Norman Wolf referierte zum nunmehr zweiten Mal in Kelsterbach zum Thema Mobbing.
Das Publikum lauschte gebannt dem bewegenden Vortrag und tauschten sich intensiv mit Wolf aus.
Die Stadt- und Schulbibliothek hatte am vergangenen Wochenende in Kooperation mit dem Netzwerk „Gemeinsam gegen Mobbing“, einem Gemeinschaftsprojekt von kommunaler Sozialarbeit, den Kelsterbacher Schulen und der Kita St. Elisabeth, zu einer Veranstaltung zum Thema Cybermobbing geladen. Redner des Vortrags „Wenn der Blick aufs Handy zur Qual wird“ war Norman Wolf, der bereits im Sommer 2024 bei der Auftaktveranstaltung des Netzwerks zu Gast in der Bibliothek war und dort mit seinem eindringlichen Bericht über seine persönlichen Mobbing-Erfahrungen während der Schulzeit großen Eindruck hinterlassen hatte. Mit seinem neuen Buch im Gepäck, der Fortsetzung von „Wenn die Pause zur Hölle wird“, kehrte Wolf nun zurück nach Kelsterbach, um die Menschen erneut an seinen eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen und ihnen hilfreiche Ratschläge im Umgang mit Cybermobbing mit auf den Weg zu geben.
Nach einer kurzen Begrüßung der rund 30 Gäste durch Bibliotheksleiterin Meike Betzold und Sabine Dahmane, Initiatorin von „Gemeinsam gegen Mobbing“, blickte Wolf zu Beginn seines etwa zweistündigen Vortrags zunächst noch einmal auf seine Schulzeit zurück. Dabei machte er klar: „Mobbing ist kein anderes Wort für ärgern. Es ist kein Streit auf Augenhöhe, sondern es gibt ein Kräfteungleichgewicht zwischen Täter und Opfer“, so Wolf. Das Problem der heutigen digitalen Zeit sei, dass das Mobbing mit dem Verlassen der Schule nicht aufhöre. Man habe auch zu Hause keinen sicheren Rückzugsort mehr, da Mobbing über WhatsApp-Gruppen und Social-Media-Kanäle wie Tik Tok und Instagram jederzeit und überall passieren kann. Die ständige Möglichkeit, mit Gemeinheiten oder Demütigungen konfrontiert zu werden, sorge bei den Betroffenen für chronischen Stress, der im schlimmsten Fall zum Suizid führen könne.
Mit seinen sehr persönlichen Schilderungen machte Wolf nicht nur deutlich, was Mobbing langfristig mit den Opfern macht und welche Narben es hinterlässt. Er gab auch Ratschläge, wie man als Betroffener oder Angehöriger reagieren kann. „Es hilft nicht, nichts zu tun“, erklärte der Autor und Content Creator, der als „@deinTherapeut“ auf Social Media zu Mental-Health-Themen postet und dort auch oft mit Hass und Beleidigungen konfrontiert wird. Egal ob in der Schule oder im Netz, das Wichtigste sei, sich Hilfe zu suchen und mit jemandem zu reden. Es sei wichtig zu erkennen, dass man nicht allein ist und dass das Problem nicht bei der gemobbten Person liegt, sondern bei denjenigen, die ihr wehtun. Bei Cybermobbing könne man auch als Außenstehender helfen. Wer im Netz Hasskommentare entdeckt, sollte Stellung beziehen und seine Meinung sagen. Es brauche mehr sogenannte „Counter Speech“, um dem Hass im Netz zu begegnen. Wichtig sei bei Cybermobbing ebenso, Screenshots zur Beweissicherung zu erstellen und die entsprechenden Kommentare zu melden. Hierbei riet Wolf, die Meldung nach dem Digital-Services-Act (DSA) der EU vorzunehmen, da dies wesentlich effektiver sei als eine Meldung direkt bei X, Facebook und anderen Plattformen. Weitere sinnvolle Maßnahmen seien, die Person, von der das Cybermobbing ausgeht, zu blockieren und Strafanzeige zu erstatten.
In diesem Zusammenhang erklärte Wolf noch den Unterschied zwischen Hate Speech und Beleidigungen unterschieden. Hate Speech umfasse beispielsweise rassistische, antisemitische oder queerfeindliche Kommentare, während Beleidigungen sich gegen eine bestimmte Person richten. Wichtig zu wissen sei, dass eine Beleidigung im Netz ebenso einen Strafbestand darstellt, wie eine persönliche Beleidigung.
Immer wieder gab es im Verlauf des Vortrags einen intensiven Austausch mit dem Publikum, das im Anschluss an den Vortrag noch die Gelegenheit hatte, Fragen an den Autor zu stellen, während am Büchertisch der Rüsselsheimer Buchhandlung „Kapitel 43“ seine Bücher erworben werden konnten. Die anwesenden Vertreterinnen des Netzwerks „Gemeinsam gegen Mobbing“ standen ebenfalls als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Zum Abschluss dankte Betzold Wolf für den Mut, so offen über seine eigenen Erfahrungen zu sprechen und damit anderen Betroffenen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, zu helfen. (sb)