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Birkenfelder Anzeiger
Ausgabe 46/2020
VG Aktuell
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Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die sehr hohen Fallzahlen und der Umgang mit der Pandemie-Situation hier bei uns im Landkreis beunruhigen mich zunehmend so sehr, dass ich nicht müde werde Sie zu bitten, sich wieder mit dem Thema Covid 19 auseinanderzusetzen.

Wir haben gemeinsam, auch durch Ihr diszipliniertes Verhalten dazu beigetragen, dass die Infektionszahlen bis im September äußerst gering waren. Wir stehen jedoch durch die explodierenden Zahlen, die Jahreszeit bedingten Temperaturen und dem „Teillokdown“ vor einer besonders schwierigen Zeit.

Aus der Presse konnten Sie bereits erfahren, dass neben den steigenden Infektionszahlen die ersten Pflegeheime, Kitas und Schulen in unserem Kreis betroffen sind. Dies zeigt uns, dass wir einem deutlich erhöhten Infektionsrisiko mit den bekannten Folgen für Gesundheit und Tod unterliegen. Die Krankenhäuser sind an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen.

Zusätzlich zu den oben beschriebenen Gegebenheiten muss ich sie auf mehrere Probleme hinweisen, um ihnen zu verdeutlichen, in welcher Gefahr wir uns befinden:

1.

Nach Untersuchungen in Bayern hat sich gezeigt, dass auf ein positiv getestetes Kind fünf weitere Infizierte kommen, die nicht erkannt wurden. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass dadurch die Gefahr der Verschleppung des Virus und weitere Infektionen in diesem Umfeld möglich sind. Insofern bitte ich die Eltern von Kindern und Jugendlichen, soweit möglich sich in einem sehr engen persönlichen Umfeld zu bewegen. Dies führt auch dazu, dass wir evtl. in der Infektionskettenverfolgung zeitlich aufholen können.

2.

Durch den bis jetzt zu geringen personellen Einsatz in unserem Gesundheitsamt, die Kommunikationsdefizite und schwierigen Testbedingungen ergeben sich Zeitverzögerungen in der Infektionskettenverfolgung. Dies führte schon im Frühjahr zu erheblichen Schwierigkeiten. Neuere, erlaubte Techniken wurden bis jetzt trotz unserer Hinweise nicht eingesetzt.

3.

Der bei diesem Thema übertriebene Datenschutz und die bürokratischen Rahmenbedingungen führen ebenfalls dazu, dass wir Schwierigkeiten haben werden, dass Infektionsgeschehen einzudämmen. Obwohl der Datenschutzbeauftragte klar ausgeführt hat, wie man mit den Daten umgehen könnte, weigert sich der Landrat mir die notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen.

Somit werden auch unsere Bediensteten (siehe VG Baumholder, Ordnungsamt, etc.) und Ehrenamtlichen (Feuerwehr) unnötig einer erhöhten Gefahr ausgesetzt. Dem versuche ich mit meinen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzuwirken.

Falls Sie - und dies höre ich öfter - Kontakt zu positiv getesteten Personen hatten und nicht zeitnah angesprochen werden, melden Sie sich bitte bei mir, auch persönlich. Sie können mich unter der Telefonnummer 06782-990102, auch außerhalb der Dienstzeit erreichen. Ich rufe zeitnah zurück, falls ich vorrübergehend verhindert bin.

An dieser Stelle bitte ich Sie, mein Vorgehen nochmals zu entschuldigen. Die Sorge um meine Familie, meine Freunde und meine Mitbürger lässt mich nicht ruhen.

Ich habe, mal mehr mal weniger erfolgreich, versucht Einfluss auf unseren Landrat zu nehmen. Natürlich werden wir ihn auch weiterhin z. B. mit unserem zur Verfügung gestellten Personal unterstützen, um vielleicht eine Verbesserung der jetzigen Situation zu erreichen. Gleichzeitig fordere ich Ihn auch immer wieder auf, noch aktiver zu werden und schneller situationsangepasst zu handeln.

Einen Virus kann man nicht mit übertriebenen Datenschutz und Bürokratie bekämpfen.

Bitte helfen auch Sie uns allen, indem Sie weiterhin konsequent und mit gesundem Menschenverstand den gültigen Regeln und hygienischen Notwendigkeiten folgen.

Ihr
Dr. Bernhard Alscher