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Nauheimer Gemeindespiegel
Ausgabe 24/2020
Aus unserer Gemeinde
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Ev. Kirche

Am 13. März, vor über zwei Monaten also, hat der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde in Nauheim in einer spontan einberufenen, außerordentlichen Sitzung Dinge beschließen müssen, die vorher so nicht denkbar erschienen. Das Herunterfahren des gesamten öffentlichen Lebens bedeutete in erster Linie für die Kirchen keine Gottesdienste mehr feiern zu können, alle gemeindlichen Aktivitäten auszusetzen und bis auf weiteres abzusagen. Gemeindemitglieder konnten nicht mehr besucht werden, die seelsorgerliche Begleitung fand vorwiegend, bis auf wenige Ausnahmen, über das Telefon statt.

Es wurde beschlossen, ab sofort die Kirche jeden Tag zu öffnen, um so den Menschen eine Möglichkeit des Gebets, des Rückzugs, der Stille zu geben. Parallel dazu konnten Menschen Steine bemalen und diese Hoffnungssteine am Altar oder vor der Kirche ablegen. Damit die Kirchenbänke nicht so leer aussahen, wurden in Anlehnung einer Idee eines italienischen Pfarrers Bilder von Menschen aus der Gemeinde in die Kirchenbänke gehängt. Jeden Abend um 19.30 Uhr läuteten gemeinsam mit der katholischen Kirche die Glocken, ein Licht wurde entzündet und ein Vaterunser gebetet. Zu dieser Zeit war immer eine Pfarrerin oder Pfarrer in der Kirche anwesend. Dankbar wurde diese Verbundenheit im Geiste von vielen Menschen angenommen. Ebenfalls war an jedem Sonntag zur eigentlichen Gottesdienst Zeit eine Pfarrerin oder ein Pfarrer in der Kirche anwesend, um ggf. seelsorgerlich zu unterstützen, wenn Menschen das Gespräch suchten.

Es war nun nicht möglich, Ostern, das höchste Fest im Christentum, in gewohnter Form zu feiern. Doch Ostern feiern heißt auch, an das Leben zu glauben. Deswegen hatte das Pfarrteam der evangelischen Kirchengemeinde einen Weg des Feierns gefunden. So wurde anhand von Symbolen vor der Kirche am Heinrich-Kaul-Platz z. B. ein Tisch mit zwölf Bechern und einem Krug auf gedecktem Tisch aufgebaut, um an das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern zu erinnern. Oder ein Kreuz, einmal mit schwarzem Schal am Karfreitag und dann mit buntem Papier am Ostersonntag aufgestellt. Die Menschen konnten vorbeikommen und Gebete aufschreiben, sie ans Kreuz heften, oder auf den Altar legen.

Der Kirchenvorstand „traf“ sich jetzt per Videokonferenz, es war für alle neu und besonders, aber einfach eine wunderbare Möglichkeit, im Gespräch zu bleiben und eben auch weiterhin in der Lage zu sein, Dinge zu entscheiden oder Ideen zu entwickeln, um den Kontakt zur Gemeinde zu halten.

So wurden zuerst Briefkarten mit Ostergrüßen an die Menschen der Gemeinde verschickt, die älter als 70 Jahre sind. Dann gab es Ende April und Anfang Mai Post für Kindergartenkinder und Grundschulkinder, mit Bastelmaterial, sowie für die Jugendlichen Briefe mit einem kleinen Eisgutschein und für alle evangelischen Familien in Nauheim dann nochmal eine Hoffnungskarte mit einem Streichholzbriefchen drin, der an das gemeinsame Anzünden des täglichen Hoffnungslichtes erinnern sollte. All dies wurde von fleißigen Händen der Gemeinde zusammengepackt und ausgetragen. Für all diese Aktionen gab es sehr viele positive Rückmeldungen aus der Gemeinde.

All die geplanten Veranstaltungen wurden abgesagt, Konzerte, Scheunenfest, Kinderbibelwochenende und natürlich die Konfirmation. Diese ist verschoben auf den 31. Oktober dieses Jahres.

Immer wieder prüft der Kirchenvorstand, was möglich ist und was nicht. Wir halten uns an die Vorgaben der Landeskirche und der hessischen Landesregierung und sind uns unserer Verantwortung gegenüber den Menschen sehr bewusst.

Nun, nach der langen Zeit, gibt es wieder die Möglichkeit, Gottesdienste zu feiern. Der Kirchenvorstand hat lange und konstruktiv darüber beraten. Nach Ausarbeitung eines Hygienekonzeptes gab es am 17. Mai nach all der bewegenden Zeit wieder einen ersten, zwar in veränderter Form stattfindenden, Gottesdienst.