Titel Logo
Bitburg-Stadt
Ausgabe 36/2019
Nachrichten und Mitteilungen der Stadt Bitburg
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Aus dem Stadtarchiv

Ein Feldwebel - erster und einziger „Musikdirektor“ in Bitburg

Der älteste bekannte Verein unserer Stadt, der sich um die Pflege der Musik kümmerte, ist zweifellos der 1842 bereits gegründete Männergesangverein. Ein Verein aber braucht guten Nachwuchs. Genau 15 Jahre später – 1857 - befasste sich sogar der Stadtrat mit diesem Thema. Ein „Feldwebel Goeb“ wurde auf Beschluss des Stadtrates gebeten, zunächst für ein Jahr „Gesangunterricht“ an der Schule zu erteilen. Angeblich waren die Lehrer nicht in der Lage, Musik zu unterrichten. Bei der vorgesetzten Schulbehörde, also der Bezirksregierung, wollte man für Goeb die notwendige Erlaubnis einholen.

Offenbar wurde die Erlaubnis erteilt, denn der Soldat wirkte einige Jahre als „Musiklehrer“. Goeb gründete sogar einen „Musikverein“, schon drei Jahre später – im März 1860 – wandten sich die „Ehrenmitglieder des hiesigen Musikvereins“ an den Stadtrat. Sie baten darum, dem Feldwebel Goeb die Stelle eines „Musikdirektors“ zu übertragen und ihm eine „Renumeration“, also eine finanzielle Entschädigung, zu zahlen. Nur mit knapper Mehrheit von 6 : 5 Stimmen nahm der Stadtrat diesen Vorschlag an. Allerdings hatten die Stadtväter einen Vorbehalt: Goeb solle „sich erklären, welche Vortheile er geneigt sei für die ihm zu gewährende Renumeration der Gemeinde gegenüber zu bieten.“ Hiernach würde sich die Höhe der Entschädigung richten, die die Stadt ihm zahlen wolle. Offenbar kam es – das zeigt schon das knappe Abstimmungsergebnis – zu einigen Problemen und vielleicht auch Streitigkeiten, denn zwei Monate später – im Mai 1860 - verließ Goeb die Stadt in Richtung Aachen. Bitburgs „Musikdirektorposten“ ging verloren, danach gab es diesen klangvollen Titel nie mehr in unserer Stadt. In der Aachener Musikszene scheint Goeb - nach Auskunft des Aachener Stadtarchivs - keine Rolle gespielt zu haben.

P.N.