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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 14/2018
2 - Hermeskeiler Stadtnotizen
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... aber nur eine einzige Zeugin ist gekommen. Die anderen haben entweder geschrieben oder angerufen und gesagt, sie hätten nichts gesehen, sie wüssten nichts und könnten deshalb auch nichts sagen. Das teilt Amtsgerichtsdirektorin Corinna Diesel zu Beginn der Verhandlung mit. Am Morgen hat dann noch einer angerufen und mitgeteilt, dass sein Auto nicht anspringt. Die Verhandlung findet trotzdem statt.

Angeklagt ist ein Ehepaar wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Es hat Welpen vor Ablauf von acht Wochen nach dem Wurf von der Hündin getrennt – eine klare Ordnungswidrigkeit, denn das ist nur erlaubt, wenn es von einem Tierarzt schriftlich genehmigt wird, was hier nicht der Fall ist. Die Hündin, eine argentinische Dogge, hat das Paar dann verkauft, angeblich in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. So jedenfalls steht es in der Anklageschrift, die Amtsanwältin Fassian verliest: Wegen des zu frühen Absetzens der Welpen soll sie einen Milchstau gehabt haben, durch den sich die Milchdrüsen entzündet haben. Obwohl das Tier unter Schmerzen gelitten haben soll, haben die Angekagten eine tierärztliche Behandlung unterlassen. Die Anklagebehörde hat das als Tierquälerei gewertet und zwei Strafbefehle über jeweils 1800 Euro erlassen, gegen die das Paar Einspruch eingelegt hat. Für die Ordnungswidrigkeit soll zudem jeder der beiden 250 Euro Bußgeld bezahlen.

Die Hündin sei nicht krank, sondern in einem guten Zustand gewesen, beteuert der Angeklagte. Die Richterin hält ihm ein veterinärärztliches Gutachten aus der Akte entgegen, wonach das Tier völlig abgemagert gewesen sein soll. Verteidiger Christian Kruchten bestreitet das: "Die Fotos in der Akte beweisen das nicht." Doch auch der Amtsveterinär, der als Zeuge geladen ist, ist nicht zur Verhandlung erschienen.

Auf die Frage des Gerichts, warum die Hündin verkauft worden sei, berichten die Angeklagten von ihren anderen Hunden, mit denen sie sich nicht vertragen hat. "Wegen der Kinder wollten wir sie auch nicht frei herumlaufen lassen", erklärt der Mann.

Wohl im Hinblick auf die widersprüchlichen Aussagen bringt Frau Diesel schließlich einen Kompromiss ins Spiel und schlägt nach Diskussion mit Anklägerin und Verteidiger vor, das Verfahren gegen Auflagen vorläufig einzustellen. Der Mann soll in sechs Monatsraten 300 Euro an ein Tierheim bezahlen und beide sollen gemeinnützige Arbeit leisten, er 80 und sie 100 Stunden. Alle Beteiligten - Angeklagte, Verteidiger und Anklagevertreterin - nehmen diesen Vorschlag an. Die einzige erschienene Zeugin braucht deshalb auch nicht mehr auszusagen. Werden die Zahlung und die Stunden nach sechs Monaten dem Gericht nachgewiesen, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Korrektur

In der Berichterstattung in der letzten RuH-Ausgabe war der Vortrag des Verteidigers leider unzutreffend dargestellt. Rechtsanwalt David Wilhelmi hat den Freispruch nicht beantragt, weil für ihn nicht feststand, dass der Angeklagte die Unterschrift gefälscht hatte. Vielmehr hat er vorgetragen, der Angeklagte sei nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ freizusprechen, weil nicht feststehe bzw. nachweisbar sei, dass er gewusst habe, dass die Unterschriften auf dem Formular gefälscht seien. (WIL-)