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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 11/2018
2 - Hermeskeiler Stadtnotizen
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Witzig, spritzig und virtuos

RuH - Stimmgewaltig und virtuos: Kabarettistin und Jazz-Sängerin Birgit Süß, begleitet von Klaus Ratzek an Kontrabass und Tuba, beim Hermeskeiler Kultur(er)Leben

Musikalisches Kabarett mit Birgit Süß beim Hermeskeiler Kultur(er)Leben

„Warum leben Frauen über 50 überhaupt noch weiter?“ ist eine der zentralen Fragen im Programm der Schauspielerin, Kabarettistin und Jazzsängerin Birgit Süß aus Würzburg, die am vorigen Donnerstag im gut gefüllten Saal des MGH Johanneshaus ein weitaus überwiegend weibliches Publikum vorfand. Selbst zu dieser Altersgruppe gehörend hat sie auch gleich ein paar treffende Antworten parat: Niemand sonst gibt so viel Geld aus für Kosmetika, Botox, einschlägige Zeitschriften, Kurse, Yoga und vieles andere. „Wir halten die Welt am Laufen!“, verkündet sie ihrem aufmerksamen Publikum.

Überhaupt ist der rote Faden in dem „Paradies Und Das“ genannten Programm das Thema „Älterwerden“, mit dem sie gnadenlos in alle möglichen Richtungen umgeht. So prophezeit sie für die Zukunft „10 Minuten Bundes-Yoga mit Frau Merkel vor der Tagesschau“, womit vor allem ältere Menschen „in die Bedürfnislosigkeit eingeführt“ werden nach dem Motto „Spüre die Lücke!“.

Überhaupt ist der rote Faden in dem „Paradies Und Das“ genannten Programm das Thema „Älterwerden“, mit dem sie gnadenlos in alle möglichen Richtungen umgeht. So prophezeit sie für die Zukunft „10 Minuten Bundes-Yoga mit Frau Merkel vor der Tagesschau“, womit vor allem ältere Menschen „in die Bedürfnislosigkeit eingeführt“ werden nach dem Motto „Spüre die Lücke!“. Überhaupt, so die Künstlerin, werden die Älteren immer aktiver: „Früher ruhte man sich aus, heute läuft man Marathon – fit for Friedhof.“ Auch die Gauner werden immer älter, weshalb Polizeiautos und Knast „rollatorgerecht“ umgebaut werden müssen. Schließlich ist nicht mehr das Internet („Tinder ist tot!“), sondern der Friedhof die Kennenlernbörse von heute, wo Witwen und Witwer ihre „Endabschnittsgefährten“ suchen. „Wissen Sie übrigens, dass bei Beerdigungen heute so viel geweint wird, weil alles so teuer geworden ist?“ fragt die Kabarettistin und hat gleich einen Lösungsvorschlag parat: „Wie wärs mit Werbung am Sarg?“

Zwischendurch glänzt die ausgebildete Jazzsängerin immer wieder mit ihrer brillanten Stimme, begleitet am Kontrabass oder an der Tuba von Klaus Ratzek, der diese sperrigen Instrumente virtuos beherrscht. Passend zum Thema hier auch ein etwas makabrer Beerdigungssong mit dem Refrain „Schubidu – Deckel zu“. Und nach einem Ausflug ins richtige Leben mit „Bio-Urlaub im Öko-Hotel“, wo „Körner fressen, Kraftfelder spüren und auf die innere Stimme hören“ auf der Tagesordnung stehen („Meine innere Stimme sagt dauernd: ‚Wurstsemmel‘“) kommt zum Abschluss noch eine richtig klasse Version des Songs „Kiss“ von Prince, bei der nicht nur Birgit Süß zeigt, was sie stimmlich drauf hat, sondern auch Klaus Ratzek sich mit einem Solo an der Tuba richtig austoben kann. Die lautstark geforderte Zugabe besteht dann noch in einem bissigen Song mit dem Refrain „Eva, Du hast den Führer geküsst. War das schön? War das schön? War das schön?“

Fazit: Wenn auch die eine oder andere freche Pointe der Kombination von Dialekt und Sprechgeschwindigkeit der Künstlerin zum Opfer fiel, war dies ein gelungener Auftakt der diesjährigen Reihe von „Hermeskeiler Kultur(er)Leben“. Im Hinblick auf den „Weltfrauentag“ am Tag zuvor erhielt jede Besucherin an diesem Abend auch noch ein Glas Sekt auf Kosten der Stadt. (WIL-)

Randbemerkung

Nachdem nun die erste erfolgreiche Veranstaltung im Jahr 2018 stattgefunden hat, wäre es sicher langsam an der Zeit, die Tafeln an den Stadteinfahrten, die noch auf die Reihe „Hermeskeiler Kultur(er)Leben“ mit den Daten des Vorjahres hinweisen, zu entfernen…