Einen Vertrag abschließen klingt auf den ersten Blick ganz einfach. Dass hinter einem Vertragswerk indessen mehr steckt, darüber informierte am Freitag, 27. März, Kerstin Gärtner, Koordinatorin im Projekt „Verbraucherkompetenz für Flüchtlinge“ der Verbraucherzentrale Hessen. Sie war mit ihrem Vortrag „Gewusst wie – Fit für den Konsumalltag“ auf Einladung des Flüchtlingsbetreuers Jens Grode nach Raunheim gekommen und informierte über wissenswerte Aspekte eines Vertragsabschlusses. „Ich glaube, das ist sehr wichtig“, betonte Grode gegenüber den Anwesenden.
Magistratsmitglied Ekkehard Jehle vertrat den verhinderten Bürgermeister David Rendel. Auch Grode begrüßte das Interesse aus der Kommunalpolitik. Beide hoben hervor, dass Kenntnisse zu Verträgen im Alltag hilfreich sind.
Auf der Agenda des umfassenden Vortrages standen die Punkte Verträge, Widerruf/Kündigung/Umtausch, Inkasso, Schufa, Energie im Haushalt und private Haftpflichtversicherung.
„Wir müssen uns immer genau den Inhalt eines Vertrages anschauen“, begann die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale. Es gebe viele Formen von Verträgen: etwa Internetverträge, Fitnessstudio-Mitgliedschaften, Online-Bestellungen, Mietverträge oder den Kauf einer Konzertkarte. Wichtige Punkte seien Kosten, Gegenleistung und Laufzeit. Erst wenn diese Informationen vorliegen, sollte entscheiden werden, ob ein Vertrag unterschrieben oder nach einem besseren Angebot gesucht wird.
Verträge werden nicht ausschließlich mit einer Unterschrift rechtskräftig. Sie können auch mündlich, wortlos mit Handschlag, am Telefon oder im Internet abgeschlossen werden. Die Laufzeiten sind unterschiedlich, viele Verträge verlängern sich automatisch, wenn sie nicht fristgerecht gekündigt werden. Eine Erinnerung kann helfen, den Termin nicht zu verpassen.
Bei Vertragsabschlüssen am Telefon, an der Haustür oder online besteht in der Regel ein vierzehntägiges Widerrufsrecht. Der Kauf kann in dieser Zeit rückgängig gemacht werden. Beim Einkauf im Laden gibt es dieses Recht nicht. Hier entscheiden die Verkäufer, ob und zu welchen Bedingungen Ware zurückgenommen wird.
Zudem wies Gärtner auf Verbraucherfallen hin, etwa versteckte Kosten bei Mobilfunkverträgen oder Probemitgliedschaften. Sie riet, Angebote zu vergleichen und die tatsächlichen Kosten zu berechnen.
Im Weiteren informierte die Fachfrau über Inkasso-Büros und die Schufa. Ein Inkasso-Büro zieht im Auftrag von Gläubigern offene Geldforderungen wie z.B. nicht bezahlte Rechnungen ein. Die Schufa ist eine private Auskunftei, die Daten zur Kreditwürdigkeit von Personen und Unternehmen sammelt.
Bei Strom, Heizung und Wasser müssen häufig Abschlagszahlungen im Voraus geleistet werden. Diese sind keine Flatrate für unbegrenzte Nutzung. Mit der Schlussrechnung können Nachzahlungen entstehen. „Dieses Geld sollen die Kunden dann auf einmal bezahlen, das macht häufig Probleme“, erklärte Gärtner. Sie empfahl, in solchen Fällen um Ratenzahlung zu bitten und Angebote anderer Anbieter zu prüfen.
Zum Abschluss sprach Gärtner über wichtige Versicherungen. „Es gibt drei Versicherungen, die jeder haben sollte: Krankenversicherung, Kfz-Versicherung und private Haftpflichtversicherung.“ Die Krankenversicherung ist für die meisten Menschen Pflicht, die Kfz-Versicherung für Autohalter ebenfalls. Die private Haftpflichtversicherung ist freiwillig, übernimmt aber Kosten bei fahrlässig verursachten Schäden.
„Die Verbraucherzentrale hilft Menschen, ihre Rechte als Verbraucher zu verstehen“, lud Gärtner die Anwesenden ein, bei Problemen Rat zu suchen. Für Geflüchtete, die weniger als drei Jahre in Deutschland leben, ist die Beratung kostenlos. Bei Bedarf können auch Dolmetscher gebucht werden. Die Verbraucherzentrale in Rüsselsheim befindet sich in der Marktstraße 29. Telefonisch ist sie unter der Rufnummer 06142/63268 zu erreichen. Ansprechpartner und Kontakte findet man unter der Internetadresse: https://www.verbraucherzentrale-hessen.de/beratungsstellen/ruesselsheim.