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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 1/2021
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Die heiligen drei Könige und die Sternsinger

Dreikönigsaltar im Trierer Dom. Grabaltar des Erzbischofs und Kurfürsten Johan Hugo von Orsbeck (1676 - 1711)

Eines der ältesten Feste der Christenheit – Allerlei Brauchtum rankt sich um das Fest

Das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie – griech. Erscheinung) ist neben Ostern das älteste Fest der Christenheit. Epiphanie ist ein religionsgeschichtlicher Zentralbegriff für das Erscheinen Gottes, Jesu Christus in der Welt. Galt der Tag ursprünglich der Geburt Jesu, wie auch heute noch in den Ostkirchen, so setzte sich im 6. Jahrhundert in den westlichen Kirchen die Unterscheidung zwischen Geburt und dem Erscheinen Gottes unter den Menschen durch. Seitdem feiert die römische Kirche den 6. Januar als Erscheinungsfest. Gott tritt in Kindesgestalt der Menschheit entgegen. Zuerst den Eltern Maria und Josef, dann den Hirten und schließlich den drei Sterndeutern, Magiern oder Königen. Spätestens seit Erzbischof Cäsarius von Arles (ca. 450 – 572 n. Chr.) sind die drei Magier endgültig zu Königen geworden. Einer davon, zunächst überwiegend Caspar, dann aber Melchior galt als „Mohr“ (der Schwarze) und Vornehmster der Drei. Nirgendwo in den Evangelien ist überliefert, dass es gerade drei Besucher waren, die aus dem Morgenland nach Bethlehem reisten. Und das es drei Könige waren, ist wohl eine Folgerung aus dem biblischen Bericht, dass sie sich bei König Herodes nach dem neugeborenen König der Juden erkundigten, wer anders als Gleichgestellte hätte dies wagen dürfen? Außerdem waren Gold, Weihrauch und Myrrhe wahrhaft königliche Geschenke.

Caspar (persisch: der Schatzmeister), Melchior (hebräisch: der König des Lichtes) und Balthasar (babylonisch: der Herr möge das Leben des Königs beschützen) sind ungeachtet ihrer historischen Fragwürdigkeiten zu den zentralen Figuren des Erscheinungsfestes geworden. Im Jahre 1164 wurden die Reliquien der heiligen drei Könige von Mailand nach Köln überführt. Verantwortlich dafür war Kaiser Barbarossa und sein Kanzler Rainald von Dassel der zugleich auch Erzbischof von Köln war. Diese Tat trug wesentlich dazu bei, das sich das Dreikönigsfest mit den Sternsingern schnell im Kölner Raum und dann auch in ganz Deutschland ausbreitete. Die Heiligen Drei Könige galten als Reichsheilige und waren den deutschen Königen und Kaisern Vorbild und Fürbitter, weshalb sie nach ihrer Krönung in Aachen nach Köln zogen zum Gebet vor dem Dreikönigsschrein. Das Fest gehört auch heute noch zu den volkstümlichsten und brauchtumsreichsten Festen in der katholischen Kirche.

War zuerst die Zahl der Geschenke maßgeblich für die Zahl drei, so fand allmählich eine Umschreibung der drei Weisen in drei Könige statt, wohl auch im Hinblick auf die, wie bereits erwähnt, erlesenen Geschenke. Seit dem 9. Jahrhundert sind die Namen Caspar, Melchior und Balthasar verbreitet. Aus den verschiedenen Aussagen über die Sterndeuter oder auch Magier wurden Deutungen abgeleitet, deren Symbolgehalt uns heute nicht mehr bewusst ist. So sollen die drei Könige die damals drei bekannten Menschenrassen, Afrikaner, Asiaten und Europäer verkörpern. Außerdem sollen sie repräsentativ sein für die drei christlichen Völkerschaften: Semiten, Chamiten, Japhetiten und auch für die drei Lebensalter. Jüngling, Mann in den besten Jahren und Greis. Volkstümlich werden die drei Buchstaben C + M + B als Initialen der drei Königsnamen gedeutet, aber eine andere Deutung ist wesentlich sinnvoller: Christus Mansionem Benedicat – Christus segne dieses Haus.

Brauchtum um den Dreikönigstag

Zahlreiche vorchristliche und heidnische Bräuche haben dem Dreikönigsbrauchtum den Boden bereitet. In seinem Ursprung stellt das Epiphaniefest die christliche Umformung eines heidnischen Festes in der Nacht vom 5. Januar auf den 6. Januar dar, in der in Alexandrien die Geburt des Gottes Aion, der Verkörperung des Zeit-Ewigkeits-Begriffs, aus der Jungfrau Kore gefeiert wurde. Das auf den gleichen 6. Januar gelegte Dionysoswunder mit dem in Wein verwandelten Wasser wurde christlich auf das Taufwasser umgedeutet (Gedächtnis der Taufe Christi und das Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana).

Auch bei den nördlichen Völkern war dies eine gefahrvolle Zeit. Sie glaubten an einen Kampf zwischen guten und bösen Mächten am letzen Abend der zwölf geheimnisvollen Rauhnächte zwischen dem Heiligen Abend und dem Dreikönigstag. In diesen zwölf Nächten ruhte früher jede Fehde. Auch durfte kein Gericht gehalten werden. Wer während der Zwölften an eine Tür klopfte und um Einlass bat dem wurde geöffnet, weil der Glaube herrschte an diesem Tage sind die Himmlischen, aber nicht die Christlich-Himmlischen auf der Erde zu Gast. Die wilde Jagd zog vorbei. Doch auch die guten Geister zeigten sich in der Nacht vor dem Dreikönigstag. Frau Percht auch unter dem Namen Frau Holle bekannt erscheint in den Häusern schaut nach dem Rechten und nimmt dankbar Milch und Gebäck entgegen. Auch wurden jetzt die Räume der Häuser ausgeräuchert und mit Weihwasser besprengt als Schutz gegen die bösen Wintergeister.

Die Sternsinger

Alter Brauch ist auch das Sternsingen am Dreikönigstag. Mit dem gesammelten Geldern werden heute verschiedenartige kirchliche Projekte unterstützt. Der Brauch der Sternsinger oder des Dreikönigszuges ist in Liedern seit dem 16. Jahrhundert in Deutschland belegbar. Zunächst nur erwerbslose Handwerker und Soldaten, später auch bettelnde Kinder zogen singend von Haus zu Haus um Eßbares, Süßigkeiten und Geschenke zu erhalten. Die Gruppe führte einen Stern mit, der sich drehen ließ. Zu diesem Brauchtum gehört auch die Kreideweihe. Die Kreide wird später zur Anschrift der Segensformel an den Haustüren verwendet: C+M+B. In diesem Jahr werden durch die Corona-Pandemie die Sternsinger nicht von Haus zu Haus gehen, stattdessen setzt man mit den Sternsingern bundesweit auf ein kontakloses Sternsingen mit alternativen Aktionsformen. Segensbriefe können digital aufgenommen und in Gottesdiensten und in Sternsinger-Andachten geteilt und ausgegeben werden.

In Gusenburg ist die Pfarrkirche den Heiligen Drei Königen geweiht, deshalb feiern die Gusenburger auch immer um den 6. Januar ihre Kirmes. In einigen Gegenden wurde früher auch eine Bohnenkönigin oder -könig ermittelt, der oder die jenige die in dem Gebäck eine Münze oder Bohne fand war der/die Glückliche. So reiht sich vielerlei und teilweise auch sehr altes Brauchtum um den Dreikönigstag. (HGR)

Quellen: Feste und Bräuche im Jahreskreis, 1985, Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg, Feiern, Feste, Jahreszeiten, Lebendige Bräuche im ganzen Jahr, 1998, Herder Verlag, Freiburg. „Mit Kindern durch das Kirchenjahr, Der kirchliche Jahreskreis, 1997, Weltbild-Verlag, Augsburg