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Birkenfelder Anzeiger
Ausgabe 33/2018
VG Aktuell
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Erfolgreiche Auftaktreise nach Ruanda

Gebirgslandschaft im Distrikt Nyamagabe

Partner der VG Birkenfeld im kommunalen Verwaltungsaustausch Rheinland-Pfalz - Ruanda. Gemeinsam mit weiteren Vertreterinnen und Vertreter rheinland-pfälzischer Kommunen und Institutionen reisten Bürgermeister Dr. Bernhard Alscher, Klimaschutzmanager Dr. Viktor Klein sowie der ehemalige Büroleiter der VG Birkenfeld Bernd Fischer vom 7. bis zum 14. Juli 2018 nach Ruanda. Ziel der Reise war es die Verhältnisse vor Ort sowie die afrikanischen Partnerinnen und Partner im Rahmen des Projektes „Kommunaler Verwaltungsaustausch Rheinland-Pfalz - Ruanda“ kennenzulernen und einen kommunalen Verwaltungsaustausch zu starten. Das noch junge Projekt ist Teil des 2017 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung initiierten „Marshallplan mit Afrika“. Rheinland-Pfalz und Ruanda sind bereits seit Jahrzehnten durch eine intensive Partnerschaft verbunden. Diese soll nun auf kommunaler Ebene vertieft werden. Das Pilotvorhaben der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global wird in Kooperation mit dem Ministerium des Innern und für Sport in Mainz durchgeführt. Neben dem fachlichen Austausch zwischen Kommunen und Institutionen ist erklärtes Ziel des Vorhabens, wirkungsorientierte gemeinsame Projektideen im Rahmen der Agenda 2030 zu entwickeln. Neben der Verbandsgemeinde Birkenfeld haben auch die Stadt Bad Kreuznach, der Landkreis Germersheim, die Verbandsgemeinde Hachenburg und die Stadt Landau am Austausch teilgenommen. Darüber hinaus haben auch Vertreter des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz, der Hochschule für öffentliche Verwaltung und der Stadt Mayen sowie die Kommunal-Akademie in Boppard an der Reise teilgenommen um den Austausch auf institutioneller Ebene zu intensivieren. Die Auftaktreise bot den beteiligten Akteuren durch Workshops die Möglichkeit, sich mit den jeweiligen ruandischen Partnern fachlich auszutauschen und konkrete Themen für die Zusammenarbeit der nächsten drei Jahre zu ermitteln. Zwischen der Nationalpark-Verbandsgemeinde Birkenfeld und ihrem Partner dem Distikt Nyamagabe, in dem der Nyungwe Nationalpark liegt, stellten die beiden Nationalparke einen ersten Anknüpfungspunkt dar, über den dann weitere Themen wie zum Beispiel „Tourismus“ diskutiert werden konnten. Die beiden Nationalparkverwaltungen haben im Rahmen des Besuchs der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken des Distrikts im Mai 2018 bereits Kontakt aufgenommen und einen Aktionsplan für die Zusammenarbeit entworfen. Nach der Workshop-Phase in der ruandischen Hauptstadt Kigali konnten die rheinland-pfälzischen Teilnehmenden ein Bild von den Gegebenheiten und Bedarfen ihrer Partner vor Ort machen. Die Birkenfelder Delegation fuhr dazu in ihren Partnerdistrikt Nyamagabe im Süd-Westen Ruandas ca. 4 Autosunden von Kigali entfernt. Schon die Anfahrt zeigte die hohe Diskrepanz zwischen Peripherie und Zentrum. Je weiter sich die Delegation von der Hauptstadt entfernte desto schlechter wurden die Straßen und desto deutlicher wurde auch das Wohlstandsgefälle. Nyamagabe gehört zu den strukturschwächsten Bezirken in Ruanda. Zu den Hauptprodukten der Region gehört Tee und der Nationalpark ermöglicht Einkünfte aus dem Tourismus. Ansonsten arbeiten ca. 78 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft und aufgrund der geringen Parzellengröße dient dies überwiegend d der Selbstversorgung. In dem Bezirk wohnen ca. 341.000 Menschen (VG Birkenfeld ca. 20.000) auf einer Fläche von 1090 km² (VG Birkenfeld 213 km²). Das Ergibt eine Bevölkerungsdichte von ca. 312 Einwohner/km² (Birkenfeld 94 Einwohner pro km²). Die Dichte der Bevölkerung nimmt man als Besucher des Landes auch sehr unmittelbar wahr, berichtet der Klimaschutzmanager Viktor Klein. „Es ist beinahe unmöglich entlang der Straße einen Fleck zu finden, an dem keine Menschen unterwegs sind. Alles wird von A nach B transportiert und insbesondere Wasser, das in Kanistern von den Wasserstellen zu den Haushalten gebracht werden muss“. Dies mache laut Klein bereits optisch deutlich, wie sehr der Aufbau der Infrastruktur wie Wasserleitungen, Straßen und Kanalisation zu den größten Aufgaben des Distrikts zählen muss. Auch ein weiteres Bevölkerungsmerkmal ist sofort augenfällig: Die Bevölkerung ist sehr jung und man sieht überall Kinder auf der Straße. Entsprechend sind 52% der Bevölkerung jünger als 19 Jahre, über 80% jünger als 40 Jahre und nur 4 % sind älter als 65 (Quelle: Nyamagabe - National Institute of Statistics Rwanda). Im Gegensatz dazu steht die Überalterung der Birkenfelder Bevölkerung aufgrund des demographischen Wandels. Trotz dieser strukturellen Herausforderung schaffte es der Distrikt Musterprojekte in den Bereichen Bildung, Verwaltung und Tourismus aufzubauen, die der Distrikt-Bürgermeister Bonaventure Uwamahoro und seine Mitarbeiter der Delegation auf einer Rundfahrt zeigen konnten. Insbesondere beindruckt waren die Birkenfelder von den fortschrittlichen Ansätzen in der Verwaltung, die bereits erfolgreich implementiert werden konnten. Und trotz dieser bedeutenden Strukturunterschiede zwischen den beiden Partnerregionen gelang es während des Austausches die Themen „Tourismus“, „erneuerbare Energien“, „Raumplanung“ und „Gute Verwaltung“ als Themen herauszuarbeiten, die zukünftig wechselseitig verfolgt werden sollen. Bei einem Abschlussworkshop in Kigali wurden anschließend die Erkenntnisse der Woche diskutiert, relevante Themen für den gegenseitigen Austausch identifiziert sowie konkrete Aktionspläne für den weiteren Projektverlauf entworfen. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung war die Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“, zwischen den jeweiligen Partnerregionen und dem ruandischen Ministerium für Kommunalverwaltungen, das die weitere Zusammenarbeit besiegelte. Bürgermeister Alscher zeigt sich zufrieden über den Verlauf des Austauschs: „ Wir hatte vor unserer Reise keine wirkliche Vorstellung von Ruanda. Insofern war es auch schwierig zu sehen, inwieweit wir uns tatsächlich wechselseitig helfen können. Doch Ruanda hat uns in vielen Bereichen überrascht, es ist wirklich ganz anders, als man sich Afrika vorstellt. Die Fortschritte im Land und in Nyamagabe sind beeindruckend. Die Menschen die wir getroffen haben sind überaus freundlich und sehr professionell. Ich denke wir können durchaus eine erfolgreiche Partnerschaft aufbauen, von der beide Seiten profitieren.“ Alscher, seine Frau Barbara und die anderen Birkenfelder Delegationsteilnehmer haben nach der offiziellen Delegationsreise Ruanda auf eigene Faust erkundet und das Land auf dieses Weise noch besser kennen gelernt. „Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir natürlich für unsere Urlaubsreise, sowie für die Begleitung durch Ehefrau und Lebenspartnern selbst aufgekommen sind. Ebenso wurde auch der offizielle Part über das Projekt und nicht aus dem Haushalt der Verbandsgemeinde finanziert. Es ist schon komisch, dass man das so deutlich betonen muss, aber es gibt leider immer wieder Menschen, die mit falschen Behauptungen Stimmung machen und versuchen, daraus politisch Kapital zu schlagen.“ Nach dem erfolgreichen Auftakt soll der Austausch nun weiter etabliert werden. Möglich sind im Rahmen des Pilotvorhabens während der Laufzeit von 2018 bis 2020 Expertinnen- und Expertenentsendungen nach Ruanda und Rheinland-Pfalz sowie gegenseitige Hospitationen. Als nächster Schritt ist ein Gegenbesuch der ruandischen Partner in Birkenfeld im Herbst 2018 vorgesehen.

Dr. Bernhard Alscher, Bürgermeister der VG Birkenfeld; Bonaventure Uwamahoro, Bürgermeister des Distrikts Nyamagabe; Dr. Carola Stein, Referatsleiterin im rheinland-pfälzischen Ministerium des Inneren und für Sport nach der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding am 13.07.2018 in Kigali.