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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 11/2018
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Seniorenwohnpark im Klostergarten?

Franziskanerprovinz plant Projekt zur „Nutzungsoptimierung“ der Liegenschaft

Nach dem von der deutschen Ordensleitung der Franziskaner beschlossenen „Aus“ für das Hermeskeiler Kloster im Herbst 2016 und der Wiederbelebung des Klostergebäudes durch den Einzug von drei Franziskanerinnen im Herbst letzten Jahres stellte nun der Konvent als Eigentümer des Geländes dem Stadtrat seine Pläne zur dortigen Entwicklung vor. In Übereinstimmung mit dem Klostergedanken soll dort ein dreistöckiger Seniorenwohnpark mit 80 Einzelzimmern implementiert werden.

Der Abzug der Franziskanerbrüder vor zwei Jahren hatte die Bevölkerung der Stadt und der Umgebung in Aufruhr versetzt. Spontan wurde ein Förderverein zur Erhaltung des „Klösterchens“ gegründet und durch vielerlei Bemühungen gelang es mit dem Einzug von drei Franziskanerinnen und vielfältigen spirituellen Angeboten, an diesem Ort wieder geistliches Leben entstehen zu lassen. Vieles hat Akzeptanz gefunden und sich positiv weiterentwickelt. Das stellt auch Dr. Vogt als Vertreter des Ordens positiv heraus. Der demographische Wandel gehe auch an den Ordensgemeinschaften nicht spurlos vorbei. Unter diesem Aspekt müsse man Lösungen suchen, die eine sinnvolle am Klostergedanken orientierte aber kostendeckende Nutzung freier Kapazitäten gewährleiste. Nach Sondierung der Angebote in der Umgebung erschien die Errichtung eines Seniorenparks besonders geeignet.

Die ersten Planungen sehen vor, zwischen dem Klostergebäude und der Klosterstraße einen dreigeschossigen Gebäudekomplex in Form eines „auf den Kopf gestellten V“ zu errichten. Er soll neben dem Verwaltungs- und Versorgungsbereich und Aufenthaltsräumen insgesamt 80 Einzelzimmer à 22 m² ausweisen. Aufgrund des Flachdaches überragt der Bau das derzeitige Klostergebäude nicht und der Abstand zur umliegenden Bebauung beträgt ca. 25 – 30 m. Die Fassadenstruktur wird durch raumhohe Fenster aufgelockert, die nach außen gerichteten Räume haben keinen Balkon. Der alte Baumbestand wird zum überwiegenden Teil erhalten, den Betreibern des Klosters verbleibt noch ein Areal von ca. 2.000 m² (Anmerkung der Redaktion: Leider entsprach das Konsortium der Bitte der Redaktion nicht, ihr die im Rat präsentierte Planskizze zur besseren Darstellung zuzusenden).

Neben der von Ratsmitgliedern und Anliegern vorgetragenen Skepsis, ob sich so ein Komplex in das Stadtbild und die nähere Umgebung einfügt und nicht massiv die Wohnqualität und den Wert der Immobilien negativ beeinflusst, äußerten die Vorsitzende des Fördervereins Dr. Kerstin Schmitz-Stuhlträger und die Geschäftsführerin der Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft (INFAG ist der Zusammenschluss der Gemeinschaften der franziskanisch-klarianischen Familie im deutschen Sprachraum), Schwester Christa Mühling ebenfalls ihre Bedenken zu den vorgestellten Planungen. Beide begrüßen ausdrücklich das Projekt. Wichtig sei aber ein gemeinsames Miteinander. Die Zimmer, die im Kloster anlässlich der verschiedenen Projekte für Übernachtungen angeboten werden, befänden sich größtenteils im Untergeschoss. Werde die dreistöckige Bebauung mit nur zehn Meter Abstand zum Klostergebäude wie geplant umgesetzt, würden die Lichtverhältnisse erheblich eingeschränkt und eine Nutzung unzumutbar gemacht werden. Das wäre das Ende des derzeitigen Konzeptes. Ein drehen des Komplexes oder eine wie auch immer architektonisch gestaltete Öffnung zum Kloster hin würde dem Miteinander dienen und allen Seiten besser gerecht werden.

Von Investoren und von Stadtseite wurde betont, dass es sich hier um erste Vorstellungen und noch nicht um konkrete Planungen handelt. Der Stadtrat gab dem Investitionsvorhaben seine grundsätzliche Zustimmung. Mit dieser positiven Mitteilung versehen aber auch mit den Eindrücken, aus welchen Richtungen Gegenwind kommen kann, und was aus den Anregungen heraus planungstechnisch verändert werden sollte, verließen die Vertreter des Konvents den Sitzungssaal, um ihre „Hausaufgaben“ zu erledigen. Voraussetzung für die Umsetzung des Vorhabens ist nun die Aufstellung eines Bebauungsplanes mit Zweckbestimmung „Sondergebiet Seniorenwohnpark“ und der Abschluss eines städtebaulichen Vertrages zur Durchführung des Bebauungsplanes. Dieser soll nach Vorlage der Detailplanungen durch den Investor zunächst im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) erörtert werden, bevor eine Bauleitplanung in Gang gesetzt wird. (BäR)