„Ich habe mir einen Lebenstraum erfüllt“, sagt Jeanette Potschien-Krzewitza zur Begrüßung ihrer Ausstellung im Raunheimer Bürgersaal. Die Künstlerin hatte am 6. und 7. Juni zu ihrer ersten Einzelausstellung eingeladen. „Es bedeutet mir sehr viel, in meiner Heimatstadt auszustellen. Hier kenne ich viele Menschen“, erklärt sie.
Krzewitza hat bisher bei Kunsthandwerksmärkten ihre Arbeiten vorgestellt, auch in Raunheim. Angefangen hatte sie seinerzeit mit Ölmalerei und Encaustic, einer antiken Form der Wachsmalerei. Inzwischen hat sie sich dem sogenannten Pouring, der Gießkunst, verschrieben. Neben rund 70 Bildern, die mittels dieser Technik entstanden sind, zeigte sie auch einige Schmuckstücke, die sie aus der überschüssigen Farbe gefertigt hat.
Von den Besucherinnen und Besuchern ihrer Ausstellung erhielt Potschien-Krzewitza viele positive Reaktionen. Die Künstlerin stand an beiden Tagen im Bürgersaal für Gespräche zur Verfügung, erklärte die Technik, sprach über ihre Inspiration und die verschiedenen Interpretationen der Motive. Denn die Ergebnisse der Gießkunst lassen durchaus Spielraum bei der persönlichen Wahrnehmung. Wo die einen eine Schildkröte erkennen, sehen andere vielleicht eine Knospe.
Beim Pouring wird Acrylfarbe aus einem Behälter auf die liegende Leinwand gegossen. Das Ergebnis sind dreidimensionale abstrakte Muster. Die Farbe kann dann mit verschiedenen Werkzeugen wie Ketten oder einem Föhn weiterbearbeitet werden. So entstehen faszinierende Strukturen.
Einen Namen verleiht Krzewitza ihrem jeweiligen Werk erst, wenn es vollendet ist und sie das Motiv für sich identifiziert hat. „Schattenblüte“, „Eiszeit“, „Lagune“ oder „Meeresströmung“ lauten beispielsweise die Titel. „Je länger man auf die Bilder schaut, desto mehr erkennt man“, weiß sie. Manchmal bleibt ein Bild aber auch ohne Namen.
Jeanette Potschien-Krzewitza zog im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern von Rohrbach/Büdingen nach Raunheim. Die heute 62-Jährige begann erst zum Jahrtausendwechsel mit der Malerei. „Ein Film über Bob Ross hat mich animiert“, erinnert sie sich.
Nach einer Phase der Ölmalerei widmete sie sich zunächst der Encaustic. Denn das Trocknen des Öls dauert lange, zudem war sie gerade Mutter geworden und wollte ihr Kind nicht dem Geruch des Öls aussetzen. Im Internet stieß sie schließlich auf die Pouring-Technik. „Die Vielfalt der Technik hat mich fasziniert“, begründete sie den Wechsel zur Gießkunst.
„Beim Malen schalte ich ab, da befinde ich mich in einer anderen Welt“, nennt sie die Antriebsfeder, sich immer wieder mit Farben und Motiven zu beschäftigen. „Ich konzentriere mich dann nur auf das Malen und bin nicht ansprechbar“, fügt sie hinzu. Manchmal ist sie auch nachts an der Leinwand aktiv. Wann sie richtig zufrieden mit einem Bild ist? „Eigentlich nie. Ich könnte immer noch etwas ändern.“
Weitere Einzelausstellungen sind bereits in Planung. Potschien-Krzewitza will sich deshalb um passende Ausstellungsorte bewerben und hofft auf entsprechende Angebote.