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Bitburg-Stadt
Ausgabe 13/2019
Nachrichten und Mitteilungen der Stadt Bitburg
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Aus dem Stadtarchiv

In Bitburg wusste man 1869 wenig oder nichts über „Potographie“

Im Februar 1868 stellte sich ein gewisser Paul Andreas Anspach bei Bürgermeister Prim vor. Er behauptete, dass er die Kunst der „Potographie“ beherrsche und dass er sie in der Stadt auszuüben wolle. Offenbar wussten weder der Bürgermeister noch die wenigsten Stadtratmitglieder, was „Potographie“ war. In seiner Sitzung am 2. März 1869 beriet der Stadtrat und fasste folgenden Beschluss:

„Auf das Gesuch des Potographen Paul Andreas Anspaden um Überlassung eines Raumes im Stadthausgarten behufs Aufstellung eines Apparates zu Potographierung ist Petent (= Anspach) abschlägig zu bescheiden, da der Platz anderweitige Bestimmungen hat.“

Anspach nennt sich zwar „Potograph“, aber eindeutig handelt es sich bei ihm um einen Photographen/Fotografen, der nach Bitburg kam und der Land und Leute ablichten wollte. Trotz des abschlägigen Bescheides blieb er zumindest für einige Zeit in unserer Stadt, hier heiratete er 1869 Elisabeth Gerlach, die aus Wetzlar stammte. Anspach selbst stammte aus St. Wendel, noch 1871 ist er in Bitburg nachweisbar, er nannte sich nun zwar Photograph, aber er war gleichzeitig Buchbinder. Wo und wann er starb, ist in Bitburg nicht feststellbar. In einem Verzeichnis aller Fotografen Mitteleuropas von 1866 fehlt sein Name. Ob er trotz der Schwierigkeiten, die man ihm machte, das alte Stadthaus und die Liebfrauenkirche als Hintergrund für einige Aufnahmen wählte, ist leider unbekannt. Mit Bedauern stellen wir heute fest, dass der Bitburger Stadtrat nicht erkannte, welche Bedeutung - vor allem für die Nachwelt - die damals neue Kunst des Fotografierens hatte.!

Die Kunst des Photographierens hatte seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung gewonnen. Erste Photographien der Stadt besitzen wir von Joseph Lemling, dessen Vater aus Sülm stammte und der bereits kurz vor 1860 erste Aufnahmen von Bitburg und Prüm machte.

P.N.