Hommage an Ehrenbürgermeister Günther Diehl: Am 13. Juni wurde der Garten der Verschwisterung am früheren Rathaus in der Mainzer Straße offiziell in Günther-Diehl-Platz umbenannt und ein Gedenkstein enthüllt.
Günther Diehl leitete von 1969 bis 1988 als Bürgermeister die Verwaltung und prägte in dieser Zeit maßgeblich die Entwicklung der Stadt. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement für die Städtepartnerschaften. Auf seine Initiative gehen die Partnerschaften mit Le Teil in Frankreich (1973) und Trofarello in Italien (1986) zurück.
Mit dem Ehrendenkmal und der Umbenennung des bisherigen Gartens der Verschwisterung in Günther-Diehl-Platz setzt die Stadt Raunheim einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung um, das Wirken des im Jahr 2024 verstorbenen Ehrenbürgermeisters zu würdigen, an sein Lebenswerk zu erinnern und sein Andenken zu bewahren.
Bei frühlingshaftem, sonnigem Wetter kamen Menschen aus Politik und Vereinswesen zusammen, um die offizielle Umbenennung des Platzes und die Einweihung des Gedenksteins gemeinsam zu feiern.
Mitarbeitende der Stadt hatten für eine festliche Atmosphäre sowie für Snacks und Getränke gesorgt. Bürgermeister David Rendel freute sich, Angehörige der Familie und viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter begrüßen zu dürfen. „Mit dieser Veranstaltung setzen wir ein sichtbares Zeichen der Erinnerung und der Wertschätzung für einen Menschen, der die Entwicklung unserer Stadt über viele Jahre hinweg maßgeblich geprägt hat“, erkannte er die Leistung Diehls an. Günther Diehl habe mit seinem Engagement und seiner Verbundenheit bleibende Spuren hinterlassen.
Diehl erblickte in der Taunusstraße in Raunheim das Licht der Welt. 1944 begann er eine Ausbildung bei der Raunheimer Gemeindeverwaltung. Im Anschluss wurde er in ein Angestelltenverhältnis übernommen. 1947 wurde er Mitglied des Ortsvereins der SPD, aus dem er aus persönlichen Gründen und wegen Unzufriedenheit mit der Bundespolitik 2007 austrat. 1955 wurde Diehl ehrenamtlicher Erster Stadtrat. In dieser Funktion forcierte er die Kanalisation und den Straßenbau in Raunheim.
1969 wurde er von der Stadtverordnetenversammlung erstmals zum Bürgermeister gewählt. In seiner Amtszeit wurden Gewerbe angesiedelt, die Infrastruktur der Stadt und die Kinderbetreuung ausgebaut, die Seniorenarbeit gefördert und die Volkshochschule gestärkt.
Er war Chronist des Heimatvereins, den er 1964 mitgegründet hatte, auch für die Gründung weiterer Vereine gab er wichtige Impulse.
1981 wurde Diehl für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft mit dem französischen Friedenspreis der Nationalversammlung in Paris ausgezeichnet. Für seine vielfältigen Verdienste zum Wohle der Stadt und für die Städtepartnerschaften erhielt er nach dem Ende seiner Amtszeit das Bundesverdienstkreuz.
„Dass dieser Platz heute den Namen Günther-Diehl-Platz erhält, ist mehr als eine Umbenennung. Es ist ein sichtbares Zeichen des Dankes und der Anerkennung für einen Mann, der Raunheim über Jahrzehnte hinweg geprägt hat, wie nur wenige andere“, würdigte Erster Stadtrat Cesare Dima Ehrenbürgermeister Diehl.
Dima hob besonders Diehls Leidenschaft für die Städtepartnerschaften mit Le Teil und Trofarello hervor. „Für Günther Diehl waren diese Partnerschaften nie bloße Urkunden oder formelle Vereinbarungen. Sie waren gelebte Freundschaft zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Nationen“, so der Erste Stadtrat. Er habe als Dolmetscher selbst erlebt, mit welcher Herzlichkeit, Offenheit und Überzeugung Günther Diehl auf Menschen zugegangen sei. Die Umbenennung des Platzes sei besonders passend, weil der Ort für Begegnung, Dialog und Freundschaft stehe. Die Werte, für die Diehl sein Leben lang eingetreten sei.
Stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher Fatih Güler betonte, dass Diehl durch die Spuren, die er in den Herzen der Menschen hinterlassen habe, Raunheim geprägt habe. Diehl sei kein Politiker am Schreibtisch gewesen, sondern einer auf Augenhöhe, der immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen in Raunheim gehabt habe. „Günther Diehl war ein Mann aus dem Volk – für das Volk“, unterstrich Güler.
Sein Blick sei über die Stadtgrenzen hinaus gegangen, weil ihm bewusst gewesen sei, dass die große Politik an der Basis beginne. Er habe mit den Städtepartnerschaften den Grundstein für bis heute bestehende Freundschaften gelegt.
Mit Schwiegersohn Frank Halbhuber, Ehemann von Diehls Tochter Andrea, ergriff auch ein Familienmitglied das Wort. „Wir sind stolz und dankbar für dieses ehrwürdige Denkmal“, sagte er. Es sei eine Bereicherung für das Stadtbild.
Die Dankbarkeit der Familie richte sich an die Stadtverordneten, den Magistrat und die Bevölkerung, die an der Einweihung teilnehme. Diehl sei nicht einfach der Bürgermeister gewesen, „er war halt der Raunheimer Bub, er war unsern Ginther“, erinnerte er an dessen Nähe zur Bevölkerung.
Er hob die starke Familie hervor, mit der er sich umgeben habe.
Den Platz am früheren Rathaus hält er für passend, habe Diehl doch hier gewirkt. Diehls Tochter Andrea Halbhuber empfand die Einweihung als sehr ergreifend. „Er hat es verdient“, sagte sie.
Dem Ehepaar Halbhuber wurde die Ehre zuteil, den Gedenkstein selbst zu enthüllen.
Wie ein Mitarbeiter des Fachdienstes Stadtplanung, Umwelt und Klimaschutz erklärte, handelt es sich bei dem Gestein um einen Diorit, einen grünen Naturstein, der sich durch seine besondere Härte und Widerstandsfähigkeit auszeichnet. Seine Fähigkeit, den Einwirkungen von Zeit und Witterung über viele Jahrzehnte standzuhalten, macht ihn zu einem Sinnbild für Beständigkeit und Verlässlichkeit. Die grüne Farbgebung des Diorits steht zugleich für Wachstum, Hoffnung und lebendige Entwicklung.
Die bisher im Boden eingebrachte Bronzeplatte wurde nun auf der Vorderseite des Steins eingefasst. Darauf werden die drei Bürgermeister, die seinerzeit für die Verschwisterung maßgeblich verantwortlich zeichneten – neben Günther Diehl aus Raunheim Paul Avon aus Le Teil und Amerigo Gardini aus Trofarello – gewürdigt. Die Rückseite dokumentiert die wichtigsten Stationen des Lebens von Günther Diehl.
Die Form der Raute entspricht dem auf dem Platz bereits präsenten Stein der Verschwisterung, wodurch die symmetrische Gestaltung des Platzes unterstrichen wird.
Der Chor der Pestalozzischule bildete den feierlichen Abschluss der Einweihung. Bei Salzgebäck, Brezeln und Getränken klang die Feier aus.