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Bitburg-Stadt
Ausgabe 30/2019
Nachrichten und Mitteilungen der Stadt Bitburg
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Aus dem Stadtarchiv

Als Stadtschreiber und Schultheiß Birthon aus Bitburg den Matzenern fremde Soldaten auf den Hals schickte

Die Einwohner von Matzen hatten es in der beginnenden Neuzeit schwer, weil sie verschiedenen Grund- und Zehntherren Abgaben liefern sollten. Zu den Grundherren gehörte seit ältesten Zeiten die Trierer Abtei St. Maximin. – Im Jahre 1664 erschien in Matzen ein Mönch der Trierer Abtei und machte den Bauern den Vorwurf, die Abgaben seien in den letzten Jahren nicht richtig geliefert worden. Theis Sonnen verteidigte die Gemeinde und geriet mit dem Mönch in heftigen Streit. Der Klostermann reiste schließlich „nach allerhand erfolgter Disputation und ausgestoßener Drohworte“ ab. Aber schon zwei Tage später kam er wieder – diesmal aber nicht allein, sondern „mit einigen bey sich habenden Soldaten von den Croaten, darvon einer Martin, der Serjanter genannt, und mit gewappneter Hand haben ihme, Sonnen Theyssen, aus den in dem Wiedenhoff gethanen Fruchten nicht allein 8 Garben, so allbereit gebunden gewesen, alle zerrißen, zerrupft und in das Feld gestreuet und verderbt, sondern den Rest mit Gewalt weggenohmen und ihnen, Theys, bedrowet, ihm alles das Seinige zu zwingen.“ – In Matzen stellte man schnell fest, woher die fremden Soldaten kamen und wer sie geschickt hatte. Der Bitburger Bürger Johann Anton Birthon, Maximiner Schultheiß in der Stadt, der zugleich Luxemburger Unterpropst und Stadtschreiber war, hatte die Mannschaft angeworben. Der Mönch, der im Zorn Matzen verlassen hatte, hatte sich an Schultheiß Birthon gewandt, der dann die Soldaten für kurze Zeit „in Dienst stellte“ und sie nach Matzen sandte, um die Einwohner „zur Raison zu bringen“. Das Beispiel zeigt, dass auch 20 Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges fremde Soldaten im Land umher streiften und dass Willkür und Gewalt herrschten. Leidtragende waren – wie fast immer – die Bauern in den Dörfern.

P.N.