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Raunheim aktuell
Ausgabe 1/2026
Amtlicher Teil
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Apps, Wimmelbücher, Bildschirmzeit

Sibylle Grigat informierte in ihrem Elternvortrag über sinnvolle Mediennutzung für Kinder.

Medien zeitlich begrenzt und pädagogisch sinnvoll zu nutzen, ist Grigats Empfehlung an Eltern.

Eine breite Medienauswahl wurde den Eltern in der Mediathek vorgestellt.

Dieser Flyer ist im Rathaus kostenfrei erhältlich.

Sinnvolle Nutzung von digitalen Medien

Digitale Medien sind ein fester Bestandteil unseres Alltags. Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Jugendlichen, Kindern und zum Teil bereits bei Kleinkindern. Das Familienzentrum möchte Eltern deshalb Tipps für eine sinnvolle Mediennutzung vom Kleinkind- bis zum Grundschulalter an die Hand geben, um so Medienkompetenzen zu stärken.

„Sinnvolle Mediennutzung für Kinder im Kita- und Grundschulalter“ hieß der Titel der Informationsveranstaltung am 15. Dezember in der Mediathek. Sibylle Grigat – Koordinatorin für sprachliche Bildung – sprach mit den Eltern über ihre eigene Mediennutzung in ihrer Kindheit ebenso wie das Nutzungsverhalten der Erwachsenen heute, die Bedeutung des Vorlesens, die Auswirkungen bewegter Bilder auf Kinder, Bildschirmzeiten, die Nutzung von Tablet und Smartphone als Werkzeug und gab Tipps für sinnvolle Apps.

Eigene Mediennutzung hinterfragen

Zunächst machte Grigat auf die Präsenz des Smartphones im Alltag der Eltern aufmerksam. Das Gerät befinde sich nämlich zum Teil sehr häufig in den Händen der Eltern. „Die Kinder erleben ihre Eltern mit dem Gerät vor dem Gesicht, sie sehen wie wichtig das Smartphone offensichtlich für Erwachsene ist“, beschrieb sie ihren Eindruck von der Situation in manchen Familien.

Früher standen Kindern ebenfalls Medien zur Verfügung, oftmals aber nicht in dem zeitlichen Rahmen wie es heute möglich ist. Beispielsweise war das Fernsehprogramm für Kinder noch vom Fernsehsender begrenzt. „Heute sind digitale Medien einfach immer präsenter“, wusste Grigat.

In diesem Zusammenhang riet sie, die eigene Nutzung des Smartphones oder anderer Geräte zu hinterfragen. „Die häufige Versunkenheit ins Smartphone kann es Eltern erschweren, eine sichere Basis für ihr Kind zu sein“, sagte sie. Kinder, die sich nicht wahrgenommen fühlen, weil die digitalen Medien wichtiger als sie erscheinen, könnten zum Beispiel in der Sprachentwicklung beeinträchtigt werden. Die kindlichen Bedürfnisse könnten leichter aus dem Blick und so in Konkurrenz zur Nutzung des Smartphones geraten.

Bildschirmzeit für Kinder zeitlich begrenzen

Für null- bis zweijährige Kinder seien Bildschirmmedien generell nicht zu empfehlen, riet Grigat. Denn das Gehirn sei für die schnellen Bildschnitte noch nicht entwickelt. „Insgesamt geht dem Kind Zeit für das Lernen, beispielsweise das Sprechen, verloren“, hält Grigat fest. Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sollten täglich nicht länger als 20 bis 30 Minuten vor einem Bildschirm verbringen. Zudem sollten die Eltern die Kinder am Bildschirm begleiten, um das Erlebte zu besprechen.

Als ein Positivbeispiel für Mediennutzung führt sie unter anderem das gemeinsame Fotografieren an: Smartphones und Tablets können heute auch als Fotoapparat genutzt werden. Die Eltern können mit ihren Kindern zum Beispiel gemeinsam entscheiden, welche Fotos ins Fotoalbum oder einen digitalen Bilderrahmen kommen und welche gelöscht werden.

Wimmelbuch statt Smartphone

Grigat möchte die digitalen Medien Kindern nicht verbieten, riet jedoch zu einem bewussten Umgang und stellt Bücher in den Vordergrund. „Vorlesen macht schlau“, unterstrich sie. Werde Kindern regelmäßig vorgelesen, würden sie in der Schule besser abschneiden, so das Ergebnis einer Vorlesestudie aus dem Jahr 2015. Kinderbücher würden unter anderem die soziale Kompetenz, den Wortschatz, das Wissen und die Kreativität fördern. Bilderbücher lassen sich ebenfalls auf Tablets anschauen und können so auch digital genutzt werden.

Sie empfahl Wimmelbücher, in denen es für Kinder viel zu entdecken gebe. Sie lud außerdem zu einem Besuch in die Mediathek mir ihrer großen Auswahl ein. Aber auch das Smartphone kann genutzt werden, denn über Anbieter im Internet, auf Apps oder bei Streamingdiensten könnten sich Kinder Geschichten anhören. „Das regt ihre Fantasie und ihre Kreativität an“, sagte Grigat.

Mit Apps Medienkompetenz und Bildung fördern

Vorlesegeschichten gibt es beispielsweise auf den Webseiten www.einfachvorlesen.de, www.wuselstunde.de oder auch mehrsprachig unter www.boabooks.ch. Die Welt der Geräusche kann unter anderem auf www.auditorix.de erlebt werden. Die Hörfunksendung „Ohrenbär – Hörgeschichten für Kinder“ wird als Podcast angeboten und kann die Zuhörfähigkeit fördern. Die KiKANiNCHEN-App von ARD und ZDF kann das kreative Gestalten und Musizieren näherbringen. Mit der Elefanten-App können Kinder zum Beispiel auch Programmieren lernen. Mit den Apps ChatterPix, Stop Motion Studio und Book-Creator können Familien gemeinsam Tonaufnahmen, Geschichten, Bücher und Filme gestalten. Eine weitere Empfehlung ist die Naturblick-App, mit der Pflanzen bestimmt werden können.

Wichtiger Appell an Eltern

„Eltern, macht euch medienfit!“, lautete die abschließende Botschaft von Grigat. Sie empfahl „Schau hin!-Medienkurse für Eltern“. Die Kurse sind kostenfrei und können zeitlich flexibel eingeteilt werden. Anmelden kann man sich direkt unter www.medienkurse-fuer-eltern.info. Hier lernen Erwachsene, Kinder im sicheren Umgang mit Smartphones, Fernseher, Apps und Messenger zu begleiten und auch, digitale Geräte mit Kindersicherungs-Apps auszurüsten.

Die Stadt Raunheim gibt im Flyer „Digitale Medien mit meinem Kind nutzen? – Ja, aber richtig!“ noch weitere Tipps mit an die Hand. Das Faltblatt ist im Rathaus erhältlich.