klavier. Und mitgesungen hat an diesem Abend auch Bürgermeister Manfred Ockel, der Hoffmann für seinen langen Einsatz dankte und noch lange viele schöne Singstunden wünschte. Neben den Glückwünschen von Land Hessen, Kreis Groß-Gerau und Stadt Kelsterbach überbrachte Ockel auch die besten Wünsche von Altbürgermeister Erhard Engisch. Günter Schneider ließ den „Heini“ mit einem Gedicht hochleben, und wer Hoffmann kennt, der wundert sich nicht, dass so manche Gesangseinlage während des Essens angestimmt wurde mit einem melodischen „Ja wenn das so ist dann Prost!“.

5 und 7 als prägende Zahlen

„Ich habe fünf Bürgermeister während meiner Zeit in den Kelsterbacher Rathäusern erlebt, Karl Busch, Wendelin Scherer, Fritz Treutel, Erhard Engisch und als Pensionär dann Manfred Ockel. „Als ich 1941, mitten im Weltkrieg, im Rathaus in der Untergasse als Verwaltungslehrling angefangen habe, da waren wir ganze sieben Mitarbeiter; zwei Feldschützen, zwei Gemeindearbeiter, zwei Polizisten und ein Ausscheller, der die Amtlichen Bekanntmachungen mit einer Glocke in den Kelsterbacher Gassen mündlich vortrug,“ erinnert sich Hoffmann. Viel habe sich hier getan, von einer knapp 5000-Einwohnergemeinde hin zu einer prosperierenden 18.000-Einwohner-Kleinstadt, die eines schon immer auszeichnet: Lage, Lage, Lage. Heinrich Hofmann hat seit den 1940er Jahren dieses Kelsterbach ganz entscheidend mitgeprägt, nicht auf der politischen, sondern auf der Verwaltungs- und der mitmenschlichen Ebene. Und so wundert es nicht, dass der Senior anlässlich der Geburtstagsfeier ein Credo zum Besten gab: „Man muss Gemeinschaft schenken, das muss man erkennen, und dann kann man sich in sie hineinbegeben und wird von ihr getragen und aufgefangen!“

Vom Lehrling zum Oberamtsrat

In wenige Sätzen kann man hier nur beschreiben, was die Ära Hoffmann auf der gesellschaftlichen Ebene Kelsterbachs charakterisiert. Gemeinschaft, das war das, was die Menschen nach Krieg und Entbehrungen forderten und lebten. Und Heinrich Hoffmann hat es vorgelebt. Im Handharmonika-Spielring, in den Gesangvereinen, im Kirchenvorstand der Christuskirchengemeinde, als langjähriger Vorsitzender des Kelsterbacher Vereinsringes, nicht zuletzt in der Verwaltung. Ein Großteil des Kelsterbacher Kulturlebens, das man in seiner Ausprägung im Jahr 2022 nur staunend erinnern kann, ist fest mit Heinrich Hoffmann und dem Bürgerhaus, dem heutigen Fritz-Treutel-Haus, verknüpft. Die Seniorenschifffahrten, der Blaue Bock, Café Wien, die Seniorenfastnachten; viele Bälle und gesellschaftlichen Ereignisse in Kelsterbach sind mit ihm verbunden. Zudem die Städtepartnerschaft mit Baugé. Mit seiner „kirchlichen“ Reisegruppe war er an unzähligen Orten im In- und Ausland unterwegs gewesen und hat Zugehörigkeitsgefühl vermittelt. Er war der Conférencier unzähliger Veranstaltungen, gab und gibt Kelsterbach ein freundliches und verbindliches Gesicht. Oben auf der Karriereleiter als Oberamtsrat angekommen, wirkt Heinrich Hoffmann auch als Pensionär seit rund drei Jahrzehnten segensreich für Kelsterbach. „Solange ich mit euch singen kann, geht es mir gut,“ gibt er sich selbst das Motto für die Zukunft. (hb)