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Bitburg-Stadt
Ausgabe 45/2018
Nachrichten und Mitteilungen der Stadt Bitburg
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Aus dem Stadtarchiv - „Bei brennender Kerze versteigert“

Der Verkauf des Brauhauses Leisen in der Ludesgasse

Die Familie Leisen hatte Anfang des 19. Jahrhunderts eine Reihe geschäftstüchtiger Leute aufzuweisen: Gerber, Bäcker, Brauer, Seiler. Sie waren in Bitburg zu Vermögen gekommen und betrieben sogar zeitweise eine eigene kleine Brauerei, die zuletzt in der Ludesgasse stand. Ein „Brauhaus“ war damals meist gleichzeitig eine Gastwirtschaft. Der Bitburger Bäckermeister Philipp Leisen und seine Ehefrau Anna Gertrud Flügel betrieben dieses Brau- und Gasthaus. Beide aber starben jung 1815/1816. Sie hinterließen bei ihrem Tod drei unverheiratete Töchter. Sie waren gemeinsam die Erben des „Brauhaus am Eingang der Ludesgasse zur Hauptstraße“ und eines großen Wohnhauses in der Hauptstraße. Das Wohnhaus hatte damals die Hausnummer 200.

Offensichtlich konnte die Familie sich nach dem Tod der Bäckersleute nicht über das Erbe verständigen. Etwa 10 Jahre nach dem Tod der Eltern beschloss man, den Grundbesitz zu verkaufen. Damals waren bereits zwei Töchter verheiratet, die Interessen der unverheirateten Magdalena Leisen (*1808 ) nahm ihr Verwandter Anton Leisen wahr, der als „Kleinhändler“ in der Stadt lebte. Er ließ „durch zweimaligen Trommelschlag“ in der Stadt bekannt machen, dass das Brauhaus Leisen am Eingang der Ludesgasse auf 2 Jahre zu pachten sei. Zum Brauhaus gehörten 2 Gärten, die am Haus lagen, und weitere kleine Gärten in Stadtnähe („In Schlacken“, „Auf dem Graben“, „Am Karenweg“ und „Am Kirchhof“). Die Versteigerung fand am 12. März 1827 vor Notar Nels statt, aber kein Interessent wollte das Brauhaus pachten. - Daraufhin beschloss die Familie, Brauhaus und Wohnhaus zu verkaufen. Ein neuer Termin wurde von Notar Nels anberaumt. Vorher hatte man den Wert des Brauhauses mit 400 Talern, den des Wohnhauses mit 860 Talern ermittelt. Wie damals üblich, fand die Versteigerung „bei brennender Kerze“ statt. Beim Zuschlag wurde die Kerze als Zeichen des Vertragsabschlusses gelöscht. Aber die Versteigerung sollte länger dauern, denn zunächst fand sich kein Käufer. Erst nach „drei Lichtern“ erklärte schließlich Heinrich Scholer, das Gebäude in der Ludesgasse für die festgesetzten 400 Taler zu übernehmen. Scholer war mit Katharina Leisen, einer Tochter des Bäckers Ph. Leisen, verheiratet. Der Käufer Scholer erscheint danach als „Gastwirt und Kolonialwarenhändler in Bitburg“. Er führte in der Ludesgasse das Elternhaus seiner Frau als „Gasthaus“.

P.N.