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Birkenfelder Anzeiger
Ausgabe 4/2021
Neues aus dem Stadthaus
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Früherer Stadtbürgermeister Werner Käufer verstorben

Werner Käufer an seinem 80. Geburtstag im Gespräch mit seinem Nach-Nach-Nachfolger Peter Nauert

Die Geburtstagsgäste v.l.n.r.: Dieter Heinrich (letzter Personalratsvorsitzender der Stadtverwaltung Birkenfeld), Ingeborg Heinrich, Werner Käufer, Ilse Käufer, Peter Nauert, Ursula Nauert, Leni Jahn und Robert Jahn (langjähriges Stadtratsmitglied)

Am 23.12 2020 verstarb in Saarbrücken der frühere Stadtbürgermeister Werner Käufer mit 96 Jahren an einer Corona-Infektion. Der Verstorbene war vom 15.07.1961 bis 31.12.1970 hauptamtlicher Bürgermeister von Birkenfeld und war vom Stadtrat als Nachfolger von Dr. Oswald Morenz gewählt worden, der dieses Amt von 1953 bis 1961 innehatte. Die Kreisstadt war damals noch selbständig mit eigenem Personal und Sitz der Verwaltung im Stadthaus.

In die Amtszeit von Werner Käufer fielen wichtige Projekte und Weichenstellungen für die weitere Stadtentwicklung. So entstand der Neubau der heutigen Grundschule an den Gerbhäusern, der Bauhof und das Feuerwehrgerätehaus wurden gebaut, das damals noch städtische Schwimmbad verbessert, Baugebiete erschlossen und Birkenfeld wurde durch den Einzug der Luftwaffendivision zum dritten Mal in seiner Geschichte Garnisonsstadt.

Käufer war ein sehr engagierter Stadtchef, der die anstehenden Probleme beherzt und mit großem Fachwissen anpackte. Seine bisherige Erfahrung als Büroleiter der Stadt Saarbrücken kam ihm hierbei sehr zugute. Nicht verwunderlich, dass er bei der Birkenfelder Bevölkerung großes Ansehen genoss.

Am 07.12.1968 wurde Werner Käufer mit 17 von 18 Stimmen erneut auf 12 Jahre vom Stadtrat gewählt. Trotz dieses großen Vertrauensbeweises musste er Ende 1970 ausscheiden, da die Stadt Birkenfeld durch die Verwaltungsreform des Landes „eingeamtet“ wurde und ihre Eigenständigkeit verlor, weil sie die „magische Zahl“ von 7.500 Einwohnern nicht liefern konnte. Birkenfeld war aber mit 6.700 Einwohnern eine aufstrebende Stadt und eine mögliche Ausnahme bei „Vorliegen besonderer Verhältnisse“ hätte man durchaus bewilligen können. Mainz blieb aber bei seiner negativen Entscheidung. Der Bevölkerungszuwachs 1960 bis 1967 betrug in der Stadt 31%, im Amt Birkenfeld demgegenüber nur 2,3%. Ein bitterer Rückschlag für die Bedeutung und Geschichte der Stadt musste hingenommen und verkraftet werden. Ein eingelegter Widerspruch wurde von der Bezirksregierung Koblenz im April 1969 abgelehnt; eine danach erhobene Klage beim Verwaltungsgericht Koblenz zog die Stadt Ende Juli 1969 wegen Aussichtslosigkeit wieder zurück. In der Interimszeit bis Juli 1971 war der Erste Beigeordnete Walter Göhl amtierender Stadtchef. Er hatte sich in den Jahren 1969/70 mit Vehemenz gemeinsam mit dem Stadtrat für die Beibehaltung der Selbständigkeit eingesetzt, leider erfolglos. Es war wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel.

In der Zwischenzeit wurden politisch höchst umstritten die Weichen für eine personelle Neubesetzung der Verwaltungsspitze bei VG und Stadt gestellt. Werner Käufer war natürlich für ein solches Amt qualifiziert, da er aber keiner Partei angehörte und einen Eintritt in die SPD ablehnte, kam er für die absolute Mehrheitspartei nicht infrage. Vielmehr wurde Erich Mörsdorf im Juli 1971 Stadt- und Verbandsbürgermeister in Personalunion. Werner Käufer war somit ab Januar 1971 Pensionär der Stadt Birkenfeld. Da er als rüstiger 46-Jähriger noch aktiv sein wollte, war er in den Jahren danach noch in einem Privatbetrieb im Saarland tätig.

Altbürgermeister Peter Nauert hatte während seiner Amtszeit (2000 - 2014) viele Kontakte zu Werner Käufer, den der Weg immer wieder nach Birkenfeld führte, um Bekannte und Freunde zu besuchen. Käufer war stets an den Neuigkeiten und Entwicklungen in der Stadt interessiert. Zuseinem 80. Geburtstag lud er Peter Nauert, Robert Jahn und Dieter Heinrich mit Ehefrauen nach Saarbrücken ein. Die Feier im Jahre 2004 ist Nauert noch in bester Erinnerung. Im Namen der Stadt überreichte er Werner Käufer eine Farbradierung mit Birkenfelder Motiven von Herbert Heß.

Auch nach seiner aktiven Zeit als Stadtbürgermeister rissen die Kontakte zwischen Nauert und Käufer nicht ab, wurden ab 2016 aber spärlicher, da Käufer aufgrund eines Augenleidens nicht mehr Auto fahren konnte, was ihn sehr belastete. Ende August 2018 erklärte er Peter Nauert in einem Telefonat, dass er nunmehr ins Altenheim wechseln würde, womit seine letzte Lebensphase eingeleitet sei. „Altwerden ist nicht schön“, sagte der damals 94-jährige mit unüberhörbarer Resignation in der Stimme. Die Stadt Birkenfeld hat ihm viel zu verdanken.