Titel Logo
Bitburg-Stadt
Ausgabe 6/2019
Nachrichten und Mitteilungen der Stadt Bitburg
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Aus dem Stadtarchiv

Mötscher Rindvieh - in Bitburg nicht immer erwünscht!

„Die Bullenhaltung im Bereich der Stadtgemeinde Bitburg ist Angelegenheit der Stadt“. So heißt es in einer „Steuerordnung der Stadt“, die bis ins 20. Jahrhundert galt. Noch im Dezember 1908 wurden die Gebühren neu festgelegt: „Für jedes deckfähige Stück Rindvieh, das gehalten wird, ist der Betrag von 2,50 Mark an die Stadtkasse pro Jahr zu zahlen.“

Jede Gemeinde mit Ackerbau und Viehzucht legte Wert darauf, gesundes und kräftiges Vieh zu haben. Deshalb gab es auch in fast jeder Gemeinde einen oder mehrere Stiere, die für die Fortpflanzung der Rasse unentbehrlich waren. Für Pflege und Unterstellung des Bitburger Bullen war „Stierhalter Leonhard. Bauer“ zuständig. Er hatte bis 1868 drei Zuchtbullen zu halten, im Frühjahr 1868 schaffte die Stadt dann sogar einen vierten Gemeindestier an.

Dorfschullehrer mussten in dieser Zeit ihre Familien meist mit einem geringen Lohn durchbringen, so dass sie sich nicht selten um Nebeneinkünfte bemühen mussten. So war es auch bei dem Mötscher Lehrer Philipp Karl François (1809 – 1882), der übrigens vor seiner Tätigkeit als Dorfschullehrer als Schneidergeselle in ganz Deutschland unterwegs gewesen war. Er bewarb sich schließlich um 1850/60 als Lehrer in Mötsch und wurde vom Gemeinderat angestellt. François betrieb auch eine kleine Landwirtschaft und hielt Vieh. Er wollte jedoch seine Kuh nicht vom Mötscher Stier decken lassen. Seine Gründe sind unbekannt, vielleicht hielt er die Bullen der Kreisstadt für potenter.

Er stellte schließlich einen schriftlichen Antrag an den Stadtrat von Bitburg und bat um Genehmigung „wegen Mitbenutzung der städtischen Zuchtstiere“. Der Rat unter Bürgermeister Prim beriet und wies den Antrag am 1. Dezember 1866 „als unzulässig“ ab. François aber gab sich damit nicht zufrieden. Zwei Jahre später, im Oktober 1868, wandte er sich erneut an die Bitburger Stadtväter und bat schriftlich „um Gebrauch der städtischen Stiere“. Erneut wurde sein Gesuch abgelehnt, diesmal mit der Begründung: „Die Anzahl der Springstiere ist durch die vorhandenen Kühe in der Stadt bedingt, es können also keine fremden Tiere zugelassen werden.“ Mötscher Kühe waren also in der Stadt vor 150 Jahren nicht erwünscht, sie mussten in Mötsch gedeckt werden!

P.N.