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Bitburg-Stadt
Ausgabe 21/2020
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Neue Gedenkstele am Markt enthüllt

Bürgermeister Joachim Kandels enthüllte die Gedenkstele

und legte einen Kranz nieder (re.).

Auf dem neu gestalteten Platz „Am Markt“ stehen die Funktionen Erinnerung und Dokumentation im Vordergrund. Am 8. Mai wurde die Stele zum Gedenken an die Opfer der jüdischen Gemeinde Bitburgs von Bürgermeister Joachim Kandels enthüllt. Eine offizielle Einweihung ist für den 9. November 2020 geplant, am Gedenktag an die Reichspogromnacht 1938.

Im Februar 2017 fasste der Stadtrat den Beschluss, eine zentrale Gedenkstelle an die jüdische Gemeinde Bitburgs zu schaffen. Nach intensiven Diskussionen unterbreitete der Arbeitskreis Gedenken dem Stadtrat den Vorschlag, eine Stele als Mahnmal auf dem Platz „Am Markt“ aufzustellen.

Erarbeitet wurde der Entwurf mit dem Titel „Der Riss“ vom Wittlicher Künstler Sebastian Langner. Das Kunstwerk besteht aus einem 9,50 Meter langen und ca. 30 cm breiten, in den Boden eingesenkten Bronzeband mit der plastischen Darstellung eines Risses. Das Bronzeband erhebt sich am Ende aus dem Boden und wird zu einer ca. 1,50 Meter hohen Stele. Der Platz rund um die Stele wird durch eine zweifarbige Pflasterung eingegrenzt.

Laut Künstler Langner steht der Riss für eine nicht verheilte Narbe oder Wunde, das Quälende, das im Unterbewusstsein Eingetragene oder auch die beunruhigende Tektonik des Bodens, auf dem wir stehen.

Der Riss setzt sich fort bis ins Stelenteil, wo die Namen der Opfer eingetragen sind. In der Stele angedeutet ist auch eine Menora, der siebenarmige Leuchter, als Symbol des jüdischen Glaubens. Auf der Rückseite wird der Prophet Jesaja zitiert: „Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“ Darunter steht die Widmung „Den jüdischen Mitbürgern Bitburgs zum Gedenken."

Am Riss entlang ist die systematische Vernichtung der Juden mit den Begriffen „verachtet – diffamiert …“ bis hin zu „deportiert – ermordet“ zu lesen. Der „Riss“ weist in Richtung Standort der ehemaligen Bitburger Synagoge.

Der Standort des Mahnmals am Markt ist bewusst gewählt. Hier wohnten in der Nachbarschaft etliche jüdische Familien in Sichtweite der ehemaligen Synagoge.

Eine offizielle Einweihung war für den 8. Mai 2020 geplant, konnte aber wegen der Corona-Pandemie leider nicht durchgeführt werden. Deshalb erfolgte nun lediglich eine Enthüllung im Beisein des Künstlers, des Vorsitzenden der Dr. Hanns-Simon-Stiftung, Dr. Michael Dietzsch, sowie Werner Pies und Dr. Peter Neu vom Arbeitskreis Gedenken. Dazu Bürgermeister Joachim Kandels: „Wir haben lange gerungen, ob wir unter diesen Umständen die Stele enthüllen sollen. Letztlich möchten wir gerade am 8. Mai auch in Bitburg ein Zeichen setzen und zur Erinnerung an unsere einstigen Mitbürger, die durch die NS-Herrschaft ihr Leben verloren, nur weil sie jüdischen Glaubens waren, diese Stele enthüllen. Gleichzeitig wollen wir heute aber auch an alle Opfer des zweiten Weltkrieges erinnern, an die vielen Menschen, die auch in unserer Stadt durch die verheerenden Bombenangriffe ihr Leben verloren haben. Ihnen hat die Stadt Bitburg bereits in der zweiten Hälfte der 80er Jahre zwischen dem Friedhof Kolmeshöhe und dem Ehrenfriedhof ein Denkmal des Bitburger Künstlers Albert Hettinger gewidmet.

Ihnen zu Ehren möchte ich heute stellvertretend für den Stadtrat und die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt einen Blumenkranz niederlegen.“

Die offizielle Einweihung der Stele findet nun am 9. November 2020 statt, dem Gedenktag an die Reichspogromnacht 1938, zu der dann die Bevölkerung und die Bitburger Schülerinnen und Schüler eingeladen werden.