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Nauheimer Gemeindespiegel
Ausgabe 49/2019
Nauheim extra
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Was blüht im Dezember in Nauheim? – Der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima)

Foto: Thomas Arnold Weihnachtssterne in der Gärtnerei Schneider in Nauheim

Vom Januar bis zum November 2019 wurden Pflanzen, Bäume, Sträucher und Stauden vorgestellt, die im jeweils aktuellen Monat blühten. Den Abschluss dieser Reihe soll eine Pflanze bilden, die in Mitteleuropa weder heimisch ist noch einen einzigen Winter im Freiland überleben würde, - der Weihnachtsstern. Dafür kann man im Dezember die hübsche Pflanze in nahezu jedem Supermarkt, Discounter, Baumarkt, Lebensmittelmarkt und natürlich in jedem Blumengeschäft als Topfpflanze für wenige Euro kaufen.

Der Weihnachtsstern ist ein kleiner Baum oder Strauch, dessen Wildform maximal 5 Meter hoch werden kann. Sein Verbreitungsgebiet liegt in Mittelamerika. Erste Berichte über die Pflanze erreichten Mitteleuropa erst vor rd. 450 Jahren und erst seit etwa 1950 wird sie hier in immer größerer Zahl als Zimmerpflanze kultiviert.

Was den Weihnachtsstern heute zur typischen Weihnachtspflanze macht, ist seine Blütezeit im Dezember. Als sogenannte Kurztagspflanze bildet er nur Blüten aus, wenn er nicht mehr als 12 Stunden Licht erhält, und die kürzesten Tage und die längsten Nächte sind auf der nördlichen Erdhalbkugel im Dezember.

Die eigentlichen Blüten sind klein, grün-gelblich und unscheinbar. Was wie eine prächtige, meist leuchtend rot gefärbte riesige Einzelblüte aussieht, ist ein Kranz von Hochblättern, der die unscheinbaren Blütenstände umgibt und der am natürlichen Standort Bestäuber anlocken soll. Die Wildform und die meisten Zuchtformen des Weihnachtssterns haben rot gefärbte Hochblätter in unterschiedlichen Rottönen. Es gibt auch Sorten mit gelblichen, weißen oder gesprenkelten (panaschierten) Hochblättern. Ab und an sieht man sogar blaue Weihnachtssterne. Diese sind allerdings kein Produkt gärtnerischer Pflanzenzüchtung, sie wurden mit Tinte künstlich blau gefärbt.

Wie alle Pflanzen aus der Gattung der Wolfsmilchgewächse (Euphorbia) enthält auch der Weihnachtsstern einen giftigen weißen Milchsaft. Die Giftigkeit der Pflanze wird aber meist überschätzt. Umfangreiche Datenauswertungen ergaben, dass in den meisten Fällen nach Kontakt mit dem Milchsaft gar keine Symptome auftraten, schwere Vergiftungsfälle oder gar Todesfälle überhaupt nicht.

Leider steht die hübsche Pflanze wie kaum eine andere exemplarisch für unsere moderne Wegwerfgesellschaft: Jedes Jahr werden Millionen an Weihnachtssternen produziert und verkauft, um nach Weihnachten als Müll in der Biotonne zu landen. Dabei kann man mit etwas Mühe die Pflanze ganzjährig kultivieren: Nach Verblühen der oberen Triebabschnitte werden die Triebe zurückgeschnitten. Später (bis zum August) schneidet man lange Triebe etwa alle 6 Wochen zurück, um eine ansprechende Form zu erzielen. Soll die Pflanze im Dezember wieder prächtig gefärbte Hochblätter bilden, muss man ab Anfang Oktober dafür sorgen, dass sie täglich mindestens 12, besser 14 Stunden absolut dunkel steht.