Titel Logo
Bitburg-Stadt
Ausgabe 50/2020
Nachrichten und Mitteilungen der Stadt Bitburg
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Aus dem Stadtarchiv

Freiherr von Blochhausen und Bitburgs Bürgermeister waren nicht immer Freunde

Seit dem Jahre 1731 waren die Herren von Blochhausen in Bitburg ansässig. Sie waren in der Lütticher Eisenindustrie zu Geld und Ansehen gekommen. Warum sie das Maastal verließen, ist nicht überliefert. In Bitburg bezogen sie die alte Enschringer Burg am Burgweg, der heutigen Kölner Straße. Sie durften den Titel eines „Herrn der Stadt und Herrschaft Bitburg“ führen. Vielleicht war ihre Behausung um 1750 erheblich renovierungsbedürftig. Deshalb begannen sie Mitte des Jahrhunderts mit der Planung eines Neubaus: Das kleine Barockschloss entstand, bei dem man von der ehemaligen Verteidigungsfunktion nichts mehr erkennen sollte. Die Wassergräben, die einst als Schutz dienten, wurden kleine Fischteiche, der Zugang zur alten Römerstraße wurde nicht mehr versperrt, wie es bis dahin offenbar gewesen war,

Vermutlich war der junge Freiherr Franz Joseph von Blochhausen damit beschäftigt, seine neue Behausung zu planen, jedenfalls war er in erhebliche Zeitnot, als er am Fest Maria Lichtmess (2. Februar) 1759 zu einem wichtigen Termin in die Liebfrauenkirche eilte. Der neue Bürgermeister Helm sollte eingeführt werden. Friedrich Wilhelm Helm. war ein angesehener Mann, der gleichzeitig als Notar in Bitburg wirkte. Wahrscheinlich war Helm auch bereits in früheren Jahren Bürgermeister der Stadt gewesen. Die versammelte Gemeinde wartete am 2. Februar in der Kirche, aber der Freiherr kam nicht. Niemand wusste, warum er ausblieb. Deshalb beschlossen Pfarrer Pidoll und Notar Helm, die Einführung ohne den Freiherrn vorzunehmen. Nach alter Sitte las der neue Bürgermeister den Eid laut und deutlich vor. Nachdem die Amtseinführung abgeschlossen war und als Helm und die Leute sich anschickten, die Kirche zu verlassen, erschien der junge, erst 25 Jahre alte Freiherr.

Welche Szene er vor der Kirche machte, ist nicht überliefert. Allerdings erhob er umgehend Klage vor dem Luxemburger Provinzialrat: Die Einführung des Bitburger Bürgermeisters sei unwirksam, weil er als Stadtherr nicht zugegen gewesen sei. Helm müsse zu 100 Goldgulden Strafe verurteilt werden, außerdem müsse die Einführung und die Ablegung des Eides in seiner Gegenwart wiederholt werden. Nun war es aber in Bitburg seit Menschengedenken üblich, dass die Amtseinführung eines Bürgermeisters und Stadtrichters am 2. Februar stattfand. Eine Entschuldigung, warum er zu spät in der Kirche erschienen war, konnte Blochhausen nicht vorbringen. Damit erscheint es zweifelhaft, dass der Freiherr in Luxemburg Recht erhielt.

Auf jeden Fall wird überliefert, dass das Verhältnis des Freiherrn zu Notar Helm und zu Pfarrer Pidoll zeitlebens gespannt blieb.

P.N.