Aus dem Weltall war die Verwaltung mit Bürgermeister David Rendel an der Spitze auf den Rathausplatz gekommen. In silbernen Glitzeranzügen traten sie gemäß dem Motto „Raunheim im Weltall“ der Narrenschaft aus Carneval Club Raunheim, Prinzess-Margret-Garde und Flörsheimer Narren Club entgegen. Die Freunde vom gegenüberliegenden Mainufer unterstützen den Ansturm traditionell mit ihren Kanonen.
Bitterkalt war es am Sonntagvormittag. Aber die Minustemperaturen hielten die Närrinnen und Narren nicht vom Sturm des Verwaltungsgebäudes ab. Beide Seiten warfen geschliffene Worte in das verbale Gefecht. „Ihr Narren, haltet ein, bleibt stehen, so leicht wird das nicht hier gehen … Hier zählt noch Ordnung, klar und pur, mit Akten Stempeln und Struktur“, versuchte der Rathauschef, mit silbernem Haarschopf unschwer zu erkennen, den Anstürmenden Einhalt zu gebieten.
Birgit Preuß-Scheuerle, Björn Tietje und Frank Walloschek vom CCR ließen sich jedoch nicht einschüchtern. „Möge Frohsinn mit uns sein, in Raunheim, im All und überall daheim! Ob Mars, ob Mond, ob Sternenpracht, die Narren holen heut in Raunheim die Macht!“, versicherte Walloschek. Raumschiffkommandant Rendel hatte ein Einsehen: „Heut’ soll der Sieg wohl Euer sein. Denn ohne Lachen, Spaß und Quark, wär diese Stadt nur halb so stark!“. Mit einem dreifach donnernden Helau übergab er den siegreichen Korporationen den symbolischen Schlüssel für das Rathaus.
Im wunderbar kosmisch geschmückten Bürgersaal mit überdimensionaler Rakete startete mit der Sitzung des närrischen Rates der zweite Teil des Rathaussturms. Stärken durften sich alle Gäste in der Raumstation mit Leberkäsebrötchen und Kreppeln sowie Getränken, die von den Rathausmitarbeiterinnen und -mitarbeitern serviert wurden.
Vollständig abgegeben hatte Rendel nach närrischem Brauch die Macht im Rathaus gar nicht. Denn der Bürgermeister ist Vorsitzender des närrischen Rates. In dieser Funktion erinnerte er zunächst an den im Februar vergangenen Jahres verstorbenen Gründer des närrischen Rates, Walter Draisbach. „Eine prägende Persönlichkeit und eine echte Legende der Raunheimer Fastnacht“, würdigte der Vorsitzende sein Wirken.
Weiter ging’s mit Ehrungen von Menschen, die sich um die Raunheimer Fastnacht verdient gemacht haben und mit dem närrischen Orden ausgezeichnet werden sollten. „Menschen, ohne die unsere Raunheimer Fastnacht nicht das wäre, was sie heute ist“, unterstrich Rendel.
Geehrt wurden Jacqueline Dusenberg (PMG), Theresa Heinke (CCR) sowie Angelika Zuber (Stadtverwaltung). Dusenberg ist seit zehn Jahren Mitglied der PMG und inzwischen Vorsitzende. Sie tanzte in der Mädelsgarde, stand in der Bütt, führte im Vorstand Protokoll, half im Deko-Ausschuss und ist mit ihrem Mann Stefan bei den Sitzungen für die Musik verantwortlich.
Theresa Heinke stand bereits im Alter von fünf Jahren bei der Kindergarde das erste Mal auf der CCR-Bühne. Ihr Weg führte sie in das Teenager- und in das Hofballett. Sie war Gardesprecherin und ist aktuell Kassenwartin.
Angelika Zuber hatte sich viele Jahre im Vereinsring engagiert und war dort Schriftführerin. „Sie setzte sich immer für die Belange aller Raunheimer Vereine – und somit für PMG und CCR – ein“, betonte Rendel. Als Ehrenamtsbeauftragte bei der Stadt Raunheim hat sie immer ein offenes Ohr für die Vereine und die Mitglieder.
Nachdem die Orden angesteckt und die Urkunden verliehen worden waren, war Kokolores angesagt. „Ich eröffne den Tagesordnungspunkt närrische Anträge“, kündigte Rendel an. CCR, PMG und der Vorsitzende stellten einen irrwitzigen Antrag nach dem anderen, die mit viel Gelächter quittiert und mit dreifach donnerndem Helau angenommen wurden. Der CCR beantragte eine Brücke zwischen der Königsberger Straße und der Heinrich-Press-Halle, bei deren Betreten Karnevalsmusik erklingt, die Einrichtung einer Schunkelpause im Rathaus, die Teamgeist und Frohsinn unter den Mitarbeitenden fördere sowie das Ertönen des Narrhalla-Marsches beim Ziehen der Wartemarke im Rathaus während der Fastnachtszeit.
Die Umbenennung der städtischen Kitas nach Faschings- oder Narrenliedern forderte die PMG. So solle die Kita Schatzkiste zur Kita Rucki Zucki werden, die Kita Drachenland zur Kita Polonaise Blankenese. Außerdem soll die Stadt eine Faschingsparty für alle Kinder der Stadt organisieren. Die Stadtverwaltung will die überschüssige Feier-Energie der Närrinnen und Narren ins Nahwärmenetz einspeisen, um den Bedarf von Rechenzentrumsabwärme um mindestens eine Polonaise pro Stunde zu reduzieren. Und sie schlägt vor, das Stimmergebnis derjenigen Kandidatinnen und Kanditen bei der Kommunalwahl automatisch zu verdoppeln, die ein echtes Herz für die Raunheimer Fastnacht zeigen.
„Diese Sitzung war der kontrollierte Start – und was jetzt folgt, ist der freie Flug durch die närrische Galaxie“, kündigte Rendel das Ende des Meetings des närrischen Rates an. Die Umlaufbahn war erreicht und die Party konnte beginnen. „Ich übergebe das Kommando an DJ Chico, der uns jetzt musikalisch durch das närrische Weltall begleiten wird“, schloss der Vorsitzende.