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Bitburg-Stadt
Ausgabe 48/2020
Nachrichten und Mitteilungen der Stadt Bitburg
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Aus dem Stadtarchiv

In den USA wurde Geld für den Wiederaufbau des Waisenhauses gesammelt!

Sergeant M. Cross war auf dem Flugplatz die treibende Kraft für den Wiederaufbau des Waisenhauses. Der Sergeant sammelte in den USA, er sammelte auf dem Flugplatz Bitburg, er sammelte auf den Flugplätzen Spangdahlem und sogar Trier-Euren für den Wiederaufbau. Er kümmerte sich darum, dass in der Bitburger Flugplatzzeitung „Sky Blazer“ nicht nur Bilder des zerstörten Gebäudes gedruckt wurden, er organisierte auch Veranstaltungen, auf denen Gelder zusammenkamen: Tanztees, Tombolas, Offiziersfeiern. So feierten die Offiziere des Flugplatzes am 2. Juli 1955 im Hotel Eifelbräu ein großes „Wohltätigkeitsfest“, der Erlös war für den Wiederaufbau des Waisenhauses. Bei Tanzveranstaltungen auf der Base Bitburg und in Spangdahlem kamen im Laufe des Jahres 1955 erhebliche Beträge zusammen. Der Trierer Volksfreund titelte am 13. Juni 1955: „Das ist die Rettung des Bitburger Waisenhauses“. Der Bitburger Stadtrat beschloss im selben Monat, „den Herren Sergeant Cross und Piero Montel, die eine ansehnliche Menge Dollars gesammelt“ hätten, „die besondere Anerkennung der Stadtverwaltung zum Ausdruck zu bringen“. Ob es nur bei salbungsvollen Worten blieb, ist unbekannt. Große Geschenke konnte die hochverschuldete Stadt sich damals nicht leisten.

Wer aber war Montel? Piero Montel war der Chef des „Automobile Distributing and Financing Service to the U.S. Forces in Germany and France“. Er war „Italo-Amerikaner“, sein ständiger Wohnsitz war Triest. Häufig weilte er in unserer Stadt und wohnte dann im Hotel Eifelbräu, er gehörte nicht zur Army. Er leitete eine Gesellschaft, die sich darum kümmerte, dass die Amerikaner schon Anfang der 50er Jahre mit großen Straßenkreuzern auf den engen Straßen der Eifel aufkreuzen und mächtig Eindruck schinden konnten. - Neben Sergeant Cross war Montel einer der Hauptakteure bei der Geldsammelaktion.

Im Juli 1955 bildete sich ein „Komitee“ zur Rettung des Waisenhauses. Ihm gehörten neben Amerikanern auch Deutsche an, auch der Kommandant des Flugplatzes wurde als Mitglied gewonnen. Das Komitee organisierte im August 1955 ein „Wohltätigkeitsfest mit großem Tanzkonzert“ in der „Eifelhalle Bitburg“. Cross selbst fuhr im selben Monat zusammen mit dem Architekten Braun, der die Pläne für den Wiederaufbau erstellte, zur Bezirksregierung Trier, um auch dort zu zeigen, wie engagiert die Amerikaner sich um den Wiederaufbau kümmerten. - Es ist erstaunlich, dass selbst am Flugplatz Spangdahlem im Spätsommer 1955 ein Leutnant Old mit einem aus GIs zusammengesetzten Orchester eine Tanzveranstaltung für den Wiederaufbau des Waisenhauses organsierte. Colonel O Leary, der vorher auf dem Flugplatz Bitburg stationiert gewesen war, sammelte zur selben Zeit Geld in den Staaten für das Bitburger Waisenhaus. Es sind alles Persönlichkeiten, die heute leider in Vergessenheit geraten sind. Es ist auch nicht bekannt, ob einer von ihnen nach seiner Dienstzeit nach Bitburg zurückkam, um zu sehen, was aus dem zerstörten Schlösschen wurde.

P.N.