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Nauheimer Gemeindespiegel
Ausgabe 19/2026
Kinder- und Jugendförderung
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Gummibärchen und High-Tech

Jubel beim "Games Maker Day"

Jugendliche tüfteln im "Maker-Space"

Jugendliche werden am „Games-Maker-Day“ im X-Presso zu Erfindern

Wer behauptet eigentlich, dass man für Videospiele unbedingt teure Plastik-Controller benötigt? Im Jugendkulturbahnhof X-Presso bewiesen 19 Jugendliche am 25. April das Gegenteil. Bei der Neuauflage des traditionsreichen „Games-Day“, der in diesem Jahr um einen kreativen „Maker-Workshop“ ergänzt wurde, verwandelten sich Alltagsgegenstände wie Obst, Alufolie, Knete und sogar Gummibärchen in digitale Steuerelemente.

Seit mittlerweile 24 Jahren ist der „Games-Day“ eine feste Institution der Kinder- und Jugendförderung Nauheim. Doch das Konzept hat sich über die Jahrzehnte stetig weiterentwickelt. Der medienpädagogische Anspruch, Technik spielerisch zu „begreifen“, stand beim diesjährigen „Games-Maker-Day“ im Mittelpunkt. „Wer sich mündig und kompetent in der digitalen Welt bewegen will, sollte digitale Geräte nicht nur zum Spielen benutzen, sondern auch ihre Funktionsweise verstehen“, erklärt Jugendpfleger Andreas Schmitt.

Bananen-Power statt Joypad

Der „Maker-Workshop“ lockte vier Mädchen und 15 Jungen im Alter ab 12 Jahren in den temporären „Maker-Space“ des Jugendkulturbahnhofs. Das Herzstück der Experimente bildete ein kleines, USB-betriebenes Mikrocontroller-Board, mit dem man fast jeden leitfähigen Alltagsgegenstand in eine Computertaste verwandeln kann. Dieses wurde am MIT Media Lab entwickelt und ist so konzipiert, dass es ohne Softwareinstallation und große Vorkenntnisse direkt am Computer funktioniert. Als Schnittstelle zwischen der physischen und der digitalen Welt. Mittels Klemmen und Drähten lernten die Teilnehmenden zunächst die Grundlagen von Stromkreisen: Welche Objekte leiten Strom?

Die Jugendlichen experimentierten mit verschiedenen Materialien und stellten fest, dass nicht nur Metalle, sondern auch Kartoffeln, Limonen, Bleistiftlinien auf Papier oder gar der eigene Körper Impulse übertragen können. Die Ergebnisse waren ebenso skurril wie funktional: Während eine Gruppe ein Tennisspiel über mit Alufolie umwickelte Kartons steuerte, nutzten andere Teilnehmer Bananen oder Gummibärchen, um Super Mario durch seine Abenteuer zu manövrieren. „Man kann so kreativ entscheiden, wie die Steuerung für ein Spiel aussehen soll, und die verrücktesten Dinge entwerfen“, so Schmitt begeistert.

Gemeinschaftserlebnis auf drei Etagen

Während im „Maker-Space“ getüftelt wurde, verwandelte sich das gesamte Bahnhofs-Gebäude über drei Etagen in eine riesige Spielelandschaft. Von Retro-Klassikern auf der PlayStation 2 bis hin zu modernsten Titeln auf der Playstation 5, Xbox Series X oder der Nintendo Switch war alles vertreten. Das Besondere dabei: Bewusst wurde auf gewaltverherrlichende Spiele oder Ego-Shooter verzichtet. Stattdessen setzten die Organisatoren auf Sport-, Quiz-, Strategie- und Simulationsspiele.

„Im Gegensatz zum Alleinspielen zuhause erleben die Jugendlichen hier aktiven Spielspaß in der Gruppe“, betonte Andreas Schmitt von der Jugendförderung. Es gehe um Kommunikation, das Entwickeln gemeinsamer Strategien und den fairen Umgang miteinander. Dank der Unterstützung der Medienzentrale Groß-Gerau konnten die Spiele über spezielle Kurzdistanz-Beamer auf zahlreiche Leinwände projiziert werden, was den Event-Charakter des „Games-Day“ unterstrich.

Wissenstransfer von Generation zu Generation

Ein schöner Nebeneffekt der Tradition: Das kompetente Betreuerteam besteht aus ehemaligen Teilnehmern und Freiwilligen, die als Kinder im X-Presso spielten oder ihr Freiwilliges Jahr bei der Jugendförderung absolvierten und nun ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Für die Verpflegung und Entspannung war ebenfalls gesorgt. In den Spielpausen konnten die Jugendlichen an der „iPad-Bar“ im Café X-Presso Pizza bestellen, in der Arcade-Lounge entspannen oder sich am analogen Turnier-Kicker messen. Der ausgebuchte „Games-Maker-Day“ verdeutlicht einmal mehr: Das die Mischung aus Medienbewusstsein, technischem Know-how und sozialem Miteinander das perfekte Rezept für Medienkompetenz ist.