Welche Fähigkeiten sollte ein Kind haben, um gut in der Schule zurechtzukommen? Rechnen, lesen und schreiben muss es noch nicht können – das lernt es dort. Wichtiger für einen guten Start ist zum Beispiel, dass es Freundschaften schließen kann, aufmerksam ist und Neues lernen will. Diese Fähigkeiten entwickeln sich in der Kita und in der Familie oft spielerisch und ganz nebenbei.
Auch wenn Freundinnen und Freunde mit eingeschult werden, sind die ersten Schultage aufregend. Damit sich ein Kind in der neuen Gruppe wohlfühlt, braucht es Selbstvertrauen und muss auf andere Kinder zugehen können. Möglichkeiten, das schon vor der Schule zu üben, gibt es in der Kita, auf dem Spielplatz, im Verein und durch Verabredungen mit Gleichaltrigen. Ebenso wichtig ist es, dass Kinder lernen, die Gefühle und Wünsche anderer zu erkennen und zu akzeptieren, auch wenn sie sich von den eigenen unterscheiden.
Für Eltern heißt das: Ermöglichen Sie Ihrem Kind Kontakte zu anderen Kindern und nehmen Sie es mit in Situationen, wo es neue Menschen kennenlernt. Wenn es im Alltag Momente gibt, in denen andere Kinder traurig, wütend oder unsicher wirken, sprechen Sie gemeinsam darüber. Fragen Sie das Kind, welche Gefühle das sind und was dahinterstecken könnte. Auch beim Vorlesen kann man über die Gefühle der Figuren sprechen und überlegen, warum sie so handeln.
Es ist normal, dass in der Schule Konflikte entstehen – mit anderen Kindern oder weil Regeln eingehalten werden müssen. Wer Regeln schon aus der Familie kennt, findet sich oft leichter zurecht. Kinder sollten im Alltag erleben, dass es mit Regeln einfacher ist, gut und fair miteinander auszukommen. Ebenso sollten Kinder in der Familie sehen, dass es wichtig ist, Kompromisse einzugehen: Wenn jeder ein bisschen nachgibt, kann man eine gemeinsame Lösung finden und einen Streit beenden. Für Eltern heißt das: Greifen Sie bei Streit nicht immer sofort ein. Fragen Sie zuerst Ihr Kind, welche Lösung es sieht. Im Umgang mit Konflikten sind Eltern ein wichtiges Vorbild: Zeigen Sie im Alltag, wie man sich einigt, sich entschuldigt und Verantwortung übernimmt.
Nicht alles geht sofort. Warten, bis die Gruppe bereit ist oder bis man im Unterricht drankommt – das fällt vielen Kindern schwer. Natürlich sollten Eltern ihr Kind darin stärken, eigene Wünsche und Gefühle zu äußern. Sie sollten ihm aber auch vermitteln, dass man manchmal warten und zurückstecken musst.
Für Eltern heißt das: Lassen Sie im Alltag Situationen zu, in denen das Kind nicht gleich an der Reihe ist. Üben Sie mit ihm kleine Wartezeiten – zum Beispiel, indem Sie ein Telefongespräch zu Ende führen, bevor sich ihm zuwenden. Loben Sie Ihr Kind, wenn es das Warten ausgehalten hat, ohne zu drängeln. Auch Spiele, bei denen reihum gespielt wird, sind eine gute Übung für Geduld. Kinder lernen so, sich an Regeln zu halten und zu warten, bis sie dran sind. Im Spiel erleben sie zudem Niederlagen und müssen üben, damit umzugehen.
Diese Fähigkeiten sind in der Schule besonders wichtig. Kinder müssen lernen, sich nicht schnell ablenken zu lassen und an einer Sache dranzubleiben, auch wenn sie nicht sofort Spaß macht oder gelingt. Beim Thema Konzentration spielt der Umgang mit Medien eine Rolle. Handy, Tablet oder Fernsehen sollten im Vorschulalter nur begrenzt genutzt werden. Schnelle Bildwechsel und viele Reize können Kinder überfordern. Sie können auf Dauer dazu führen, dass Kinder sich nicht mehr länger auf ruhigere Tätigkeiten konzentrieren können, weil sie die ständige Ablenkung brauchen.
Für Eltern heißt das: Trauen Sie Ihrem Kind kleine Aufgaben zu und ermutigen Sie es, Begonnenes zu Ende zu bringen und nicht vorher abzubrechen. Ihr Kind freut sich, wenn Sie auch die Anstrengung loben – nicht nur das Ergebnis. Achten Sie außerdem auf geregelte Medienzeiten. Wählen Sie aus, was ihr Kind sehen darf und besprechen Sie die Inhalte mit ihm. So lernen Kinder, Eindrücke einzuordnen, statt sie nur zu konsumieren. Es sollte aber immer genug Zeit bleiben für Tätigkeiten wie Spielen, Malen oder Basteln. Und vor allem für Bewegung, weil Kinder dabei Energie abbauen und danach oft ruhiger und aufmerksamer sind.
Um Neues zu lernen, brauchen Kinder Neugier und den Mut, Fragen zu stellen. Kinder entwickeln beides, wenn ihre Fragen ernst genommen werden und gemeinsam nach Antworten gesucht wird – nach dem Motto „Dumme Fragen gibt es nicht.“ Wer in der Familie erlebt, dass Nachfragen erwünscht ist, traut sich das auch in der Schule eher. Das gilt ebenso für die Bereitschaft, sich Unterstützung zu holen, wenn man allein nicht weiterkommt.
Für Eltern heißt das: Nehmen Sie die Fragen Ihres Kindes ernst und suchen Sie gemeinsam nach Antworten. Machen Sie deutlich, dass niemand alles allein schaffen muss. Überlegen Sie mit dem Kind, an wen man sich in verschiedenen Situationen wenden kann – zum Beispiel bei Fragen zum Lernstoff oder zu den Hausaufgaben, bei kleinen Sorgen mit Freundinnen und Freunden oder bei Problemen in der Familie.
Sprache ist eine wichtige Grundlage für die Schule. Kinder sollten verstehen, was sie hören, und eigene Gedanken ausdrücken können. Das wächst im täglichen Miteinander, wenn Eltern zuhören, nachfragen und ihr Kind erzählen lassen. Vorlesen hilft zusätzlich. Kinder lernen dabei neue Wörter und Zusammenhänge kennen. Erzählen, was in Bilderbüchern zu sehen ist, Geschichten nacherzählen, über die Figuren sprechen, die Geschichte gemeinsam weiterspinnen – das alles regt nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten an, sondern fördert auch Fantasie, Mitgefühl und das Interesse an neuen Erfahrungen.
Für Eltern heißt das: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Gespräche im Alltag. Lesen Sie regelmäßig vor und sprechen Sie gemeinsam über Geschichten und Bilder.
Zur Schulreife gehören noch weitere Fähigkeiten, wie Bewegungssicherheit, ein gutes Zusammenspiel von Augen und Händen und Geschicklichkeit, etwa beim Umgang mit dem Stift. Auch ein Grundverständnis von Zahlen und Buchstaben ist gut. Eltern sollten sich aber nicht auf Vergleiche einlassen. Wer vor der Einschulung schon lesen, schreiben oder rechnen kann, hat nicht automatisch Vorteile. Diese Fähigkeiten werden in der Schule vermittelt. Wichtiger ist, dass Kinder gute Grundlagen fürs Lernen mitbringen. Setzen Sie sich und Ihr Kind also nicht unter Druck. Sprechen Sie positiv über die Schule, damit es neugierig wird und sich auf den neuen Lebensabschnitt freuen kann! Sie finden diesen Text zum Nachlesen und Anhören unter www.gesundheitstelefon-rlp.de auf der Webseite der LZG.
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