Auch die abgebildete Maschine flog eins in einem Geschwader der Bundesluftwaffe. Heute dient sie als Denkmal vor einem Militärflugplatz.
Die Geschichte über ein legendäres Flugzeug der Bundewehr
Viele ältere Leser können sich vermutlich noch gut an den Kampfjet „Starfighter“ erinnern. Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts donnerten diese Maschinen täglich mit einem Höllenlärm über unsere Köpfe. Die Maschine, die wie eine Rakete mit Stummelflügeln aussah, hatte die Eigenschaft, erst einmal in der Ferne zu verschwinden, um nach einem riesigen Wendekreis zurück zu kommen. Und es waren viele Maschinen, denn in unserer Region gab es zahlreiche Militärflugplätze, auf denen der Starfighter stationiert war: Bitburg, Nörvenich, Spangdahlem, Büchel, Hahn, Pferdsfeld, Ramstein und Zweibrücken. Hinzu kamen noch Maschinen anderer Nato-Staaten, die den Hochwald mit ihrem Lärm terrorisierten.
Der Starfighter F 104 wurde 1962 bei der Bundesluftwaffe vom damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß (FJS) eingeführt. Dabei setzte FJS auf Masse, letztendlich wurden 916 Maschinen dieses Typs gekauft, für heutige Verhältnisse eine wahnsinnige Zahl. Und es gab damals schon ein moderneres Nachfolgemodell, den F 106. Doch die Bundeswehr übernahm nicht die Version des F 104 der US-Air Force, einen „Schönwetter-Jäger“ zur Landesverteidigung, sondern forderte von der Industrie ein Mehrzweckflugzeug, einen Jagdbomber und Aufklärer. Aber die notwendige Ausrüstung mit zusätzlicher Elektronik, Radar, Navigationssysteme, Bomben und Zusatztanks veränderte die Ursprungsversion entscheidend. Der Starfighter wurde schwerer, er war anspruchsvoller zu fliegen, wurde wartungsintensiver und störanfälliger.
Und schon bald nach der Einführung in die Luftwaffe häufen sich die Unfälle, es gibt Abstürze und tote Piloten. Besonders schockierend: Bei der Generalprobe der neuen Kunstflugstaffel für den offiziellen Start des Starfighters stürzten im Juni 1962 alle vier Piloten in den Tod. Im Januar 1966 berichtet das Magazin „Der Spiegel“, dass es in den vergangenen Monaten besonders viele Piloten zu Tode gekommen seien, kurz nach dem Start, beim Steigflug, beim Landeanflug, durch Schäden am Triebwerk, weil das Kabinendach beim Flug sich löste oder weil Piloten das Bewusstsein verloren hätten. Ein Staffelkapitän aus Nörvenich verlor kurz nach dem Start das Bewusstsein, die Maschine hielt den Kurs, flog, bis der Treibstoff zur Neige ging und stürzte bei Norwegen gegen einen Berg. In Büchel schoss sich ein Pilot, dessen Maschine sich beim Landeanflug überschlug, mit dem Schleudersitz in den Boden, andere wurden beim Notausstieg vom Kabinendach tödlich verletzt, die ersten Schleudersitze waren mangelhaft und führten ebenfalls zu tödlichen Unfällen, wenn die Piloten sich aus der Maschine rausschießen mussten. Innerhalb weniger Jahr verliert die Bundeswehr 47 Maschinen, sterben 26 Piloten. Bald schon hat der Starfighter den Namen „Fliegender Sarg und Witwenmacher“. Die Probleme für die Abstürze sind vielfältig. Wartungsfehler, mangelnde Ausbildung, fehlende Übungsflüge und Überforderung der Piloten. Ausgebildet werden die Piloten im sonnigen Arizona, nach der Rückkehr in die Heimat werden sie auf dem Fliegerhorst Upjever noch 6 Monate an das Wetter in Deutschland gewöhnt, sie trainieren Starts und Landungen bei mitteleuropäischen Wetterbedingen.
Trotz aller Probleme, die es mit dem Starfighter gibt, die Piloten sind von der Maschine begeistert. Die Maschine hat 29.000 PS, fliegt doppelte Schallgeschwindigkeit, ist 2.300 km pro Stunde schnell und hat einen Wendekreis von 11 km. Sie kann auf 17.000 Meter steigen und fliegt von Dänemark bis Österreich in 25 Minuten. Doch die Probleme und Abstürze bleiben, erst als die Wartung und Versorgung mit Ersatzteilen spürbar verbessert wird, gehen die Abstürze 1967 spürbar zurück. Doch es gibt weiterhin tragische Fälle, so der Sohn von Verteidigungsminister Kai-Uwe v. Hassel, Joachim von Hassel, der am 10. März 1970 mit seiner Maschine abstürzt und dabei zu Tode kommt. Auch in unserer Region gibt es Abstürze, so 1966 bei Neuhütten und am 25. 9. 1975 bei Ralingen-Godendorf, als 4 italienische Starfighter gleichzeitig abstürzen, sie waren von Bitburg kommend auf dem Rückflug nach Italien, die Ursache ist bis heute nicht gänzlich geklärt.
1991 wird der Starfighter außer Dienst gestellt. Bis dahin gingen von 916 Maschinen 292 verloren, 116 von insgesamt 2.000 Piloten kamen dabei ums Leben. Inzwischen fliegt die Bundesluftwaffe andere Maschinen, zurzeit den Eurofighter und den Tornado, auch diese Maschinen sollen demnächst von neueren Maschinen abgelöst werden, z. B. der F 35.
Eine Anmerkung noch zum Schluss. FJS wollte ursprünglich die französische Mirage III kaufen, entschied sich aber für den Starfighter, angeblich weil er von der amerikanischen Hersteller-Firma Lockheed Geld angenommen hatte und geschmiert worden war. Bewiesen wurde das nie, der Untersuchungsausschuss des Bundestages kam in seinem Abschlussbericht vom März 1980 zu dem Ergebnis, dass eine Bestechung nicht stattgefunden habe. bb (Quelle: Bericht des NDR vom 24. 01. 2026)