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Bitburg-Stadt
Ausgabe 10/2019
Nachrichten und Mitteilungen der Stadt Bitburg
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Aus dem Stadtarchiv

War in früheren Zeiten wirklich alles besser?

Wir sprechen heute gerne von der „guten alten Zeit“. Aber wer aufmerksam den Bericht des Landrats Sprenger von 1862 liest, stößt auf Textstellen, die nachdenklich stimmen. Er berichtete: „Wenn auch der Kreis im großen und ganzen genommen als ein Ackerbautreibender als ziemlich wohlhabender bezeichnet werden muss, so lebt doch neben der Mehrheit von selbständigen Bewohnern eine große Anzahl solcher Personen, die von ihrem geringen Besitztum nicht selbständig zu existieren vermögen und auf den Verdienst als Handarbeiter im Tagelohn bei wohlhabenden Grundbesitzern oder bei Weg- und Bahnbauarbeiten im In- und Auslande angewiesen sind. Der tägliche Lohn eines Handarbeiters kann auf durchschnittlich 5 - 6 Silbergroschen neben freier Beköstigung angenommen werden, so dass bei einer Arbeitszeit von 8 – 9 Monaten cirka 50 Taler Verdienst gerechnet werden können.“ Der Landrat rechnete weiter vor, dass eine Familie mit drei Kindern im Jahr für Kleidung und Lebensmittel rund 60 Taler benötigte. Er ging weiterhin davon aus, dass jede Tagelöhnerfamilie ein eigenes „kleines Wohnhäuschen“ besitze. Wenn das nicht der Fall sei, so müsse noch eine jährliche Miete von rund 30 Talern hinzugerechnet werden.

Wie sollte eine Familie in dieser „guten alten Zeit“ überleben, wenn sie – wie damals nicht selten, - fünf oder mehr Kinder hatte? Ein Überleben war nur möglich, wenn alle, auch die Kinder, dazu beitrugen, etwas zu verdienen: So waren manche Leute dankbar, wenn ihre Kinder durch das Hüten von Kühen zumindest ihr Essen selbst verdienten.

Einen Ausweg aus der finanziellen „Schieflage“ zeigte Landrat Sprenger nicht auf.

P.N.