Titel Logo
Raunheim aktuell
Ausgabe 4/2026
Amtlicher Teil
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Fluglärmsituation und geplante Änderungen im Flugbetrieb: Auswirkungen auf Raunheim

Bericht von Bürgermeister David Rendel aus der Fluglärmkommission

Fast das gesamte Raunheimer Stadtgebiet liegt innerhalb der Tagschutzzone 1 des Flughafens Frankfurt und damit im Hochbetroffenengebiet. Noch weiter reichen sowohl die Nachtschutzzone als auch die Tagschutzzone 2. Entsprechend gibt es im Rhein Main Gebiet kaum eine Kommune mit vergleichbar hohen Messwerten an Fluglärm-Messstationen.

Die größte Lärmbelastung hat Raunheim aufgrund der direkten Überflüge der Anflüge auf die Südbahn und auf die Centerbahn bei Betriebsrichtung 07 (Ostbetrieb). Besonders schwere und laute Flugzeuge dürfen nicht auf der Landebahn Nordwest landen, sondern müssen die Südbahn anfliegen.

Bei Betriebsrichtung 25 (Westbetrieb) liegt Raunheim zwischen der Südumfliegung und den Nordwest-Abflugstrecken. Das besiedelte Gebiet wird dabei nicht direkt überflogen. Zwar verläuft die Südumfliegung etwas näher am Stadtgebiet. Diese Lage darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden, da Bürgerinnen und Bürger im Nordosten Raunheims stärker von den Nordwest-Abflügen betroffen sind und diese dort ebenfalls deutlich gehört werden.

Planungen für geändertes Betriebskonzept von Fraport und DFS

Am 3. Juni 2025 stellten die Fraport AG und die Deutsche Flugsicherung (DFS) einen Entwurf für ein angepasstes Betriebskonzept vor. Dieses sieht vor, dass im Westbetrieb ab einem Koordinierungseckwert von 110 Flugbewegungen pro Stunde (derzeit 104 + 2) die Abflugstrecken der Landebahn Nordwest deutlich häufiger genutzt werden sollen. Die Südumfliegung soll dagegen künftig überwiegend nur noch bei geringem Verkehrsaufkommen zum Einsatz kommen.

Hintergrund dieser Überlegungen ist, dass über die Südumfliegung – anders als im Rahmen des Flughafen-Ausbauverfahrens angenommen – nur eine geringere Anzahl an Flugbewegungen abgewickelt werden kann. Um auch bei höherem Verkehrsaufkommen den Verkehr abwickeln zu können, beabsichtigen Fraport und DFS daher, das RoutenNutzungskonzept anzupassen.

Auswirkungen auf Raunheim

Nach derzeitigem Kenntnisstand würde die stärkere Nutzung der Nordwest-Abflugstrecken im Westbetrieb für das Stadtgebiet von Raunheim insgesamt nicht zu einer zusätzlichen Lärmbelastung, sondern eher zu einer leichten Entlastung führen. Denn die Nordwest-Abflugrouten verlaufen im Vergleich zur Südumfliegung etwas weiter vom Besiedlungsgebiet entfernt.

Gleichwohl bleibt Raunheim eine Kommune mit sehr hoher Fluglärmbelastung im unmittelbaren Nahbereich des Flughafens.

Einordnung und Position aus kommunaler Sicht

„Für Raunheim bleibt es mein zentrales Anliegen, Doppelbelastungen im absoluten Nahbereich des Flughafens zu vermeiden und die im Rahmen des Flughafenausbaus gegebenen Schutzversprechen einzuhalten“, erklärt Bürgermeister David Rendel. Er betont, dass diese im Ausbauverfahren zugrunde gelegte Prämisse auch künftig maßgeblich sein müsse. Dabei unterstreicht er ausdrücklich die Solidarität Raunheims mit anderen stark betroffenen Kommunen im Nahbereich des Flughafens.

Mit Blick auf die vorgesehene stärkere Nutzung der Nordwest-Abflugstrecken weist Rendel darauf hin, dass eine deutliche Abweichung von den im Ausbauverfahren angenommenen Anteilen – dort waren rund 1,5 Prozent vorgesehen – grundlegende Annahmen der damaligen Raumverträglichkeits- und Abwägungsentscheidungen in Frage stellen könne. „Raunheim erwartet daher, dass die Grundlagen des Planfeststellungsbeschlusses respektiert und nicht einseitig zu Lasten des höchstbetroffenen Nahbereichs geändert werden. Zugleich muss alles darangesetzt werden, eine solche Doppelbelastung auch für das höchstbelastete Raunheim zu vermeiden,“ macht der Rathauschef deutlich.

Insbesondere sei sicherzustellen, dass das „Überschießen“, also mögliche Abweichungen im Kurvenverlauf, auf der Südumfliegung so gering wie möglich gehalten werde und die Flugroute nicht weiter an das besiedelte Stadtgebiet heranrücke.

Weiteres Vorgehen in der Fluglärmkommission

Zur weiteren Bewertung des geplanten Betriebskonzepts wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Fluglärmkommission mit dem Hessischen Verkehrsministerium, der Fraport AG und der DFS eingerichtet. In diesem Rahmen sollen verschiedene Umsetzungsoptionen aus Lärmschutzsicht analysiert und miteinander verglichen werden.

Zudem ist vorgesehen, für einen möglichen Übergangszeitraum zu prüfen, wie das im Planfeststellungsbeschluss zugrunde gelegte Betriebskonzept bis zu einer etwaigen Änderung besser umgesetzt werden kann.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen voraussichtlich im zweiten Quartal ausführlich in der Fluglärmkommission beraten werden. Als Vorstandsmitglied der Kommission wird Bürgermeister David Rendel die Interessen der Stadt Raunheim auch weiterhin engagiert in den Beratungsprozess einbringen.