Treffen der Ruheständler der Verbandsgemeindeverwaltung Birkenfeld zum Thema Katastrophenvorsorge
Wie wichtig eine funktionierende Katastrophenvorsorge ist, zeigte eindrucksvoll das Treffen der Ruheständler der Verbandsgemeindeverwaltung Birkenfeld am Dienstag, 5. Mai 2026, in der neuen zentralen Feuerwache in der Brückener Straße. Der Vorstand der Ruheständler hatte zu der Veranstaltung eingeladen, die ganz im Zeichen des Katastrophenschutzes und der persönlichen Vorsorge stand.
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Matthias König referierte er selbst sowie der Leiter des Verwaltungsstabes Sebastian Caspary und Wehrleiter Lars Benzel über aktuelle Herausforderungen im Katastrophenschutz, bestehende Strukturen in der Verbandsgemeinde und die Bedeutung der Eigenvorsorge der Bevölkerung.
Bereits zu Beginn machte Bürgermeister König deutlich, dass Krisenvorsorge längst kein theoretisches Thema mehr sei. Extreme Wetterereignisse, großflächige Stromausfälle oder andere Katastrophenszenarien könnten jederzeit auch die Region betreffen. „Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt. Trotzdem erleben wir zunehmend Situationen, die unsere alltäglichen Abläufe massiv beeinträchtigen können“, betonte König. Besonders die Ereignisse im Ahrtal hätten gezeigt, wie schnell eine Katastrophe eintreten könne. Aber auch die Menschen in der Verbandsgemeinde Birkenfeld seien nicht vor solchen Entwicklungen geschützt. Er erinnerte unter anderem an die Überschwemmungen in Fischbach im Jahr 2018 sowie an das schwere Hochwasser im Saarland. „Wären die Regenwolken damals nur ein paar Kilometer weitergezogen, wäre auch die Nahe und damit unsere Verbandsgemeinde massiv betroffen gewesen“, erklärte König.
Gleichzeitig warnte er davor, dass das Bewusstsein für Vorsorge in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts verloren gegangen sei. „Früher war es selbstverständlich, Vorräte anzulegen und vorbereitet zu sein. Heute verlassen sich viele Menschen darauf, dass alles jederzeit funktioniert“, so König. Gerade deshalb sei es wichtig, die Bevölkerung wieder stärker für das Thema Eigenvorsorge zu sensibilisieren. Dabei hob er hervor, dass Katastrophenschutz nur dann funktionieren könne, wenn alle Beteiligten vorbereitet seien. „Unsere Vorbereitung steht und fällt auch mit der Vorbereitung der Bürgerinnen und Bürger.“ Besonders wichtig sei daher ein ausreichender Wasservorrat im eigenen Haushalt. Die Ruheständler erhielten weitere Infos und eine Informationsbroschüre mit Checklisten und praktischen Hinweisen für die private Krisenvorsorge.
Wehrleiter Lars Benzel stellte anschließend die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Birkenfeld vor. Die Feuerwehr umfasst acht Ausrückebereiche mit insgesamt 24 Standorten. Hinzu kommen die beiden Stützpunktfeuerwehren in Birkenfeld und Hoppstädten-Weiersbach. Aktuell engagieren sich 463 aktive Einsatzkräfte für die Sicherheit der Bevölkerung, unterstützt von fünf hauptamtlichen Kräften. Besonders erfreulich sei die starke Nachwuchsarbeit mit 122 Mitgliedern in den Jugendfeuerwehren, 67 Kindern in den Bambinifeuerwehren sowie 18 Mitgliedern in den Minifeuerwehren.
Insgesamt stehen 65 Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Im Durchschnitt rückt die Feuerwehr rund 200 Mal pro Jahr zu Einsätzen aus, was zeigt, dass der Alltag der Feuerwehr schon aus sehr vielen kleineren Katastrophen besteht.
Benzel berichtete außerdem über die geplante zentrale Lagerung von Notvorräten in Birkenfeld. Hierfür soll ein zusätzlicher Anbau entstehen, um Material und Versorgungsgüter im Ernstfall schneller verteilen zu können. Grundlage sei unter anderem ein Feuerwehrbedarfsplan, der von einer externen Fachstelle erstellt wurde und verschiedene notwendige Investitionen aufgezeigt habe. „Das ist eine Investition in die Sicherheit der Einwohnerinnen und Einwohner unserer Verbandsgemeinde“, erklärte Benzel.
Sehr eindrucksvoll schilderte anschließend der Leiter des Verwaltungsstabs Sebastian Caspary die Arbeit des Verwaltungsstabes der Verbandsgemeinde. Er verwies dabei auf weitere mögliche Krisenszenarien wie einen großflächigen Stromausfall oder Terrorlagen wie das Black-Out in diesem Jahr in Berlin. Vom Land Rheinland-Pfalz seien der Kreis und somit auch die Kommunen zudem darauf hingewiesen worden, aufgrund der Nähe zum französischen Kernkraftwerk Cattenom mögliche Gefahrenlagen und Katastrophenszenarien besonders im Blick zu behalten und entsprechende Vorbereitungen für den Ernstfall zu treffen.
Die Verbandsgemeinde Birkenfeld arbeite – ebenso wie andere Kommunen im Landkreis und die Stadt Idar-Oberstein – mit einem sogenannten Zweistabsmodell. Dabei kümmere sich die Feuerwehr mit ihrer Führungsstaffel um die unmittelbare Gefahrenabwehr, während der Verwaltungsstab die Versorgung, Unterbringung und Organisation nach der akuten Gefahrenlage übernehme. Werden beispielsweise Menschen evakuiert, organisiert der Verwaltungsstab kurzfristig Unterkünfte, Versorgung und Betreuung. Alarmiert werde der Verwaltungsstab über eine spezielle App. „Wenn etwas passiert, wirft uns diese Alarmierung im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Bett“, erklärte Caspary. Er berichtete außerdem, dass innerhalb kürzester Zeit ein Bürgertelefon aktiviert werden könne, um Informationen an die Bevölkerung weiterzugeben und gleichzeitig Hinweise aus der Bevölkerung aufzunehmen.
Alle Vortragenden machten deutlich, dass moderne Katastrophenvorsorge nur im Zusammenspiel von Behörden, Feuerwehr und Bevölkerung funktionieren könne. Besonders nachdenklich stimmte die Aussage des Ruheständlers Gerhard Ding: „Ich bin Jahrgang 1953. Nach dem Weltkrieg war es völlig normal, Vorräte anzulegen.“ Auch ein Vorstandsmitglied der Ruheständler unterstrich die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung und privater Vorsorge: „Niemand ist allein. Jeder hat Familie, Nachbarn oder Freunde. Wir müssen auch füreinander vorsorgen.“
Im Anschluss an die Vorträge erhielten die Gäste die Gelegenheit, die neue Feuerwache bei einer ausführlichen Führung kennenzulernen. Wehrleiter Lars Benzel sowie Gerätewart Christian Schuler führten durch die modernen Räumlichkeiten. Christian Schuler erläuterte zudem den enormen technischen und organisatorischen Aufwand, der hinter der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr steht. So müssten sämtliche Geräte und Ausrüstungsgegenstände nach Übungen und Einsätzen sowie spätestens alle sechs Monate geprüft werden. Bei Atemschutzmasken seien die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfintervalle inzwischen sogar von sechs Monaten auf nur noch zwei Monate verkürzt worden. Zusätzlich würden auch die Ausrüstungsgegenstände der Feuerwehren aus den Ortsgemeinden zentral geprüft und gewartet.
Für das leibliche Wohl sorgte der stellvertretende Wehrleiter Eric Kessler sowie die Jugendfeuerwehr. Der Überschuss aus den Essens- und Getränkeeinnahmen kommt der Nachwuchsarbeit der Feuerwehr zugute. Ein besonderer Moment war dabei die Unterstützung durch die fünfjährige Malia Ann, eines der jüngsten Mitglieder der Feuerwehrfamilie. Allein ihre Anwesenheit machte deutlich, dass gute Katastrophenvorsorge eine Aufgabe von allen und vor allem für alle Generationen ist.
In der Kommunikation mit der Bevölkerung setzt die Verbandsgemeinde Birkenfeld verstärkt auf digitale Informationswege. Bürgermeister Matthias König appellierte deshalb eindringlich an die Bevölkerung:
„Jeder sollte die Warn-App NINA herunterladen, uns auf Facebook folgen und die meinOrt-App installieren.“ Die Verbandsgemeinde nutzt diese Kanäle, um die Bevölkerung im Ernstfall schnell und zuverlässig zu informieren.
Verlässliche Informationen und Checklisten zur Vorsorge jedes Einzelnen bietet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf der Webseite bbk.bund.de.