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Nauheimer Gemeindespiegel
Ausgabe 45/2020
Nauheim extra
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Baum des Monats – Der Fächerblattbaum (Ginkgo biloba)

Der Fächerblattbaum oder Ginkgo kann mit Fug und Recht als „ältester Baum der Welt“ bezeichnet werden. Ginkgogewächse besiedelten bereits seit dem Ende des Erdaltertums (Perm, vor ca. 285-250 Millionen Jahren) die Erde. Auch in unserer Region wuchsen vor Millionen Jahren diese Bäume, wie Fossilienfunde beweisen. Eine einzige Art, Ginkgo biloba, hat in der ostchinesischen Provinz Chekiang bis heute überlebt.

Kein Laubbaum und kein Nadelbaum

Obwohl der Ginkgo eigentümliche fächerförmige Laubblätter trägt, die im Herbst nach prächtig gelber Herbstfärbung abgeworfen werden, gehört er nicht zu den Laubgehölzen. Anders als bei allen anderen Laubbäumen ist beim Ginkgo die Samenanlage nicht in einem Fruchtknoten eingeschlossen. Er gehört deshalb zusammen mit Nadelgehölzen und Palmfarnen in die altertümliche Gruppe der nacktsamigen Pflanzen.

Männliche und weibliche Bäume

Ginkgos sind zweihäusig, das heißt, es gibt männliche Bäume die Blütenstaub und weibliche Bäume, die Samen produzieren. Die wie kleine glattschalige Aprikosen aussehenden Ginkgofrüchte, die ausschließlich auf weiblichen Bäumen wachsen, haben es in sich. Es sind echte Stinkbomben. Das saftige Fruchtfleisch setzt bei der Reife Buttersäure frei. Das stinkt dann ganz penetrant nach ranziger Butter.

Der Goethe-Baum

Die ersten Ginkgo-Samen kamen um 1730 nach Europa. Johann Wolfgang von Goethe war so fasziniert von dem besonderen Baum, dass er ihm ein Gedicht widmete:

GINKGO BILOBA

Dieses Baumes Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut,

Gibt geheimen Sinn zu kosten

Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,

Das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen,

Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern,

Fand ich wohl den rechten Sinn:

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Dass ich eins und doppelt bin?

Der Ginkgo und die Atombombe

Am 6. August 1945 warfen die USA über der japanischen Stadt Hiroshima eine Atombombe ab und töteten 80.000 Menschen. Viele Tausende starben danach an Verbrennungen und Strahlenschäden. Ein Ginkgo Baum, der rd. 800 Meter vom Zentrum der Explosion entfernt stand, verbrannte zwar zum großen Teil, trieb aber im folgenden Frühjahr wieder aus. Dieser Baum hat bis heute überlebt und stellt ein eindrucksvolles Mahnmal dar gegen Krieg und Gewalt.

Der Ginkgo in der Medizin

Bereits im alten China wurde Ginkgo als Medizinpflanze gegen verschiedene Beschwerden eingesetzt. Aber erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde die durchblutungsfördernde Wirkung eines Extraktes aus Ginkgo-Blättern wissenschaftlich nachgewiesen. Heute ist Ginkgo Bestandteil zahlreicher durchblutungsfördernder Medikamente.

Ginkgo Bäume in Nauheim

So eng begrenzt das natürliche Verbreitungsgebiet des Ginkgos ist, so häufig findet man ihn inzwischen weltweit in Parks, Gärten und als Straßenbaum. Der Ginkgo ist robust und anspruchslos und gedeiht auch in modernen Großstädten. Besonders während der Amtszeit von Bürgermeister Helmut Fischer, der vom Ginkgo fasziniert war, wurden diese Bäume gepflanzt, so auch in der Rüsselsheimer Straße zwischen Kreisel Berzallee und Waldstraße.

Ginkgo-Bäume in der Rüsselsheimer Straße