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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 11/2026
Aus der Heimatgeschichte
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"Starfighter bei Hermeskeil abgestürzt"

So oder so ähnlich lauteten die Überschriften von Schlagzeilen in vielen Zeitungen, Rundfunkmeldungen und Fernsehnachrichten. Die den Schlagzeilen folgenden Meldungen entsprachen damals aber - wie RuH berichtete - angeblich nicht alle dem tatsächlichen Sachverhalt. „Ohne auf die einzelnen Berichte oder Falschmeldungen einzugehen, soll unseren Bürgern, in deren Nähe sich das grauenhafte Unglück ereignete, ein der Wirklichkeit entsprechender Bericht über das Unglück gebracht werden“, hieß es da.

Hier der Bericht aus „Rund um Hermeskeil, Ausgabe Nr. 12 vom 19. März 19661:

Die Unglücksmaschine startete am 10. 3. 1966 um 11.25 Uhr auf dem Flugplatz Büchel mit einem routinemäßigen Übungsauftrag als Einzelmaschine. Am gleichen Tage wurde die Luftnotmeldung des Flugzeuges bekanntgegeben, weil die Maschine zur vorgesehenen Landezeit nicht eintraf und auch keine Funkverbindung zur Maschine bestand. Die Luftnotmeldung war auch hier bekannt und es waren evtl. Nachrichten aus der Bevölkerung oder amtliche Wahrnehmungen zu berichten. Am Unfalltage selbst wurden Wahrnehmungen nicht bekannt.

Am 11. 3. 1966 gegen 11.00 Uhr wurde der Gendarmeriedienststelle in Hermeskeil von Herrn Straßen, Bediensteter des RWE in Hermeskeil, ein Hinweis auf die vermutliche Absturzstelle gegeben, weil bei Reparaturen an einer Stromoberleitung, die zum Forsthaus Neuhof (Kreis Birkenfeld)2 führt, festgestellt worden war, dass die Leitung von Teilen eines Flugzeuges beschädigt worden war. Bei der Suche nach der Ursache wurde die Absturzstelle gefunden.

Die Sicherung der Unglücksstelle und Bergung wurde sofort eingeleitet. Bei der ersten Inaugenscheinnahme der Absturzstelle wurde bereits erkannt, dass der Pilot beim Absturz der Maschine getötet worden war. Bei den Ermittlungen wurde bekannt, dass Einwohner von Neuhütten am Unglückstage gegen Mittag eine Detonation vernommen hatten, glaubten aber, ein Düsenjäger habe die Schallmauer durchbrochen, was bei uns ja auch nicht mehr als außergewöhnliche Wahrnehmung angesehen werden kann.

Die Ermittlungen zur Festlegung der Unfallzeit erbrachten das Ergebnis, dass der Absturz in der Zeit zwischen 11.32 und 11.40 erfolgt sein muss. Es wurden Anhaltspunkte ermittelt, aus denen die genaue Absturzzeit noch festgestellt werden kann. Damit steht fest, dass die Maschine nicht auf dem Rückflug wegen Brennstoffmangels abstürzte, wie es in manchen Sensationsberichten bekannt gegeben wurde.

Zur Sicherung und Absperrung der Unfallstelle, die als erste Maßnahme von der Gendarmerie, unterstützt von Soldaten der Hermeskeiler Garnison erfolgte, sei erwähnt, dass dadurch Neugierige abgehalten werden mussten, die aus Sensationslust herbeieilten. Zudem war das grauenhafte Zerstörungsbild nicht für Kinder und Jugendliche geeignet, die unter den Zuschauern am häufigsten vertreten waren. Es wäre pietätlos gewesen, wenn man jeden Neugierigen an die Unglücksstelle und evtl. noch zum Fotografieren gelassen hätte, bevor die Leiche des Piloten geborgen war.

Bei dem getöteten Piloten handelt es sich um den 28 Jahre alten Feldwebel Horst Stüber vom Jagdbombergeschwader 33 in Büchel, wohnhaft in Cochem-Brauheck. Wie bekannt wurde, war Stüber ein erfahrener Pilot und hatte bereits 1000 Flugstunden.3

Zu den Meldungen des Ostzonen4-Rundfunks und auch zu den Meldungen von Radio Moskau, die hier abgestürzte Maschine habe eine Atombombe an Bord gehabt, kann aus eigenen Wahrnehmungen des Schreibers dieser Zeilen berichtet werden, dass diese Nachrichten frei erfunden sind.


1 Wer der Autor des Artikels war, geht aus der Zeitung nicht hervor. Verantwortlicher Redakteur für den Inhalt dieser Ausgabe war der spätere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, Oskar Becker, der zu dieser Zeit zum Redaktionsstamm unserer Heimatzeitung „Rund um Hermeskeil“ gehörte. Vermutlich hatte also er diesen Text verfasst.

2 Das ehemalige Forsthaus Neuhof steht etwa einen Kilometer östlich des Neuhüttener Ortsteils Zinsershütten unterhalb des Tirolerkopfs.

3 An der Absturzstelle erinnert seit 1967 ein Gedenkstein an den ums Leben gekommenen Starfighterpiloten. Die Inschrift lautet: „Zum Gedenken an Horst Stüber, geboren 21.4.1937, abgestürzt 10.3.1966, von allen, die ihn liebten und kannten“.

4 Obwohl zu dieser Zeit die DDR - ebenso wie die Bundesrepublik Deutschland - schon 17 Jahre alt war, weigerten sich konservative Kräfte im Westen lange Zeit, den offiziellen Namen des zweiten deutschen Staats in den Mund zu nehmen und bezeichneten ihn immer noch als „Ostzone“ oder „SbZ“ (Sowjetisch besetzte Zone).